Die LICHTER gehen ‚on‘

Corona-Zeit – Experimentierzeit. Das 13. LICHTER Filmfest Frankfurt International trotzt der Ausgangssperre und wagt vom 21. bis 26. April den Schritt in den komplett virtuellen Festivalraum.

In den gerade mal gut zehn Jahren seit ihrer Gründung 2008 haben sich ‚die LICHTER‘ mit mittlerweile rund 13.000 Besucher/innen zu einer festen Größe in der regionalen und überregionalen Festivallandschaft gemausert – dank Innovationsfreude, großem Engagement für das hiesige Kino und Mut zum „Mitmischen“ – thematisch und politisch. Einer der vorläufigen Höhepunkte: Die 2018 einberufene Sektion mit begleitendem Kongress „Zukunft Deutscher Film“ (O-Ton Schirmherr Edgar Reitz: „Der deutsche Gremienfilm hat ausgedient“).

Im Spirit der Erneuerung machen die LICHTER 2020 also weiter, anstatt sich von den Umständen aufhalten zu lassen. Mit einem ziemlich passenden Jahresthema: Nach „Wahrheit“, „Chaos“ und „Natur“ dreht sich in der 13. Ausgabe des Festivals 2020 alles um das Thema „Macht“.

Mit Klick geht’s zum kompletten on-Demand-Programm auf der LICHTER-Website

 

Das Programm gliedert sich nach den bekannten Sektionen der jeweils „internationalen“ und „regionalen“ Langfilme und Kurzfilme (bei den „International Shorts“ ergänzt um ein „Best Of“-Programm), der Sektion „Zukunft Deutscher Film“ sowie dem 4. LICHTER „Virtual Reality Storytelling Award“.

Da reiht sich im internationalen Programm etwa der Cannes-prämierte Langfilm BACURAU der beiden Brasilianer Kleber Mendonça Filho und Juliano Dornelles neben den polnischen Abräumer CORPUS CHRISTI von Jan Komasa, den kanadischen Inuit-Film ONE DAY IN THE LIFE OF NOAH PIUGATTUK oder die Drogen-Doku SOLEILS NOIRS.

BACURAU inszeniert eine dystopische Brachlandcommunity im Nordosten Brasiliens, die von einer Bande amerikanischer Großwildjäger unter Anführer Michael (Super-Bösewicht Udo Kier) heimgesucht wird und ist der wüstere Nachfolger von Mendonça Filhos AQUARIUS, der zuletzt bei den Días de Cine im Kino des DFF zu sehen war.

CORPUS CHRISTI dreht sich um den hochstapelnden jungen Dorfpriester Daniel, ein Ex-Jugendknasti, der Macht und Berufung aufgrund seiner Vorstrafe nur durch gänzlich unorthodoxe Methoden zu verfolgen weiß …

ONE DAY IN THE LIFE OF NOAH PIUGATTUK (R: Zacharias Kunuk) lässt einen kanadischen Regierungsbeamten im Jahr 1961 auf eine Gruppe Inuit treffen und erzählt mit lakonischem Humor eine Episode aus der Weltgeschichte der Zurückdrängung von „First People“ durch Westler.

Eine andere Weltgeschichte der Macht lässt sich entlang des internationalen Drogenhandels verfolgen (aktuell fantastisch rekapituliert in der ARTE Mediathek). Die niederschmetternden Folgen für die Bevölkerungen von Narco-Staaten wie Mexiko zeichnet in selten gesehener Tiefe – so die Ankündigung – die kanadisch-mexikanische Dokumentation SOLEILS NOIRS (R: Julien Elie) nach. Virtuelle Filmgespräche sind geplant.

ORPHEA (DE 2020)
NACKTE TIERE (DE 2020)
DER ZWEITE ANSCHLAG (DE 2018)

Vielversprechend auch die drei Beiträge der Sektion zur Initiative „Zukunft Deutscher Film“, alle mit begleitenden Interviews mit den Filmschaffenden Alexander Kluge (zu ORPHEA), Melanie Waelde (zu NACKTE TIERE) und Mala Reinhardt (zu DER ZWEITE ANSCHLAG) sowie die dazugehörige Podcast-Reihe als Vorgeschmack auf den diesjährigen Kongress, der im Herbst nachgeholt werden soll.

Gehostet wird das komplette Filmprogramme auf der Plattform festivalscope.com, für die sich Nutzer/innen kostenlos registrieren können – eine Ausnahme bilden die VR-Beiträge und Filmtalks, die auch so gestreamt werden können, und zwar kostenlos. Ähnlich wie im Kinosaal sind die Filmstreams auf 300 Abrufe limitiert.

Ebenfalls kostenfrei sind neben den VR-Beiträgen und Filmtalks auch alle „International Shorts“.

Für alle Langfilme kostet der Abruf über die Hosting-Plattform je 8,00 Euro, was einem regulären LICHTER-Ticket entspricht, für die regionalen Kurzfilmrollen mit je fünf Beiträgen sind es 3,00 Euro. Die Abrufpreise sind als Solibeiträge zu verstehen, die neben den Rechteinhaber/innen auch den Festivalkinos zugutekommen (darunter das Kino des DFF).

Einen Publikumspreis gibt es auch – per Online-Voting in der Sektion „regionaler Kurzfilm“.

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