Die schwedische Sphinx

von Stephanie Pohl

Heute jährt sich Greta Garbos Todestag zum 30. Mal. Geboren am 18. September 1905 im schwedischen Stockholm, stieg sie jung in die Stummfilmbranche ein. Als eine der wenigen Schauspielerinnen gelang ihr der Sprung zum Tonfilm und nach Amerika, 1925 nahm MGM sie unter Vertrag.

Einer meiner Lieblingsfilme mit Greta Garbo ist MATA HARI (US 1931, George Fitzmaurice). Vor allem Gilbert Adrians Kostüme begeistern mich immer wieder, sie lassen sie erotisch, androgyn und exotisch wirken und bleiben zugleich den frühen 1930er Jahren verpflichtet. Seine Entwürfe für Kappen, Bandeaus und Kopfputze verbergen das Haar und geben Garbos Gesicht Raum, Großaufnahmen offenbaren ihre Alabasterhaut und die feinen Züge. Die ernste Mimik „der Göttlichen“ wird durch das Licht perfekt akzentuiert und eingefangen. Raffiniert legt Adrian mit seinen aufwendigen Kostümschnitten Rücken, Schulter oder Dekolletee der Garbo frei. Fließende, mit Straß besetzte Stoffe unterstützen ihre lasziven Bewegungen. Garbos Mata Hari ist eine verführerische, von unwiderstehlicher Schönheit und erotischer Anziehungskraft geprägte Frau.

Mata Haris Schleiertanz zu Beginn des Films bündelt diese Ausstrahlung. Nach ihrem Tanz, der Männer und Frauen im Publikum gleichermaßen begeistert, kursieren Gerüchte über ihre Herkunft. Mata Hari wird als geheimnisvoll, begehrenswert und unnahbar inszeniert. Ein Zuschauer bemerkt: „She makes matrimony so dull“ („Sie läßt die Ehe fad aussehen“). Bürgerliche Verhältnisse stellt sie damit auf den Kopf und verkörpert eine zivilisatorische Gefahr.

Mit der Darstellung der Agentin manifestiert sich Greta Garbos Ruf als femme fatale. Oftmals der Demi-Monde angehörend, liebt die femme fatale nur selten einen einzigen Mann. Ihre Liebe ist in mehrfacher Hinsicht ruinös und scheint dennoch ein Glücksversprechen zu enthalten. Es verwundert daher nicht, daß diese Liebe auch als Bedrohung empfunden wird. Das spiegelt Matas Verehrer, General Schubin, in einem Gespräch mit ihr, Schubin betrachtet sich bereits als tot.

Mata Hari ist bisweilen grausam und außerordentlich selbstbewusst. „I am my own master“ („Ich bin meine eigener Herr“), sagt sie und trägt dafür die Konsequenzen. Die Liebe zu dem jungen Leutnant Alexis Rosanoff verändert sie jedoch. Seine stürmische und naive Zuneigung amüsiert sie zunächst, doch nach einer gemeinsam verbrachten Nacht entwickelt sie Gefühle. Rosanoff muss für seine Verblendung bezahlen, dass Liebe bekanntermaßen blind macht, erfährt er am eigenen Leib.

Wie Mata Hari lebte auch Greta Garbo ein selbstbestimmtes Leben. Sie hat nie geheiratet und ihr Privatleben weitestgehend geheim gehalten. 1990, im Alter von 84 Jahren, starb sie in New York und wurde dort eingeäschert. Neun Jahre später fand sie ihre endgültige Ruhestätte auf dem Stockholmer Waldfriedhof.

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