Filmrezepte: der Wackelpudding aus JURASSIC PARK

Von Naima Wagner

In Steven Spielbergs Kultfilm JURASSIC PARK (US 1993) erschafft der Multimilliardär John Hammond auf der Insel Isla Nublar mithilfe modernster Gentechnologie einen Familien-Erlebnispark mit lebenden Dinosauriern – von dessen Sicherheit und Familienfreundlichkeit er dermaßen überzeugt ist, dass er auch seine Enkel Lex und Tim auf die Dino-Insel eingeladen hat.

Ein Erlebnispark mit lebenden Dinosauriern – was für eine großartige Idee. Wer wäre damals beim Schauen des Films nicht gern an der Stelle der beiden Kinder gewesen? Wie gerne hätte man selbst an der Führung durch den Jurassic Park teilgenommen und die riesigen Kreaturen bewundert, die vor Millionen von Jahren unseren Planeten bewohnten.

Als die beiden erschöpften Kinder zurück ins Besucherzentrum gebracht werden, wartet dort auf sie ein üppiges Buffet mit Torten, Kuchen, Eiscreme und alle denkbaren Süßspeisen, bei dem wohl jedes Kind große Augen bekäme.

Zwischen all den Leckereien wartet auf die Kinder auch eine Schüssel mit grünem Wackelpudding. Gerade auf den Löffel gehoben, beginnt die grüne Geleemasse heftig zu zittern – und kündigt so einen unerwarteten Besucher an…

Waldmeister-Wackelpudding

Wer an Waldmeister denkt, denkt wahrscheinlich nicht an die in den Laubwäldern Eurasiens wachsende Pflanze mit den sternförmigen Blättern, sondern an den giftgrünen Wackelpudding, der bis heute ein beliebter Bestandteil vieler Kindergeburtstagsbuffets ist.

Tatsächlich stellte sich der Weg zum selbst gemachten Wackelpudding als unerfreulicher heraus als gedacht. Beschwingt von der Filmbegeisterung macht man sich ans Werk und erlebt verschiedene Stationen der Ernüchterung – die erste gleich bei den Vorbereitungen. Bei der Zubereitung des Waldmeister-Wackelpuddings wird nämlich meistens nicht auf das frische Kraut, sondern auf ein Fertigprodukt zurückgegriffen. Das muss aber auch anders gehen! Also frischen Waldmeister im Wald gepflückt und los geht’s.

Zutaten:
(für etwa vier Portionen)

1 Bund Waldmeister
500 ml Wasser
1 Spritzer Zitronensaft
60 g Zucker
grüne Lebensmittelfarbe
6 Blatt Gelatine (alternativ Agar-Agar)

Und so geht’s (theoretisch):

1. Den Waldmeister waschen, abtrocknen und ausgebreitet auf einem Küchentuch zwei Tage trocknen, damit er sein Aroma entfalten kann.
2. Den getrockneten Waldmeister mit 450 ml Wasser in einen Topf geben und die Flüssigkeit zum Kochen bringen. Sobald das Wasser einmal aufgekocht ist, den Topf wegziehen und den Inhalt ca. 10 Minuten ziehen lassen.
3. Während der Ziehzeit die Gelatineblätter in kaltem Wasser einweichen.
4. Den Waldmeister herausnehmen. Zucker, Zitronensaft und die grüne Lebensmittelfarbe dazu geben und die Flüssigkeit erneut zum Kochen bringen.
5. Die nasse Gelatine leicht ausdrücken, in einen Topf geben und erhitzen bis sie sich vollständig aufgelöst hat. Dann erst  3 EL der Waldmeistermischung mit der eingeweichten Gelatine vermischen und schließlich die komplette restliche Gelatine hinzugeben.
6. Die Flüssigkeit in Dessertschüsseln umfüllen und kühl stellen. Nach ca. vier Stunden ist der Wackelpudding kalt und geliert.

Die nächste Enttäuschung betrifft die Farbe: Ohne die Zugabe der Lebensmittelfarbe ist der Waldmeister-Wackelpudding nicht grün, sondern sieht eher hell und gänzlich unspektakulär aus – auf keinen Fall wie eine Speise, die man im aufregendsten Erlebnispark aller Zeiten nach einer Dino-Führung essen würde. Aber nun gut, dann eben hinein mit der Farbe, bis die Flüssigkeit das gewünschte Giftgrün erreicht hat.

Nach mehrstündigem Warten, während der Wackelpudding kalt und fest wird, steigt die Spannung. Beim Probieren stellt man zunächst fest: So toll ist diese wabblig-wacklige Konsistenz, die man früher so erheitert vom Löffel gesaugt hat, überhaupt nicht. Und dann die ultimative Geschmacksenttäuschung: Der Wackelpudding schmeckt zwar nach Waldmeister aber auch irgendwie, nun ja, nach verwelktem Kraut. Soll das so schmecken? Oder ist bei der Zubereitung etwas schief gegangen?

So geht es einem mit dem selbstgemachten Waldmeister-Wackelpudding letztlich wie mit den JURASSIC-PARK-Fortsetzungen: Am Anfang ist man vorfreudig und ein wenig nostalgisch, am Ende fühlt man sich enttäuscht und ein wenig betrogen. Da hilft wohl nur eines: Einen Fertig-Wackelpudding kaufen und den Film von ’93 nochmal schauen!

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