TERZA VISIONE

10. Festival des italienischen Genrefilms

Die 10. Festival-Ausgabe des Festivals begibt sich vom 17. bis 21. Juli 2024 im Kino des DFF erneut auf eine Reise durch die bunte und vielfältige Welt des italienischen Genrekinos. „Terza Visione“ bedeutet „Dritte Spielzeit“ und ist einer früher in Italien üblichen Bezeichnung für Nachspielkinos entlehnt. Im Fokus steht das populäre italienische Kino der 1950er bis 1980er Jahre, das in seiner Blütezeit einen Großteil der nationalen Filmproduktion ausmachte. Der schiere Umfang dieses filmischen Kosmos brachte unterschiedliche künstlerische Handschriften hervor, die das Programm facettenreich beleuchtet. Am Sonntag erweitert ein „internationaler Tag“ den Blick über Italien hinaus auf das internationale Genrekino, das vor allem in Europa von gegenseitiger Beeinflussung und Inspiration geprägt war. Alle Filme des Programms sind in analogen 35mm-Filmkopien zu sehen, die aus zahlreichen Filmarchiven aus verschiedenen Ländern stammen. Ergänzend sind bei einigen Vorführungen vorab Einführungen, Kurzfilme oder historische Kinotrailer zu sehen.

HOMMAGE AN ENZO G. CASTELLARI ZUR ERÖFFNUNG

Enzo G. Castellari ist einer der bedeutendsten noch lebenden italienischen Genrefilm-Regisseure. Zur Festivaleröffnung am Mittwoch, den 17. Juli, werden wir mit JOHNNY HAMLET und RACKET zwei zentrale Werke aus den beiden Genres zeigen, in denen der vielseitige Filmemacher am häufigsten gearbeitet hat: Western und Polizeifilm.

Sehr gerne wäre Castellari persönlich angereist und war voller Vorfreude. Doch aus gesundheitlichen Gründen musste er unmittelbar vor Programmschluss leider die Reise wieder absagen. Sofern es die Umstände zulassen, ist ersatzweise eine Zoom-Zuschaltung oder ein Videogruß zur Eröffnung geplant.

Außerdem ist der neue Dokumentarfilm DARIO ARGENTO: PANICO über den letztjährigen Terza-Visione-Ehrengast Dario Argento, dem im DFF im Juli 2023 eine umfangreiche Werkschau gewidmet war, als Deutschlandpremiere zwar nicht als offizieller Teil des Festivals, aber während des Festivalzeitraums zu sehen in der Reihe Kultkino (mit Dauerkarte zum Sonderpreis von 6 Euro, dazu beim Online-Kauf “Mit Dauerkarte Terza Visione” auswählen).

Der Filmclub Treppe 41 zeigt bereits am 12. Juli zur Einstimmung Tinto Brass’ Skandalfilm CALIGOLA.

In Kooperation mit dem Italienischen Kulturinstitut Köln:

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Freitag  05.07.2024

20:30 Uhr

CONFESSIONE DI UN COMMISSARIO …

Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert
Italien 1971. R: Damiano Damiani. D: Franco Nero, Martin Balsam, Luciano Catenacci, Marilù Tolo. 106 Min. 35mm. DF
German version
Einführung am 20.7.: Sven Safarow
Weitere Vorführung des Films bereits am Fr 5.7.!
Filmreihe: Terza Visione

„Ein grandioser Regieeinfall: Zwei Staatsdiener (Franco Nero als Staatsanwalt und Martin Balsam als Polizist) brüllen sich in der Gebirgswüste Siziliens an. Sie (…) trennen sich unversöhnt. Beide steigen vor Wut versehentlich ins Auto des anderen. Die Kamera zieht auf, und wir sehen, dass sie einen sehr ähnlichen Kleinwagentyp fahren, beide schwarz. Sie bemerken den Irrtum gleichzeitig, steigen wieder aus, und jeder geht schweigend und trotzig am anderen vorbei zu seinem richtigen Auto. Diese Idee erzählt natürlich, dass sie eigentlich aus dem gleichen Schrot und Korn gemacht und beide alles andere als bestechlich sind. Am Ende des Films werden sie einander als einzige noch vertrauen können in der zersetzenden Atmosphäre, die die Machenschaften der Camorra über ein ganzes Land legt. [...] DER CLAN, DER SEINE FEINDE LEBENDIG EINMAUERT ist einer der besten Mafiafilme überhaupt, und Franco Nero erzählt in einem Interview stolz, dass kein anderer italienischer Film jemals international so gut verkauft wurde. Der enorme Erfolg gerade dieses Films muss mit den fabelhaften Schauspielern, dem unverwechselbar italodynamischen Erzählstil, mit der förmlich spürbaren Wut des Regisseurs auf die verdorbene Führungsschicht seines Landes und vor allem mit der wirklich atemberaubenden Geschichte zu tun haben.“ (Dominik Graf, in: Schläft ein Lied in allen Dingen)

Mittwoch  17.07.2024

17:00 Uhr

DAUERKARTE TERZA VISIONE - RESERVIERUNG

Für die Reservierung einer Dauerkarte für die 10. Ausgabe des Festivals Terza Visione (17.-21.07.2024) bitte eine Freikarte über "Ticket kaufen" erwerben. Mit diesem kostenfreien "Reservierungs-Ticket" kann ab 17. Juli vor Ort an der Kasse die Dauerkarte abgeholt und bezahlt werden. Bitte auf der nächsten Seite beim kostenfreien "Kauf" der Reservierung bei "Preiskategorie" auswählen, welche Dauerkarten-Kategorie gewünscht wird: Von Mittwoch bis Sonntag (108 Euro), von Donnerstag bis Sonntag (96 Euro) oder von Freitag bis Sonntag (77 Euro).

Einzeltickets können ab sofort online gekauft oder an der Kasse gekauft/reserviert werden. Dauerkarten können aus technischen Gründen nicht online, sondern erst ab 17.7. direkt an der Kasse gekauft werden, aber online oder an der Kasse reserviert werden.

18:00 Uhr

QUELLA SPORCA STORIA NEL WEST

Johnny Hamlet
Italien 1968. R: Enzo G. Castellari. D: Andrea Giordana (als Chip Corman), Gilbert Roland, Horst Frank. 96 Min. 35mm. OmU
Original Italian version with German subtitles
Vorab: Historische Kinotrailer
Video-Einführung: Enzo G. Castellari
Filmreihe: Terza Visione

“Find a man, who never killed, not even for the love of gold, singt Maurizio Graf in Francesco De Masis Titellied (…). Johnny Hamilton wäre wohl dieser Mann, würde ihn das Schicksal nicht zu einem handfesteren Eingreifen in die eigenen Geschicke (…) zwingen. Durch den Bürgerkrieg der Heimat entrissen, findet er alles einst so Vertraute nach der Rückkehr in Trümmern wieder. Der Vater von Banditen ermordet, die Mutter nun mit seinem eigenen Onkel, dem skrupellosen Claude, verheiratet – unter diesen Vorzeichen kommt es zum todessehnsüchtigen Familienkonflikt entlang von Shakespeares HAMLET.“ (André Malberg)
Zu sehen ist eine farbenprächtige italienische Technicolor-Kopie der vollständigen Fassung des einst nur stark gekürzt und irreführend synchronisiert unter dem Titel DJANGO - DIE TOTENGRÄBER WARTEN SCHON in die deutschen Kinos gekommenen Films, der auch in seiner herausragenden Bildgestaltung zu den frühen Höhepunkten in Castellaris Filmografie gehört.

21:00 Uhr

IL GRANDE RACKET

Racket
Italien 1976. R: Enzo G. Castellari. D: Fabio Testi, Vincent Gardenia, Gianluigi Loffredo. 106 Min. 35mm. OmU
Original Italian version with German subtitles
Vorab: Historische Kinotrailer
Video-Einführung: Enzo G. Castellari
Filmreihe: Terza Visione

„Rom. Inspektor Nicola Palmieri ist einer Erpresserbande auf den Fersen, seine Untersuchungen leiden jedoch unter ängstlichen Zeugen und feindseligen Vorgesetzten, die mit seinen Methoden nicht einverstanden sind. Fest entschlossen, alles zu versuchen, holt er sich zwei Kriminelle zur Hilfe. [...] (…) Mit RACKET lässt Castellari den Anspruch der urbanen Milieuzeichnung, den er mit EIN MANN SCHLÄGT ZURÜCK noch verfolgte, hinter sich und erzählt seine Geschichte wie ein abstraktes, grausames modernes Märchen. [...] Plot und Figuren verhalten sich funktional zu den überragenden Action-Sequenzen, die so stürmisch und aufwühlend sind, dass sie alles bis dato in Italien Entstandene in den Schatten stellen. Schon von der ersten Szene an, in der die Gangsterbande in Zeitlupe Geschäfte verwüstet und Autos anzündet, zieht Castellari alle Register. [...] RACKET ist nicht nur sein bester Film, sondern auch ein Wendepunkt für den italienischen Krimi überhaupt.“ (Roberto Curti, in: Italian Crime Filmography, 1968-1980)

Donnerstag  18.07.2024

13:30 Uhr

MONDO CANE

Italien 1962. R: Paolo Cavara, Gualtiero Jacopetti, Franco Prosperi. Dokumentarfilm. 108 Min. 35mm. DF
German version
Filmreihe: Terza Visione

„Hundefriedhöfe, Insektenrestaurants, Stierkämpfe, Körperwahn, religiöser Fanatismus, Umweltverschmutzung und vieles mehr verbinden sich zu einem bunten Bilderbogen aus skurrilen, exzentrischen und schockierenden Episoden aus allen Ecken der Welt, lose verbunden durch einen bissigen Kommentar, der letztlich stets den Menschen als größten aller Schädlinge entlarvt. Gualtiero Jacopetti und seine Mitstreiter Paolo Cavara und Franco E. Prosperi zeichnen mit dieser grellen Kompilage aus dokumentarischen Beobachtungen, arrangierten Sequenzen und handfesten Spielszenen ein ernüchterndes Menschenbild, das hemmungslosen Hedonismus, ein Zivilisationsstreben ohne Kulturanspruch und einen geradezu absichtsvollen Vernunftverzicht des Menschen vorführt.“ (Adam Kesher, ofdb.de)

16:00 Uhr

LA LUNGA SPIAGGIA FREDDA

Rocker sterben nicht so leicht
Italien 1971. R: Ernesto Gastaldi. D: Mara Maryl, Robert Hoffmann, Walter Maestosi, Riccardo Salvino, Gianni Loffredo, Fabian Cevallos. 93 Min. 35mm. OmeU
Original Italian version with English subtitles
Filmreihe: Terza Visione

Jane und Harry wollen ihr Wochenende am Meer verbringen, doch schon auf dem Weg entbrennt zwischen den beiden der erste gewohnheitsmäßige Streit. Als am nächsten Morgen plötzlich eine Rockerbande vor der Tür ihres Strandhauses steht, werden die Karten ihrer in bürgerlichen Automatismen erstarrten Ehe neu gemischt...
Ernesto Gastaldi, unermüdlich produktiver, aus dem italienischen Genrekino seiner Zeit kaum wegzudenkender Drehbuchautor, erweist sich mit diesem ästhetisch an den Italowestern angelehnten Home-Invasion-Thriller auch als überraschend souveräner Filmemacher, der in kargem Setting und dem trügerisch goldenen Licht einer tief über dem Meer stehenden Sonne auf einem "langen, kalten Strand" (so der Originaltitel) effektvoll einen ungemütlichen Clash zwischen Spießern und Aussteigern mit lustvoll dicken Pulp-Strichen zeichnet.

20:00 Uhr

LE SETTE FATICHE DI ALÌ BABÀ

Die Rache des Ali Baba
Italien 1962. R: Emimmo Salvi. D: Iloosh Khoshabe (als Rod Flash), Bella Cortez, Amedeo Trilli. 90 Min. 35mm. DF
German version
Einführung: Arthur Pokorny
Filmreihe: Terza Visione

Auf Geheiß des Zauberbergs Sesam soll Wüstenheld Ali Baba dem Tyrannen Mustafa in Shiraz die heilige Krone überbringen, der diese zusammen mit der Hand Lotos fordert, der Tochter des eigentlichen Herrschers Hassan. Es folgen bizarre Kraftakte, seltsame Tänze, monströse Todesmaschinen und ein Ritt in die Welt der Geister… Nach VULCANO, FIGLIO DI GIOVE ist das die zweite der in Iran und Italien 1962 im Doppelpack gedrehten Koproduktionen von Emimmo Salvi (auch Regie) und Manouchehr Zamani. Es agieren wieder der eindrucksvoll hochtrainierte iranische Filmstar Iloosh Khoshabe, die kubanische Tänzerin Bella Cortez und der manisch blickende Furio Meniconi. Salvis Drehbuch dient der Stoff aus 1001 Nacht als bloßer Steinbruch für Namen und Orte, deren Neuzusammenstellung vor allem in zahlreich fetischistisch motivierten Elementen die sehr persönliche Handschrift dieses heute vergessenen italienischen Filmfantasten trägt.

22:30 Uhr

IL NIDO DEL RAGNO

The Spider Labyrinth
Italien/Ungarn 1988. R: Gianfranco Giagni. D: Roland Wybenga, Paola Rinaldi, Margareta von Krauss, William Berger. 87 Min. 35mm. OmeU
Original Italian version with English subtitles
Vorab: Historische Kinotrailer
Filmreihe: Terza Visone

In Budapest sind einige Forscher einem uralten religiösen Kult auf der Spur. Als der amerikanische Professor Alan Whitmore (Roland Wybenga) in der Stadt eintrifft, mehren sich eigenartige Vorfälle, die in einem unheimlichen Hotel ihren Höhepunkt finden: Der Kult scheint in Verbindung mit einer grausamen Spinnenplage zu stehen… Gianfranco Giagnis einziger Beitrag zum Horrorgenre mischt Elemente des im italienischen Kino der 1980er Jahre nicht selten anzutreffenden Tier-Horrorfilms mit Giallo-Motiven und Okkultismen à la Michele Soavi (LA CHIESA, LA SETTA) – das Resultat beeindruckt sowohl durch inszenatorische Eleganz, wie auch durch eine spektakuläre Aneignung der klassizistischen Genre-Vorbilder von Mario Bava oder Dario Argento. Franco Piersantis von schwermütigen Neoklassizismen sowie reizvollen Verneigungen vor Bernard Herrmann geprägte Vertonung verleiht dem spannungsreich inszenierten arachnoiden Alptraum dabei die nötige Gravitas, die den Film auch musikalisch in die Nähe der großen Meister Argento und Bava rückt.

Freitag  19.07.2024

12:30 Uhr

L’OCCHIO SELVAGGIO

Das wilde Auge
Italien 1967. R: Paolo Cavara. D: Philippe Leroy, Delia Boccardo, Gabriele Tinti. 97 Min. 35mm. DF
German version
Einführung: Sven Safarow
Filmreihe: Terza Visione

Auf der Suche nach spektakulären Bildern ist dem skrupellosen Dokumentarfilmer Paolo (Philippe Leroy) jedes Mittel recht, auch wenn es bedeutet, Menschen auszubeuten, sie Gefahren auszusetzen oder der Realität mit gewaltsamen Mitteln nachzuhelfen. L’OCCHIO SELVAGGIO ist eine sehr frühe Auseinandersetzung mit den problematischen Methoden des Mondo-Films, dessen Urheber einer der drei Ko-Regisseure des Films MONDO CANE gewesen ist: Paolo Cavara stellt hier den von Leroy gespielten Dokumentarfilmer in den Vordergrund, der einerseits auf Gualtiero Jacopetti basiert, andererseits aber auch den Namen Paolo trägt. Jacopetti machte aus Reportage Unterhaltung und aus Kolportage Kunst. Sein „wildes Auge“ kannte keine Moral. Cavara geht es in seinem Film nicht nur darum, Jacopettis Handlungen kritisch zu beleuchten, sondern auch um eine Reflektion seiner eigenen Rolle bei einem Film wie MONDO CANE.

16:00 Uhr

AD OGNI COSTO

Top Job
Italien/Spanien/BRD 1967. R: Giuliano Montaldo. D: Janet Leigh, Robert Hoffmann, Klaus Kinski, Adolfo Celi, Edward G. Robinson. 110 Min. 35mm. DF
German version
Filmreihe: Terza Visione

Der Amerikaner James Anders (Edward G. Robinson) arbeitete 30 Jahre lang als Englischlehrer in Rio de Janeiro. Nun plant er einen spektakulären Diamantenraub in der Bank, die sich direkt gegenüber seiner Schule befindet. Dazu trommelt er mithilfe seines Mafiafreundes Mark (Adolfo Celi) eine vierköpfige Gruppe von Experten zusammen. Die Profis müssen nicht nur einen Safe knacken, sondern auch das Vertrauen einer unscheinbaren Sekretärin gewinnen, die den Schlüssel zum Bankgebäude besitzt. Doch sie haben die Rechnung nicht ohne das neuartige Alarmsystem « Grand Slam 70 » gemacht… Mit einem Easy-Listening-Score von Ennio Morricone, pittoresken Bildern, ausgelassener Karnevalsatmosphäre und einer klassischen Bankraub-Konstellation ist dies vermutlich Giuliano Montaldos kommerziellster Film. Doch die ausgesuchte Besetzung verleiht den Standard-Situationen eine spannende Reibefläche.

20:00 Uhr

LA MASCHERA DEL DEMONIO

Die Maske des Dämon
(aka Die Stunde, wenn Dracula kommt)
Italien 1960. R: Mario Bava. D: Barbara Steele, John Richardson, Andrea Checchi. 87 Min. 35mm. OmU
Original Italian version with German subtitles
Vorab am 19.7.: Historische Kinotrailer
Weitere Vorführung des Films am Do 25.7.!
Filmreihe: Terza Visione

„Mit Bavas Horror-Schlüsselwerk begann die einzigartige Karriere der Barbara Steele, dem dunklen Star des Wunderbaren. Sinnlichkeit und Unschuld, Melancholie und Tod umgeben sie: Sie gehört zu den letzten Diven, ein traurig-geheimnisvoller Vamp. [...]. Die erste Regie-Arbeit des Kameramanns Mario Bava, in barockem Chiaroscuro gehalten, ist ein grandioser Film über die Kraft des Weiblichen (und die Angst vor dem Inzest): Wenn Asa einen Liebhaber auferstehen lässt durch ihre Magie, ist dies, als gebäre sie einen Sohn. Man könne sich gar nicht vorstellen, hat Robert Fischer gemeint, wie dieser Film überhaupt gedreht worden sei, in einer bunten Wirklichkeit von einem tatsächlichen Aufnahmeteam. Er wirke einfach wie ein Stück direkt aus dem Unterbewusstsein.“ (Hans Schifferle, in: Die 100 besten Horror-Filme)
Zu sehen ist die vollständige Fassung des einst nur gekürzt und irreführend betitelt als DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT in die deutschen Kinos gekommenen Films.

22:30 Uhr

TOP MODEL

Italien 1988. R: Joe D’Amato. D: Luciana Ottaviani (als Jessica Moore), James Sutterfield, Ale Dugas, Laura Gemser. 85 Min. 35mm. OmU
Original Italian version with German subtitles
Einführung: Arthur Pokorny
Filmreihe: Terza Visione

Der empfindsame IT-Yuppie Cliff zieht nach New Orleans, wo er das selbstbewusste Callgirl „Gloria“ kennenlernt und in ihren Bann gerät. Das macht Cliffs Beziehung zu seinem Liebhaber Jason nicht einfacher, in dessen Wohnung er wohnt. Währenddessen wird Sarah von einem Kunden erpresst… Wie in 11 TAGE, 11 NÄCHTE stehen in der Fortsetzung zwei Welten nebeneinander, bis sie sich berühren und schließlich um ihre Existenz kämpfen. Eröffnend: der Reigen von Glorias Kundenbesuchen, geprägt von Lust, dem Spiel mit Distanz und Macht, Verführung und Ausbeutung. Zunehmend Raum gewinnt dann aber auch die Welt der Liebesbeziehung, die zunächst noch unter den quälenden Sternen des Hingehaltenwerdens, des Verfehlens und Nicht-Ans-Ziel-Kommens steht – das alles zur rhythmisch schwingenden Musik von Piero Montanari, die maßgeblich zum unwiderstehlich lässigen Erzählfluss des Films beiträgt.

Samstag  20.07.2024

13:30 Uhr

NON C’È PACE TRA GLI ULIVI

Kein Frieden unter den Olivenbäumen
Italien 1950. R: Giuseppe De Santis. D: Raf Vallone, Lucia Bosè, Folco Lulli. 101 Min. 35mm. OmeU
Original Italian version with English subtitles
Einführung: Christoph Draxtra
Filmreihe: Terza Visione

Als Francesco Dominici aus der Kriegsgefangenschaft in seine sizilianische Heimat zurückkehrt, findet er sich mit vollendeten, unliebsamen Tatsachen konfrontiert: Agostino Bonfiglio, ein örtlicher Viehbaron, hat sich nicht nur seine kleine Schafsherde unter den Nagel gerissen, sondern auch Francescos Verlobte Lucia. Eine erbitterte Fehde der beiden Familien entbrennt... Obwohl Giuseppe De Santis, der große Vergessene des Neorealismus, den Nachfolger seines Erfolgsfilms BITTERER REIS (Riso amaro, 1949) dem Ruf der damaligen Kritiken entsprechend "weniger amerikanisch" gestalten wollte, mutet KEIN FRIEDEN UNTER DEN OLIVENBÄUMEN dennoch ein wenig an wie ein italienisches Äquivalent der US-Western seiner Zeit, stilistische Kühnheit inklusive: Zwischen den steilen Klippen und tiefen Tälern der sizilianischen Berge toben hier Stürme existenzieller Not und Begehren, findet der überzeugte Kommunist De Santis hitzeglühende Bilder für die zeitlosen Geißeln des in Armut gefangenen italienischen Südens: soziale Grabenkämpfe und verzweifeltes Ringen um das bisschen Stolz, welches Besitz und Familie der Bevölkerung dieser kargen Landschaft bedeuten können.

16:00 Uhr

IL LUNGO, IL CORTO, IL GATTO

Der Lange, der Kurze, die Katze
Italien 1967. R: Lucio Fulci. D: Franco Franchi, Ciccio Ingrassia, Ivy Holzer. 88 Min. 35mm. OmeU
Original Italian version with English subtitles
Einführung: Giacomo Di Nicolò
Filmreihe: Terza Visione

Nach fünf Jahren rastlos kreativer und produktiver Zusammenarbeit mit dem beispiellos erfolgreichen Slapstick-Duo Franco & Ciccio und einem Dutzend gemeinsamer Filme (auf denen seine Karriere maßgeblich aufbaute) witterte der bis dahin auf Komödien abonnierte Steno-Schüler Lucio Fulci nach einigen erfolgreichen Ausflügen in andere Genres Morgenluft. Doch bevor er künstlerisch seiner eigenen Wege ging, schenkte er den beiden sizilianischen Volkskomikern noch einen ihrer lustigsten Filme: Als trottelige Diener in reichem Hause sind sie mit der Pflege eines längst verstorbenen Grafen betraut - denn dessen Geist, so ist seine spleenige Witwe überzeugt, lebt im Körper seiner geliebten Katze weiter! Als das notorisch übellaunige Tier entläuft, ist die Not groß, soll doch das gesamte Erbe der Contessa an den preziösen Vierpföter gehen. Ihre von Fulci gewohnt virtuos und mit sichtlicher Freude am Schalk inszenierte, aufreibende Odyssee durch Rom führt unsere beiden glücklosen Helden und das Hausmädchen Gina in haarsträubende Situationen als unfreiwillige Party-Crasher, Geheimagenten, Fummeltanten und vieles mehr.

20:00 Uhr

CONFESSIONE DI UN COMMISSARIO …

Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert
Italien 1971. R: Damiano Damiani. D: Franco Nero, Martin Balsam, Luciano Catenacci, Marilù Tolo. 106 Min. 35mm. DF
German version
Einführung: Sven Safarow
Filmreihe: Terza Visione

„Ein grandioser Regieeinfall: Zwei Staatsdiener (Franco Nero als Staatsanwalt und Martin Balsam als Polizist) brüllen sich in der Gebirgswüste Siziliens an. Sie (…) trennen sich unversöhnt. Beide steigen vor Wut versehentlich ins Auto des anderen. Die Kamera zieht auf, und wir sehen, dass sie einen sehr ähnlichen Kleinwagentyp fahren, beide schwarz. Sie bemerken den Irrtum gleichzeitig, steigen wieder aus, und jeder geht schweigend und trotzig am anderen vorbei zu seinem richtigen Auto. Diese Idee erzählt natürlich, dass sie eigentlich aus dem gleichen Schrot und Korn gemacht und beide alles andere als bestechlich sind. Am Ende des Films werden sie einander als einzige noch vertrauen können in der zersetzenden Atmosphäre, die die Machenschaften der Camorra über ein ganzes Land legt. [...] DER CLAN, DER SEINE FEINDE LEBENDIG EINMAUERT ist einer der besten Mafiafilme überhaupt, und Franco Nero erzählt in einem Interview stolz, dass kein anderer italienischer Film jemals international so gut verkauft wurde. Der enorme Erfolg gerade dieses Films muss mit den fabelhaften Schauspielern, dem unverwechselbar italodynamischen Erzählstil, mit der förmlich spürbaren Wut des Regisseurs auf die verdorbene Führungsschicht seines Landes und vor allem mit der wirklich atemberaubenden Geschichte zu tun haben.“ (Dominik Graf, in: Schläft ein Lied in allen Dingen)

22:45 Uhr

TOUGH GUYS

Zwei Fäuste des Himmels
Italien/Frankreich 1974. R: Duccio Tessari. D: Isaac Hayes, Lino Ventura, Fred Williamson, Paula Kelly, William Berger. 92 Min. 35mm. DF
German version
Einführung: Sven Safarow
Filmreihe: Terza Visione

“Preacher man, policeman, working together both can fight, black and white, and they're tough guys.” Die dem deutschen Titel entnommenen himmlischen Fäuste gehören Lino Venturas Father Charlie, einem taffen Priester (und irgendwie auch Sozialarbeiter) aus Chicago, der den Mord an einem alten Freund aufklären will. Unterstützung bekommt er dabei von dem Polizisten Lee (Isaac Hayes), der eine Chance wittert, seinen Namen reinzuwaschen. Der von Dino De Laurentiis produzierte TOUGH GUYS ist ein Unikum, da er den italienischen Gangster- und Polizeifilm mit dem damals in den USA so populären Blaxploitation-Genre kreuzt. Begleitet von einem wahrlich unterschätzten funky Soundtrack von Hayes, sehen wir (lange vor 48 HRS oder LETHAL WEAPON) dem dynamisch lockeren Gespann Ventura/Hayes dabei zu, wie sie ein Verbrechen aufklären, das sie Stück für Stück zum Gangster Joe Snake (Fred Williamson) führt – eine unverhoffte Vermählung von Bud-Spencer/Terence-Hill-Vibes und afroamerikanischem Selbstbewusstsein.

Sonntag  21.07.2024

12:45 Uhr

MANNEKÄNG I RÖTT

Mannequin in Rot
Schweden 1958. R: Arne Mattsson. D: Karl-Arne Holmsten, Annalisa Ericson, Nils Hallberg. 109 Min. 35mm. OmU
Original Swedish version with German subtitles
Filmreihe: Terza Visione

Zum Einstieg in den abschließenden "internationalen Tag" von Terza Visione ein schwedischer Film, der als maßgeblicher Einfluss auf den italienischen Giallo gehandelt wird: „Eine mögliche Inspiration Mario Bavas ist MANNEQUIN IN ROT, der zweite in einer Serie von fünf Filmen mit Karl-Arne Holmsten und Annalisa Ericson als verheiratetem Detektivgespann John und Kasja Hillman, allesamt basierend auf den Krimi-Bestsellern von Folke Mellvig. [...] Für seinen ersten Farbfilm ließ Arne Mattsson Sets und Darsteller so beleuchten, als drehe er in Schwarz-Weiß. (…) MANNEQUIN IN ROT (gewinnt) dadurch eine einzigartig samtige Textur, die viel zur luxuriösen Atmosphäre des Verbrechens und der Sünde beiträgt. [...] Wie in BLUTIGE SEIDE ist der Schauplatz ein Modesalon, der von einer Mordserie heimgesucht wird. (…) mit seinen schönen Frauen, dem weichen Licht und den umherschleichenden Kamerafahrten durch dunkle Salons evoziert – beziehungsweise antizipiert – er den Look von Bavas Gialli präziser, als es jedem Epigonen je gelang.“ (Tim Lucas, in: If Looks Could Kill. Cinema’s Images of Fashion, Crime and Violence)

16:30 Uhr

LAS CHICAS DEL TANGA

Mädels in Tangas
Spanien 1983. R: Jesús Franco. D: Lina Romay, Antonio Mayans, Eva León. 84 Min. 35mm. OmeU
Original Spanish version with English subtitles
Vorfilm: ERHOLUNGSLANDSCHAFT SPANISCHE MITTELMEERKÜSTE (BRD 1983. 16mm. 18 Min.)
Einführung: Christoph Draxtra
Filmreihe: Terza Visione

Eine stabile Auftragslage und die mit dem Ende der (Francisco-)Franco-Ära neu gewonnene Freigebigkeit der Zensoren ermöglichten Jesús Franco Anfang der 1980er Jahre eine Reihe niedrig budgetierter Eigenproduktionen, in denen er neben der Pflege seiner lebenslangen Obsessionen auch Experimente mit für ihn neuen Genre-Registern wagen konnte. LAS CHICAS DEL TANGA, außerhalb von Spanien nie vertrieben, überrascht unter diesen Filmen als leichtfüßige, episodische Sommerkomödie, die eine Vielzahl schillernder Charaktere und ihre materiellen, emotionalen und erotischen Sehnsüchte im Schatten der tristen Hoteltürme an der Costa Blanca entspannt zusammenfließen lässt.

20:00 Uhr

LES AVENTURIERS

Die Abenteurer
Frankreich/Italien 1967. R: Robert Enrico. D: Alain Delon, Joanna Shimkus, Lino Ventura, Serge Reggiani. 113 Min. 35mm. DF
German version
Einführung: Silvia Szymanski
Filmreihe: Terza Visione

Mit Robert Enrico würdigt der „Internationale Tag“ bei Terza Visione nach Jean Rollin eine weitere Galionsfigur des französischen Genrekinos. Der italienisch-stämmige Regisseur drehte in den 1960er und 1970er Jahren mit den größten Stars des europäischen Kinos; seine Filme kreisen oft um das große Abenteuer. So auch LES AVENTURIERS, der schon im Titel mottohaft für die Ausrichtung von Enricos Filmographie steht. Hochkarätig besetzt mit zwei der prominentesten Stars des französischen Kinos der 1960er, Alain Delon und Lino Ventura, verschreibt sich LES AVENTURIERS dem klassischen Schatzsucher-Topos: Der Sportflieger Roland (Ventura) und der Rennwagen-Mechaniker Manu (Delon) werden von der Künstlerin Laetitia (Joanna Shimkus) überredet, vor der Küste des Kongo nach einem Flugzeugwrack zu tauchen, in dem ein Schatz verborgen liegt. Enrico inszeniert diese Dreiecksbeziehung als packenden, zuweilen aber auch von spielerischer Leichtigkeit beseelten, romantischen Abenteuerrausch – zu Land, zu Wasser und in der Luft.

22:30 Uhr

UBIJ ME NJEŽNO

Kill Me Softly
Jugoslawien 1979. R: Boštjan Hladnik. D: Duša Pockaj, Marina Urbanc, Lili Brajer. 99 Min. 35mm. OmeU
Original Slovenian version with English subtitles
Einführung: André Malberg
Filmreihe: Terza Visione

Eine alte Dame lebt in einer Villa am Meer, wo sie whiskeybetankt Erotik- und Kriminalromane übersetzt. Leidenschaftlich gern unternimmt sie Ausflüge mit ihrem Porsche und veranstaltet Partys mit jungen, in Leder gekleideten Motorradfahrern. Eines Tages bekommt sie Besuch von ihrer Nichte Julija, deren Mann David und ihrem Liebhaber Adam. Als die Verlegerin der Tante hinzustößt, verwandelt sich die Villa in eine Kommune der freien Liebe – bis die Idylle durch mysteriöse Todesfälle getrübt wird.

Für ihre Rolle hat sich die über 70-jährige Schauspielerin Duša Pockaj mit den Feinheiten von Disco-Tanzschritten vertraut gemacht und es hat sich gelohnt: UBIJ ME NEŽNO startet mit einem überdrehten Prolog, verbindet Comic mit dem Nouveau Roman, Erotik, Camp und Pulpnovellen und folgt mit zunehmender Laufzeit einer ganz eigenen Traumlogik. Boštjan Hladnik studierte in den späten 1950ern in Paris und arbeitete unter anderem mit Claude Chabrol zusammen. In UBIJ ME NEŽNO kanalisiert er verschiedene Obsessionen und es gelingt ihm, in einem barocken Spiel gängige Geschlechtervorstellungen und -grenzen durcheinanderzuwirbeln.

In Kooperation mit goEast - Festival des mittel- und osteuropäischen Films.

Donnerstag  25.07.2024

20:30 Uhr

LA MASCHERA DEL DEMONIO

Die Maske des Dämon
(aka Die Stunde, wenn Dracula kommt)
Italien 1960. R: Mario Bava. D: Barbara Steele, John Richardson, Andrea Checchi. 87 Min. 35mm. OmU
Original Italian version with German subtitles
Filmreihe: Terza Visione

„Mit Bavas Horror-Schlüsselwerk begann die einzigartige Karriere der Barbara Steele, dem dunklen Star des Wunderbaren. Sinnlichkeit und Unschuld, Melancholie und Tod umgeben sie: Sie gehört zu den letzten Diven, ein traurig-geheimnisvoller Vamp. [...]. Die erste Regie-Arbeit des Kameramanns Mario Bava, in barockem Chiaroscuro gehalten, ist ein grandioser Film über die Kraft des Weiblichen (und die Angst vor dem Inzest): Wenn Asa einen Liebhaber auferstehen lässt durch ihre Magie, ist dies, als gebäre sie einen Sohn. Man könne sich gar nicht vorstellen, hat Robert Fischer gemeint, wie dieser Film überhaupt gedreht worden sei, in einer bunten Wirklichkeit von einem tatsächlichen Aufnahmeteam. Er wirke einfach wie ein Stück direkt aus dem Unterbewusstsein.“ (Hans Schifferle, in: Die 100 besten Horror-Filme)
Zu sehen ist die vollständige Fassung des einst nur gekürzt und irreführend betitelt als DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT in die deutschen Kinos gekommenen Films.