Ulrich Seidls Paradies-Trilogie

Ulrich Seidls Paradies-Trilogie

Der 1952 in Wien geborene Ulrich Seidl verfolgt in seinen Filmen seit mehr als 30 Jahren eine polemische und sehr persönliche Auseinandersetzung mit der Befindlichkeit seiner österreichischen Heimat. Mit seiner PARADIES-Trilogie, deren Untertitel auf Ödön von Horváths Drama Glaube Liebe Hoffnung beruht, gelang ihm ein veritabler Coup: er schaffte es, die einzelnen Teile nacheinander auf den drei wichtigen Filmfestivals in Cannes, Venedig und Berlin uraufzuführen.

PARADIES: LIEBE
Österreich/Deutschland/Frankreich 2012. R: Ulrich Seidl
D: Margarethe Tiesel, Peter Kazungu, Inge Maux. 120 Min.
Zu Beginn des ersten Teils der PARADIES-Trilogie setzt die 50-jährige Alleinerziehende Teresa ihre Tochter Melanie bei ihrer Tante Anna Maria ab. Anschließend verreist sie in den Urlaub nach Kenia, wo sie auf Landsfrauen trifft, die das gleiche Ziel verfolgen, nämlich sexuelle Erfüllung in den Armen der einheimischen Beachboys. Nach anfänglichem Zögern lässt sich Teresa auf die Intimität ein, in der sich letztlich ihr Dilemma offenbart: mit kolonialem Gestus gibt sie den Sexarbeitern genaue Anweisungen, aber erhofft sich insgeheim Aufrichtigkeit von den jungen Liebhabern.

PARADIES: GLAUBE
Österreich/Deutschland/Frankreich 2012. R: Ulrich Seidl
D: Maria Hofstätter, Nabil Saleh, Natalija Baranova. 113 Min.
Im Mittelpunkt des zweiten Teils der PARADIES-Trilogie, der beim Filmfestival in Venedig den Spezialpreis der Jury gewann, steht Anna Maria. Maria Hofstätter verkörpert diese alleinstehende Frau mittleren Alters brillant. Abseits ihrer Arbeit als Krankenschwester zieht sie mit einer Wandermuttergottes-Statue umher, um Menschen zum Katholizismus zu bekehren. Eines Tages kehrt unerwartet ihr Ex-Mann zurück: ein gehbehinderter Ägypter, der seine Rechte als Ehemann wieder einfordert und die Standfestigkeit ihres Glaubens erschüttert.

PARADIES: HOFFNUNG
Österreich/Deutschland/Frankreich 2012. R: Ulrich Seidl
D: Melanie Lenz, Joseph Lorenz, Michael Thomas. 91 Min.
Teresas pubertierende Tochter Melanie verbringt ihre Sommerferien in einem streng geführten Diätcamp in der österreichischen Provinz. Das offizielle Programm besteht aus choreographierter Sporterziehung und Ernährungsberatung, während die Teilnehmer abends ihre ersten Zigaretten rauchen und ihre Probleme bereden. Dann verliebt Melanie sich in den 40 Jahre älteren Leiter des Camps, der gegen ihre Verführungsversuche ankämpfen muss. Der Abschluss der Trilogie besitzt den scheinbar leichtesten Ton aller drei Teile, setzt sich aber ernsthaft mit den Träumen und Wünschen der jungen Protagonistin auseinander.

Verfügbar bis 23. Februar 22 in der ARD Mediathek

Streamingtipp von:

Marie Brüggemann
Marie Brüggemann

Zu den Filmen: