Tropical Underground. Lecture von Martin Schlesinger zu O BANDITO DA LUZ VERMELHA

TROPICAL UNDERGROUND. DAS BRASILIANISCHE CINEMA MARGINAL UND DIE REVOLUTION DES KINOS

„THE RED LIGHT BANDIT (1968) – Der Angriff des Marginalen auf das übrige Kino“
Lecture von Martin Schlesinger (Bochum)

Veranstaltung im Kino des DFF, 30.11.2017

Wer die kulturelle Globalisierung der Gegenwart verstehen will, kann von der brasilianischen Gegenkultur der 1960er und 1970er Jahre lernen. Mit deren Verbindung von Anthropologie und Avantgarde befasst sich die Campus-Veranstaltung „Tropical Underground“, zu der neben der „Lecture & Film“-Reihe im DFF auch die Fotoausstellung „Variationen des wilden Körpers“ im Museum der Weltkulturen und weitere Veranstaltungen zwischen Oktober 2017 und Juli 2018 gehören. Die „Lecture & Film“-Reihe setzt den Akzent dabei auf das Cinema Marginal der späten 1960er und 1970er und stellt dieses auch in den Kontext des Cinema Novo und der Tropicalia-Bewegung.

„THE RED LIGHT BANDIT (1968) – Der Angriff des Marginalen auf das übrige Kino“ Lecture von Martin Schlesinger (Bochum)

Mit O BANDIDO DA LUZ VERMELHA (THE RED LIGHT BANDIT) präsentierte der gerade mal 22-jährige Rogério Sganzerla 1968 nach eigener Aussage einen „Western über die Dritte Welt“; einen Film, der zugleich als wilder Krimi, poetisches Musical, sensationssüchtiger Dokumentarfilm und blutige Komödie betrachtet werden kann. Mit seiner unkonventionellen Vermischung von Genres zählt er zu den stilgebenden Werken des brasilianischen Cinema Marginal. Wegen der Darstellung von Gewalt und Erotik wurden viele Filme des Cinema Marginal zensiert und marginalisiert. Auf klare politische Botschaften und eine zusammenhängende Narration verzichtet indes THE RED LIGHT BANDIT. Darin zeigt sich eine Auseinandersetzung mit filmischen Vorbildern, die mit den Mitteln einer „instabilen“ Filmästhetik zugleich von sozialer Instabilität erzählt.

Martin Schlesinger ist Medienwissenschaftler, Autor, Musiker und Filmemacher. Er studierte Medienkultur an der Bauhaus-Universität Weimar und Comunicação Social an der Universidade Federal de Minas Gerais in Belo Horizonte. Er promoviert derzeit in Bochum mit einer Arbeit über Bilder der Enge im brasilianischen Film.

Film: O BANDITO DA LUZ VERMELHA The Red Light Bandit
Brasilien 1968.
R: Rogério Sganzerla
D: Helena Ignez, Paula Villaça, Pagano Sobrinho.
92 Min. 35mm. OmeU

O BANDIDO DA LUZ VERMELHA zeichnet anhand von Polizeiakten den Aufstieg des legendären Verbrechers Jorge nach: Eine Serie von Raubüberfällen auf Luxusvillen in São Paulo machte den von der Boulevardpresse bald als „Red Light Bandit“ betitelten Gauner berühmt und berüchtigt. Jorge ist ein absoluter Anti-Held: Er arbeitet allein und vergewaltigt seine weiblichen Opfer. Mit der Femme fatale Janete Jane hat er eine Affäre, von anderen Einbrechern und korrupten Politikern wird er übers Ohr gehauen. 2010 entstand das Sequel LUZ NAS TREVAS – A VOLTA DO BANDIDO DA LUZ VERMELHA unter der Regie von Ícaro Martins und Helena Ignez, der einstigen Hauptdarstellerin und Witwe von Regisseur Rogério Sganzerla.

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