Interkulturelle Filmbildung

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Das Projekt

Die Bundeszentrale für politische Bildung, das DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, VISION KINO und das Österreichische Filmmuseum haben sich in einer Projektgruppe zusammengeschlossen, um die kulturelle Vielfalt in Deutschland und Österreich als gesellschaftliche Realität in allen Aktivitäten der Filmvermittlung mitzudenken. Alle Kooperationspartner:innen arbeiten bereits seit vielen Jahren im Bereich der Filmbildung und bündeln mit diesem Zusammenschluss ihr Know-how und ihre Netzwerke im deutschsprachigen Raum zu einer strategischen Allianz. Ziel des Projektes ist es, einerseits eine grundsätzliche interkulturelle Haltung in der Filmbildung anzuregen und sich andererseits innerhalb der eigenen Institutionen für eine selbstkritische Reflexion zu öffnen.

Den Anstoß hierfür gab die 2016 gemeinsam von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem DFF in Frankfurt am Main veranstaltete Fachtagung „Film, Flucht und Interkultur“. In enger Zusammenarbeit mit VISION KINO und dem Österreichischen Filmmuseum wurden die dort entwickelten Fragestellungen und Handlungsansätze weiterverfolgt und in dem Auftakt-Workshop des Projektes „Interkulturelle Filmbildung“ im November 2017 in Berlin mit weiteren Akteur:innen vertieft. Die Kooperationspartner:innen erarbeiteten im Anschluss gemeinsam ein Konzept, das theoretische Grundlagen und Handlungsempfehlungen für filmvermittelnd tätige Personen sowie konkrete Fortbildungsprogramme beinhaltet.

Seit August 2019 haben sechs Fortbildungsveranstaltungen für Multiplikator:innen und Autor:innen der Filmbildung in Frankfurt, Berlin, Münster und Wien stattgefunden. Die Fortbildungen werden von unterschiedlichen Referierenden-Teams durchgeführt, wodurch das Projektkonzept in der Umsetzung erprobt und aus einer je eigenen Perspektive adaptiert wurde. Die Projektgruppe hat sich dazu entschieden, diese individuellen Fortbildungskonzepte hier ebenfalls zu veröffentlichen, da sie Ausdruck der Offenheit in der Anlage des Projektes und des Ziels der Vielstimmigkeit sind. Das Projektkonzept versteht sich nicht als Kopiervorlage für alle Vermittlungszusammenhänge und -personen, es möchte vielmehr Denkprozesse initiieren und zur eigenen Filmauswahl anregen.

Als Inspirationsquelle für die eigene Arbeit können die ebenfalls vielstimmigen Filmlisten von Referent:innen und Autor:innen, den sogenannten „Critical Friends“, die das Projekt über seine gesamte Laufzeit mit kritischem Blick begleitet haben, sowie von Akteur:innen der deutschsprachigen Filmbildung dienen. Ihre Mitwirkung ist ein integraler und sehr wichtiger Bestandteil des Projektes. Sie ermöglicht es, eine interkulturelle Haltung auch außerhalb institutioneller Perspektiven zu verhandeln.

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Darüber hinaus finden sich auf dieser Seite verschiedene Texte, die das Projektkonzept kritisch begutachten, es ergänzen oder in Form eines Glossars wichtige Grundlagenbegriffe klären. Es ist wichtig, dass hier nicht nur der interkulturelle Ansatz, auf dessen Grundlage das Projektkonzept verfasst wurde, sondern auch ähnliche Konzepte ihren Platz finden. So bietet das Glossar Einträge zu pädagogischen Konzepten wie der Ausländerpädagogik, auf welche das Konzept der Interkulturalität eine direkte Reaktion darstellt, aber auch zu Ideen, die im Diskurs zur Interkultur entstanden sind – etwa zur kritischen Migrationsforschung oder zur Transkulturalität.

Das prozesshaft angelegte, mehrstufige Projekt wurde durch den Lehrstuhl für Ästhetische Bildung der Universität zu Köln begutachtet und mit dem Ansatz der Aktionsforschung wissenschaftlich begleitet. In fünf Reflexionstreffen wurden die Fortbildungen gemeinsam mit den Teilnehmenden und Veranstaltenden evaluiert und konkrete Aktionen erarbeitet, um die Angebote zu verbessern und neue Stimmen hörbar zu machen. Die Begleitforschung mündete in einen Abschlussbericht, der sich auch auf dieser Seite finden lässt.

2021 wurden Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer in ganz Deutschland angeboten, die etwa im Rahmen der bundesweiten SchulKinoWochen stattfanden. In einer vorgelagerten Transfer-Werkstatt hatten Lehrende, Wissenschaftler:innen und Filmvermittler:innen diskutiert, wie sich die Erfahrungen des Projekts auf schulische Vermittlungszusammenhänge übertragen lassen.

Die Arbeit am Projekt hat in allen beteiligten Institutionen einen Prozess der strukturellen Öffnung angestoßen, der über die Laufzeit des Projektes hinauswirkt. So nimmt das DFF beispielsweise an dem Programm 360° der Kulturstiftung des Bundes teil und hat eine hausinterne, alle Abteilungen übergreifende Diversitäts-AG gegründet, die diesen Prozess aktiv vorantreibt.

Das Projekt Interkulturelle Filmbildung möchte und kann kein hegemoniales Wissen vermitteln oder abschließende Antworten liefern, sondern soll vielmehr ein vielfältiger Anstoß für das Hinterfragen und permanente Reflektieren der eigenen Haltung und Praktiken in der Filmbildung sein. Die Projektgruppe hofft, mit ihrer Arbeit einen Teil dazu beigetragen zu haben, dass weitere Institutionen und Einzelpersonen der Filmbildung ihre eigenen Arbeitsweisen und Strukturen zu hinterfragen und diese den gesellschaftlichen Transformationsprozessen anzupassen, die in Deutschland und Österreich längst Teil der Realität sind.

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Ellen M. Harrington

Wir leben in einer Welt, die so tief vernetzt und von wechselseitiger Abhängigkeit geprägt ist wie nie zuvor, und wir hoffen, dass die Stimmen der Spaltung und des Nationalismus, die aktuell noch allzu lautstark erklingen, bald verstummen werden. Interkulturelle Bildung spielt in diesem Prozess des Übergangs eine wichtige Rolle – insbesondere in einer Welt, die zunehmend von Bildern und digitalen Kommunikationsmitteln beherrscht wird. Filmbildung bietet einen wichtigen und leicht zugänglichen Weg zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Veränderungen, insbesondere im Kontext der immer öfter gestellten Fragen der Migration und Integration in Deutschland und Österreich.

Wir und unsere Partner hatten das Privileg, Pionierarbeit zu leisten und innovative Konzepte zu entwerfen, wie Filmbildung angesichts der gesellschaftlichen Realität vermittelt werden könnte. Es ist von wesentlicher Bedeutung, die sozialen Realitäten und kulturellen Kontexte unserer Gesellschaft im Blick zu behalten und sicherzustellen, dass sich mit ihnen auch unsere Arbeit weiterentwickelt. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versuchen stets, neue Wege zu gehen und innovative Ideen zu einzubringen – sei es in der Entwicklung von Lehrmaterialien, in der Konzeption und Durchführung von Fortbildungen oder im Kuratieren von Kinoprogrammen.

Toleranz, Pluralismus und Frieden sind die Leitlinien, nach denen in diesem Projekt gearbeitet wurde. Für das DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum ist der Prozess, unser Haus für ein vielfältiges Publikum zu öffnen, ein wichtiges Ziel und die im Projekt „Interkulturelle Filmbildung“ vertretenen Werte sind Bestandteil unseres Selbstverständnisses und unserer täglichen Arbeit. In einer der vielfältigsten Städte Deutschlands, Frankfurt am Main, gelegen, dient unser Museum mit seinen Bildungsprogrammen einer Stadt, in der ein Großteil der Schulkinder einen Migrationshintergrund hat. Daher ist es für uns ein zentrales Ziel, der jungen Generation etwas von unserem Interesse und und unserer Liebe zum Kino mitzugeben – stets eng mit der Verantwortung verbunden, kulturell offen und respektvoll zu sein.

Wir sind der Bundeszentrale für politische Bildung sehr dankbar dafür, dass sie dieses Projekt möglich gemacht hat und danken ihr und unseren Partnerinstitutionen Vision Kino und dem Österreichischen Filmmuseum für die wunderbare Zusammenarbeit. Wir hoffen, dass die Online-Materialien weite Verbreitung finden und dass ihre Haltung als Inspiration für Filmvermittler:innen, Multiplikator:innen, Autor:innen, Lehrerkräfte und all jene dienen wird, die an Bildungseinrichtungen an dieser wichtigen Arbeit beteiligt sind.

Ellen Harrington – Leitung DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

Fortbildungskonzepte

In der Umsetzung der Fortbildungen des Projektes war es wichtig, möglichst viele Referent:innen mit eigenen Blickwinkeln und Erfahrungen an unterschiedlichen Lern- und Vermittlungsorten an der Erprobung des Konzeptes teilhaben zu lassen. Aus der Fortbildungsmatrix von Alejandro Bachmann entwickelten verschiedene Teams aus unterschiedlichen Vermittlungskontexten eigenständige Fortbildungskonzepte mit frei gewählten Schwerpunkten und Methoden, die sich gesammelt auf dieser Seite finden.

Fortbildungskonzepte von Martina Döcker und Alejandro Bachmann

Fortbildungskonzept von Laura C. Zimmermann und Stefan Stiletto

Fortbildungskonzepte von Dr. Martin Ganguly und Aurora Rodonò

Frau vor einer Flipchart

Filmlisten

Das zentrale Konzept des Projektes „Interkulturelle Filmbildung“ ist das Einnehmen einer interkulturellen Haltung. Bei diesem Prozess handelt es sich allerdings um einen sehr individuellen Vorgang, der in jedem Menschen anders abläuft und auf unterschiedlichen Erfahrungen beruht. Eine solch individuelle, ja persönliche Perspektive abzubilden, ist für große Institutionen der Filmbildung, wie etwa die Kooperationspartner des Projektes, nicht immer möglich. Deswegen ist die Projektgruppe an die Referent:innen der Fortbildungen, an die am Projekt beteiligten Critical Friends und an Persönlichkeiten der deutschsprachigen Filmbildungs- und Festivallandschaft herangetreten, um sie um eine persönliche Filmliste zu bitten, die die Frage beantworten soll „Welche Filme sollten wir im Einwanderungsland Deutschland sehen?“.

Dabei sind Listen entstanden, die frei von institutionellen Rahmen von der persönlichen Expertise, dem Fachwissen und dem Geschmack ihrer Autor:innen erzählen und so dreizehn unterschiedliche Perspektiven auf die Frage nach einer interkulturellen Filmbildung eröffnen.

Weiterführende Texte des Projektes

Ausgangspunkt des Projektes „Interkulturelle Filmbildung“ war das von Alejandro Bachmann in Zusammenarbeit mit den Partnerinstitutionen verfasste Projektkonzept, das die theoretischen Grundlagen, die Haltung und die ersten Handlungsempfehlungen den Projektes definiert hat.

Um den eigenen Ansprüchen auf Vielstimmigkeit und Multiperspektivität gerecht zu werden, entstanden ausgehend vom Konzept nach und nach weitere Texte, die jeweils neue, ganz eigene Perspektiven auf Interkulturalität und Filmbildung gewähren und stark von der persönlichen Expertise der Autor:innen geprägt sind.

Diese Texte sind hier zu finden.

Projektimpressum

„Interkulturelle Filmbildung und –vermittlung“ ist ein Projekt von

Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum e.V.
Österreichisches Filmmuseum
Vision Kino gGmbH Netzwerk für Film- und Medienkompetenz

Entwicklung und Durchführung
Katrin Willmann (bpb), Christine Kopf (DFF), Stefan Huber (ÖFM), Michael Jahn (VISION KINO), Elena Solte (VISION KINO)

Vielen Dank an die Teilnehmer/innen der Tagung „Film, Flucht und Interkultur. Internationale Tagung und Zukunftswerkstatt“, die 2016 von DFF und bpb gemeinsam veranstaltet wurde. Sie bildet den Anstoß für diese Arbeitsgruppe.

Vielen Dank außerdem an die Teilnehmer/innen des Konzept-Workshops in der Bundeszentrale für politische Bildung (November 2017).

Projektkoordination
Sebastian Rosenow, Miriam Reichert

Mitarbeit
Karl-Leontin Beger, Sarah Hoffmann, Sarah Hujer, Cornelia Jonas, Antje Knapp, Clara Nigratschka

Critical Friends
Aida Ben Achour, Irit Neidhardt, Can Mileva Rastovic, Aurora Rodonò, Alex Moussa Sawadogo

Pädagogische Beratung
Christl Reissenberger

Wissenschaftliche Begleitung & Begutachtung
Prof. Dr. Manuel Zahn, Katja Lell (Universität zu Köln)

Referent:innen der Fortbildungen
Martina Döcker, Dr. Martin Ganguly, Aurora Rodonò, Stefan Stiletto, Laura Caterina Zimmermann

Vielen Dank an alle Teilnehmer:innen der Fortbildungen, die mit ihrer engagierten Mitarbeit wertvolle Anregungen zur Weiterentwicklung des Konzepts gegeben haben.

Autor:innen
Alejandro Bachmann, Bernd Buder, Martina Döcker, Rabih El-Khoury, Dr. Martin Ganguly, Melika Gothe, Maryanne Redpath, Aurora Rodonò, Alex Moussa Sawadogo, Stefan Stiletto, Laura Teixeira, Laura Caterina Zimmermann

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