Zum 200. Geburtstag von Fedor M. Dostoevskij

Am 11. November 2021 jährte sich der Geburtstag Fedor M. Dostoevskijs zum 200. Mal. Der Schriftsteller gilt als einer der größten Prosaautoren der Weltliteratur. Die sozialen, philosophischen und religiösen Themen in Dostoevskijs Romanen sowie die psychologische Tiefe seiner Figuren beeinflussten nicht nur zahlreiche weitere Schriftsteller:innen. Mehr als jede:r andere russische Autor:in regte er weltweit Filmemacher:innen dazu an, seine Werke zu adaptieren. In Russland selbst ebenso wie in Westeuropa, den USA oder auch Japan entstanden im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Verfilmungen seiner Werke. Zum Teil halten sich diese, was Schauplatz und Handlung betrifft, recht eng an die Vorlagen; andere Adaptionen sind aber auch völlig frei gestaltet, verlegen Zeit und Ort der Handlung in die Gegenwart und in andere Länder oder übernehmen nur einzelne Motive. Das Kino des DFF zeigt im Februar acht Adaptionen, welche in ihrer Bandbreite die vielfältigen Möglichkeiten aufzeigen, sich dem Werk Dostoevskijs filmisch zu nähern.

Am Mittwoch, 16. Februar, wird die Film- und Literaturwissenschaftlerin Natascha Drubek-Meyer anlässlich der Vorführung von Josef von Sternbergs CRIME AND PUNISHMENT in die verschiedenen Dostoevskij-Verfilmungen einführen.

Dienstag  01.02.2022

18:00 Uhr

DER MÖRDER DIMITRI KARAMASOFF

Deutschland 1931. R: Fedor Ozep. D: Fritz Kortner, Anna Sten, Fritz Rasp, Bernhard Minetti. 93 Min. 35mm
Filmreihe: Zum 200. Geburtstag von Fedor M. Dostoevskij

Fedor Ozeps Film ist ein Fest für Augen und Ohren: Als Adaption des gewaltigen Romans von Dostoevskij mag DER MÖRDER DIMITRI KARAMASOFF (1931) literarische Purist:innen nicht gewinnen. Der Film übernimmt nur einzelne Motive der Vorlage und verändert noch dazu die Konstellation der Handlung und den philosophischen Sinngehalt. Doch als genuin filmisches Werk ist es eine der bedeutendsten Leistungen Ozeps, einer der großen Unentdeckten der Filmgeschichte, der den Stoff hier in eine audiovisuelle Symphonie umsetzte.

Dienstag  08.02.2022

18:00 Uhr

LE NOTTI BIANCHE

Weiße Nächte
Italien 1957. R: Luchino Visconti. D: Maria Schell, Marcello Mastroianni, Jean Marais. 107 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Zum 200. Geburtstag von Fedor M. Dostoevskij

In LE NOTTI BIANCHE (1957) verlegte Luchino Visconti Dostoevskijs Erzählung über eine junge Frau (Maria Schell), die in mehreren Nächten vergebens auf ihren Geliebten wartet, dabei aber einen einsamen jungen Mann (Marcello Mastroianni) kennenlernt, nach Italien. Allerdings in ein vollkommen künstliches Italien, in eine Welt, die komplett im Studio nachgebaut wurde, obwohl der Film weitgehend im Freien, auf Straßen, Plätzen und Brücken, spielt. Visconti gelingt es so, eine irreale, romantische Traumwelt zu konstruieren.

Mittwoch  09.02.2022

20:00 Uhr

HAKUCHI

Der Idiot
Japan 1951. R: Akira Kurosawa. D: Mori Masayuki, Mifune Toshiro, Hara Setsuko. 166 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Zum 200. Geburtstag von Fedor M. Dostoevskij

HAKUCHI war Kurosawas erste Adaption einer westlichen Literaturvorlage. Er verlegte den Stoff des „Idioten“ nach Japan in ein winterliches Hokkaido, blieb dabei aber der Handlung und dem Geist Dostoevskijs treu wie vielleicht kein anderer Filmregisseur. In der Tat lassen sich Einflüsse Dostoevskijs auch in mehreren späteren Filmen Kurosawas aufzeigen. Die Titelfigur ist auch in HAKUCHI ein junger Mann eher kindlichen Gemüts, aber von großer Güte und Menschlichkeit. Gerade wegen seines großen Respekts für Dostoevskij wurde dieser Film früher eher als Fehlschlag angesehen; tatsächlich handelt es sich um eines von Kurosawas Meisterwerken. Leider wurde es schon vor der Premiere von der Produktionsfirma um mehr als eine halbe Stunde gekürzt. // In Kooperation mit Nippon Connection.

Freitag  11.02.2022

20:00 Uhr

IDIOT

Der Idiot
UdSSR 1958. R: Ivan Pyr’ev. D: Jurij Jakovlev, Julija Borisova, Nikita Podgornyj. 125 Min. 35mm. DF
Filmreihe: Zum 200. Geburtstag von Fedor M. Dostoevskij

Als 1955 die Tauwetterperiode des sowjetischen Kinos anbrach, konnte auch Dostoevskij wieder verfilmt werden. Ivan Pyr’ev unterzog sich dieser Aufgabe mit IDIOT, einer Adaption des ersten Teils des Romans, eine weitere folgte nie. Pyr’ev, einer der bedeutendsten Regisseure des sowjetischen Films, macht aus der Geschichte ein Melodram in leuchtenden Farben, unterstützt von einer furiosen Musik von Nikolaj Krjukov, das um Fürst Myškin kreist und einen theatralischen und gerade dadurch unwiderstehlichen Sog erzeugt. Dostoevskijs Konstellation der Hauptfiguren ist hier in ein Drama von großer Leidenschaftlichkeit umgesetzt.

Sonntag  13.02.2022

20:30 Uhr

CRIME AND PUNISHMENT

Schuld und Sühne
USA 1935. R: Josef von Sternberg. D: Peter Lorre, Edward Arnold, Marian Marsh. 88 Min. 35mm. OF
Einführung am 16.02.: Natascha Drubek-Meyer
Original version
Filmreihe: Zum 200. Geburtstag von Fedor M. Dostoevskij

Für Josef von Sternberg war die Verfilmung von CRIME AND PUNISHMENT eine reine Auftragsarbeit: Er hatte keinen Einfluss auf Drehbuch und Besetzung und das Produktionsbudget war eher gering. Unter diesen Umständen fokussierte er sich auf die visuelle Gestaltung und die psychologische Ausarbeitung der Beziehung zwischen dem Studenten Raskolnikov und dem Inspektor Porfiry. Ohne jeden metaphysischen Überbau ist dies ein Film der Blicke und Gesten zweier überlebensgroßer Charaktere, gewissermaßen eine freudianische Sicht auf Dostoevskij, inszeniert in einem betont reduzierten, minimalistischen Dekor.

Mittwoch  16.02.2022

20:30 Uhr

CRIME AND PUNISHMENT

Schuld und Sühne
USA 1935. R: Josef von Sternberg. D: Peter Lorre, Edward Arnold, Marian Marsh. 88 Min. 35mm. OF
Einführung am 16.02.: Natascha Drubek-Meyer
Original version
Filmreihe: Zum 200. Geburtstag von Fedor M. Dostoevskij

Für Josef von Sternberg war die Verfilmung von CRIME AND PUNISHMENT eine reine Auftragsarbeit: Er hatte keinen Einfluss auf Drehbuch und Besetzung und das Produktionsbudget war eher gering. Unter diesen Umständen fokussierte er sich auf die visuelle Gestaltung und die psychologische Ausarbeitung der Beziehung zwischen dem Studenten Raskolnikov und dem Inspektor Porfiry. Ohne jeden metaphysischen Überbau ist dies ein Film der Blicke und Gesten zweier überlebensgroßer Charaktere, gewissermaßen eine freudianische Sicht auf Dostoevskij, inszeniert in einem betont reduzierten, minimalistischen Dekor.

Freitag  18.02.2022

20:30 Uhr

RIKOS JA RANGAISTUS

Schuld und Sühne
Finnland 1983. R: Aki Kaurismäki. D: Markku Toikka, Aino Seppo, Esko Nikkari. 93 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Zum 200. Geburtstag von Fedor M. Dostoevskij

In seinem Erstlingsspielfilm RIKOS JA RANGAISTUS adaptierte Aki Kaurismäki Dostoevskijs Roman Verbrechen und Strafe, indem er die Handlung nach Finnland verlegte. Die Hauptfigur ist hier ein Jurastudent, der in einem Schlachthof jobbt und einen Industriellen erschießt. Zunächst legt er es darauf an, von der Polizei vernommen zu werden, dann aber versucht er, den Verdacht von sich abzulenken. Kaurismäkis kühler, minimalistischer Stil ist hier schon in Ansätzen präsent: Schuld und Sühne (wie das Buch in Deutschland hieß) gibt es hier nicht, nur die kühle Faktizität der vorgeführten Ereignisse und das stoische Äußere der Figuren, deren Mienen keine Gedanken oder Gefühle verraten.

Mittwoch  23.02.2022

20:30 Uhr

QUATRE NUITS D’UN RÊVEUR

Vier Nächte eines Träumers
Frankreich/Italien 1971. R: Robert Bresson. D: Isabelle Weingarten, Guillaume des Forêts. 82 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Zum 200. Geburtstag von Fedor M. Dostoevskij

Ähnlich wie Luchino Visconti verlegte Robert Bresson in QUATRE NUITS D’UN RÊVEUR Zeit und Ort von Dostoevskijs Erzählung Weiße Nächte, in seinem Fall in das Paris der Gegenwart um 1970. Jacques ist ein junger Maler, der in seiner eigenen Traumwelt lebt und nächtelang die Stadt auf der Suche nach der idealen Frau durchstreift; seine Phantasien spricht er auf Band. Eines Nachts trifft er auf dem Pont Neuf auf Marthe, die sich offenbar in die Seine stürzen will. In den folgenden drei Nächten treffen sie sich wieder. Anders als Visconti erzählt Bresson den Film weitgehend aus der Perspektive des Mannes, welcher hier der Träumer ist.

Freitag  25.02.2022

17:45 Uhr

TIHIE STRANICY

Verborgene Seiten
Russland/Deutschland 1994. R: Aleksandr Sokurov. D: Aleksandr Cerednik, Elisaveta Koroleva, Sergej Barkovskij. 77 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Zum 200. Geburtstag von Fedor M. Dostoevskij

Aleksandr Sokurovs TIHIE STRANICY (1994) ist ein visuelles Gedicht, teilweise in Schwarzweiß, teilweise in verhaltenen Farben gehalten. Von Gogol bis Ostrovskij zitiert der Film Motive aus der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts, besonders deutlich sind aber die Anklänge an Dostoevskij. Der meditative Duktus, in dem Straßen, Gebäude, Wohnungen und auch Menschen oft zweidimensional, wie gemalt gezeigt werden, stellt ohne Worte die Frage der klassischen russischen Literatur nach dem Sinn der menschlichen Existenz.

Samstag  26.02.2022

20:30 Uhr

RIKOS JA RANGAISTUS

Schuld und Sühne
Finnland 1983. R: Aki Kaurismäki. D: Markku Toikka, Aino Seppo, Esko Nikkari. 93 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Zum 200. Geburtstag von Fedor M. Dostoevskij

In seinem Erstlingsspielfilm RIKOS JA RANGAISTUS adaptierte Aki Kaurismäki Dostoevskijs Roman Verbrechen und Strafe, indem er die Handlung nach Finnland verlegte. Die Hauptfigur ist hier ein Jurastudent, der in einem Schlachthof jobbt und einen Industriellen erschießt. Zunächst legt er es darauf an, von der Polizei vernommen zu werden, dann aber versucht er, den Verdacht von sich abzulenken. Kaurismäkis kühler, minimalistischer Stil ist hier schon in Ansätzen präsent: Schuld und Sühne (wie das Buch in Deutschland hieß) gibt es hier nicht, nur die kühle Faktizität der vorgeführten Ereignisse und das stoische Äußere der Figuren, deren Mienen keine Gedanken oder Gefühle verraten.

Sonntag  27.02.2022

20:30 Uhr

TIHIE STRANICY

Verborgene Seiten
Russland/Deutschland 1994. R: Aleksandr Sokurov. D: Aleksandr Cerednik, Elisaveta Koroleva, Sergej Barkovskij. 77 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Zum 200. Geburtstag von Fedor M. Dostoevskij

Aleksandr Sokurovs TIHIE STRANICY (1994) ist ein visuelles Gedicht, teilweise in Schwarzweiß, teilweise in verhaltenen Farben gehalten. Von Gogol bis Ostrovskij zitiert der Film Motive aus der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts, besonders deutlich sind aber die Anklänge an Dostoevskij. Der meditative Duktus, in dem Straßen, Gebäude, Wohnungen und auch Menschen oft zweidimensional, wie gemalt gezeigt werden, stellt ohne Worte die Frage der klassischen russischen Literatur nach dem Sinn der menschlichen Existenz.