Klassiker & Raritäten: Friedrich Dürrenmatt

Am 5. Januar wäre der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt 101 Jahre alt geworden. Schon früh hat sich das Kino seiner angenommen. Dürrenmatt war ein Liebhaber des Kinos, auch wenn er mit den Verfilmungen seiner Werke nur selten zufrieden war. Dürrenmatt- Adaptionen – von universeller Bedeutung und Anziehungskraft – blieben dabei keineswegs auf den deutschsprachigen Raum beschränkt.

Dienstag  04.01.2022

18:00 Uhr

ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG (1958)

Schweiz/BRD/Spanien 1958. R: Ladislao Vajda. D: Heinz Rühmann, Michel Simon, Ewald Balser. 100 Min. 35mm
Filmreihe: Klassiker & Raritäten: Friedrich Dürrenmatt

Die erste Verfilmung eines Stoffes von Friedrich Dürrenmatt war ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG im Jahr 1958. Der Autor hatte dafür ein Originaldrehbuch verfasst; erst danach verarbeitete er den Stoff auch zu dem Roman Das Versprechen. Dieser erschien im selben Jahr wie der Film, der zugunsten des überaus populären Hauptdarstellers Heinz Rühmann einige Kompromisse eingeht. Thema ist die Suche nach einem Kindermörder, wobei der Fokus nicht auf dem Täter liegt, sondern auf dem Kommissar, der den Fall untersucht: Obwohl scheinbar ein Täter gefunden wurde und der Fall zu den Akten gelegt ist, forscht der Kommissar auf eigene Faust weiter. Der Regisseur Ladislao Vajda versteht es nicht nur, die Arbeit des Polizeiapparats präzise vorzuführen, sondern auch, gegen Ende die Spannung wirkungsvoll zu steigern.

Samstag  08.01.2022

18:00 Uhr

LA PIU BELLA SERATA DELLA MIA VITA

Die schönste Soiree meines Lebens
Italien/Frankreich 1972. R: Ettore Scola. D: Alberto Sordi, Michel Simon, Charles Vanel. 106 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Klassiker & Raritäten: Friedrich Dürrenmatt

Das Werk Ettore Scolas, eines der bemerkenswertesten Filmregisseure Italiens, ist, einzelnen Erfolgen zum Trotz, in Deutschland eher unbekannt geblieben. Das gilt auch für diesen Film, eine Adaption der Erzählung Die Panne von Friedrich Dürrenmatt. Ein italienischer Geschäftsmann fährt mit seinem Maserati in die Schweiz mit einem Koffer voller Schwarzgeld, um dieses dort anzulegen. Nach einer Panne findet er Aufnahme im Schloss eines Grafen, wo ihm eine Gruppe pensionierter Juristen beim Abendessen wegen seiner Verfehlungen den Prozess macht; der Graf tritt als sein Verteidiger auf. Was als Spiel beginnt, wird jedoch bald Ernst. Scola macht aus diesem Stoff eine überdrehte, aber auch düstere Groteske mit vielen satirischen Glanzlichtern.

Dienstag  11.01.2022

18:00 Uhr

JUSTIZ

Deutschland/Schweiz 1993. R: Hans W. Geissendörfer. D: Maximilian Schell, Thomas Heinze, Anna Thalbach. 108 Min. 35mm. dt. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Kassiker & Raritäten: Friedrich Dürrenmatt

JUSTIZ ist Hans W. Geissendörfers atmosphärisch dichte Adaption des gleichnamigen Romans von Friedrich Dürrenmatt, in welchem das Spannungsverhältnis von juristischer und moralischer Gerechtigkeit beleuchtet wird. Ein angesehener Schweizer Regierungsrat, überzeugend gespielt von Maximilian Schell, erschießt scheinbar ohne Motiv in einem Restaurant vor Zeugen einen Literaturprofessor und wird zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Doch dann beauftragt er einen jungen idealistischen Anwalt, den Fall noch einmal aufzurollen. Sehr eindringlich stellt der Film die Frage, ob das bestehende Rechtssystem wirklich in jedem Fall in der Lage ist, zu einer gerechten Lösung zu kommen.

Dienstag  18.01.2022

18:00 Uhr

THE VISIT

Der Besuch
BRD/Italien/Frankreich 1964. R: Bernhard Wicki. D: Ingrid Bergman, Anthony Quinn, Irina Demick, Paolo Stoppa. 100 Min. 35mm. DF
Filmreihe: Klassiker & Raritäten: Friedrich Dürrenmatt

Bernhard Wickis Adaption von Friedrich Dürrenmatts Stück Der Besuch der alten Dame entstand unter mehreren kommerziellen Auflagen: Die eigentlich für die Rolle zu junge Ingrid Bergman sollte die Hauptdarstellerin werden, der Drehort wurde in ein Niemandsland ins Cinecittà-Studio in Rom verlegt, der Schluss des Stücks musste verändert werden und einige Szenen kürzten die amerikanischen Geldgeber nachträglich. Trotzdem ist THE VISIT ein beeindruckender Film geworden, kraftvoll gespielt und inszeniert. Packend und die Situation immer weiter zuspitzend erzählt Wicki, wie die Aussicht auf viel Geld in der Lage ist, eine ganze Gemeinde zu korrumpieren – bis hin zu einem Mord.

Samstag  22.01.2022

18:00 Uhr

HYÈNES

Senegal/Schweiz/Frankreich 1992. R: Djibril Diop Mambéty. D: Mansour Diouf, Ami Diakhate, Mahouredia Gueye. 110 Min. DCP. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Klassiker & Raritäten: Friedrich Dürrenmatt

In welchem Ausmaß die Stoffe Friedrich Dürrenmatts internationale Ausstrahlung und Relevanz besitzen, davon legt diese filmische Aufarbeitung des Stücks Der Besuch der alten Dame Zeugnis ab. Der senegalesische Regisseur Djibril Diop Mambéty verlegte die Geschichte in seine Heimat und sie funktioniert auch hier: Eine alte Frau, reich geworden, kehrt in ihren Heimatort zurück, um sich an ihrem damaligen Geliebten zu rächen, der sie mit einem unehelichen Kind sitzenließ. Auch in dem senegalesischen Dorf Colobane wirkt die Macht des Geldes, welches nach und nach die Einwohner:innen korrumpiert. Zugleich legt der Film die Strukturen der Unterdrückung der Frauen in einer traditionalen Gesellschaft bloß.