Jüdische Kulturwochen / Ausstellung UNSER MUT

In Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde präsentiert das DFF als Teil der Jüdischen Kulturwochen (3. bis 17. Oktober) drei Filme, die von der Vergangenheit und Gegenwart jüdischen Lebens erzählen: Der Dokumentarfilm DIE ROTE KAPELLE nimmt das gleichnamige Widerstandsnetz und Spionagenetzwerk zur Zeit des Dritten Reichs in den Blick. Eric Steels Spielfilm MINYAN ist ein sensibles Porträt einer schwulen, jüdischen Jugend im New York der 1980er-Jahre. LIEBER THOMAS setzt das Leben des Schriftstellers Thomas Brasch, Sohn des stellvertretenden Kulturministers der DDR, in Bezug zur Geschichte der DDR.

Begleitend zur Ausstellung „UNSER MUT. Juden in Europa 1945-48“ des Jüdischen Museums werden im DFF in den kommenden Monaten zudem verschiedene Filme gezeigt, die jüdische Erfahrungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit thematisieren – den Anfang macht Fred Zinnemanns THE SEARCH. Anlässlich der Aktion „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ sind im Oktober- Programm der Klassiker & Raritäten darüber hinaus die Filme DAS ALTE GESETZ und LEVINS MÜHLE zu sehen.

In Kooperation mit:

     

Bitte beachten Sie folgende Hinweise:

Sonntag  10.10.2021

17:30 Uhr

DIE ROTE KAPELLE

Deutschland/Belgien/Israel 2020. R: Carl-Ludwig Rettinger. Dokumentarfilm. 122 Min. DCP. deutsch-hebräisch-jiddisch-polnische OmU
Filmreihe: Jüdische Kulturwochen

Die „Rote Kapelle“ bezeichnet ein wichtiges Widerstandsnetz in Nazideutschland und gleichzeitig einen sowjetischen Spionagering in Paris und Brüssel. Im Gegensatz zur „Weißen Rose“ und zum Stauffenberg-Kreis sind die Widerstandskämpfer:innen der „Roten Kapelle“ lange Zeit als „Vaterlandsveräter:innen“ denunziert worden. Während in der BRD ehemalige Gestapo-Leute die Gruppe als kommunistisches Spionagenetzwerk diskreditierten, vereinnahmte die Staatssicherheit in der DDR das angeblich kommunistische Netzwerk für ihre Zwecke – und verfälschte so die Geschichte des Netzwerks. Erst heute kann die dramatische Geschichte auf Basis aktueller historischer Recherchen und mithilfe von Filmausschnitten und Aussagen von Nachfahr:innen und Historiker:innen umfassend erzählt werden. Die Geschichte der Widerstandskämpfer:innen ist damit aktueller denn je.

Dienstag  12.10.2021

18:00 Uhr

MINYAN

USA 2021. R: Eric Steel. D: Samuel H. Levine, Ron Rifkin, Christopher McCann. 118 Min. DCP. englisch-jiddisch-hebräisch-russische OmU
Filmreihe: Jüdische Kulturwochen

Damit eine jüdische Betgemeinde, ein „Minjan“, einen Gottesdienst abhalten kann, muss sie mindestens aus zehn religiösen Juden bestehen. Auch der aus einer russischen Immigrant:innenfamilie stammende 17-jährige David hilft regelmäßig bei Minjans im vom jüdischen Leben geprägten New Yorker Stadtteil Brighton Beach. Seine Familie hält das für selbstverständlich. Doch David hinterfragt nach und nach die strengen Regeln seiner Gemeinschaft und freundet sich mit zwei homosexuellen jüdischen Senioren an – zeitgleich bleibt sein sexuelles Erwachen vom Aufkommen von HIV und Aids nicht unberührt. Ein sensibles Porträt einer schwulen, jüdischen Jugend im noch ungentrifizierten New York der 1980er-Jahre sowie ein Spielfilmdebüt mit leisem Humor, das beschreibt, wie ein junger Mensch gesellschaftliche Zuschreibungen – Immigrant, Jude, Homosexueller – mit den eigenen Empfindungen abgleicht und sie neu zu definieren lernt.

Mittwoch  13.10.2021

18:00 Uhr

THE SEARCH

Die Gezeichneten
USA/Schweiz 1948. R: Fred Zinnemann. D: Montgomery Clift, Aline MacMahon, Wendell Corey, Jarmila Novotna. 105 Min. 35mm. OmU
Filmreihe: Jüdische Kulturwochen

Nach dem zweiten Weltkrieg irrten in den zerbombten Städten und verwüsteten Landstrichen Europas zahlreiche Kinder umher, die ihre Familie und ihr Heim verloren hatten oder verschleppt worden waren und um die sich die UNRRA, die United Nations Relief and Rehabilitaion Administration, kümmerte. Zu Beginn des Films trifft ein Zug mit solchen Kriegswaisen aus ganz Europa in einem Lager der UNRRA ein, wo deren Mitarbeiter versuchen, mehr über ihre Identität und ihr Schicksal zu erfahren. In der Folge konzentriert sich der Film auf das Schicksal eines traumatisierten tschechischen Jungen, der bei einem Transport in ein anderes Lager entflieht und von einem amerikanischen Soldaten aufgegriffen wird, welcher allmählich die Ängste und Widerstände des Jungen überwindet. In der Darstellung überwiegen in THE SEARCH die dokumentarisch-veristischen Beobachtungen bei weitem die Momente konventioneller Kinodramaturgie.

Sonntag  17.10.2021

11:30 Uhr

LIEBER THOMAS

Deutschland 2021. R: Andreas Kleinert. D: Albrecht Schuch, Jella Hasse, Peter Kremer. 150 Min. DCP
Filmreihe: Jüdische Kulturwochen

Träumer, Schriftsteller, Rebell: Thomas Brasch, 1945 als Sohn jüdischer Emigrant:innen im englischen Exil geboren, gerät schnell mit den Autoritäten der noch jungen DDR aneinander. Mit seinem Vater, stellvertretender Kulturminister, sowieso. Sein erstes Stück wird verboten, von der Filmhochschule wird er exmatrikuliert, dann werden die Proteste gegen den Einmarsch der Warschauer Pakt-Truppen in der CSSR erstickt. Die Biografie eines Jahrhunderts am Beispiel eines Ruhelosen, erzählt in schillerndem Schwarzweiß und mit der Mischung aus Poesie und Wut, die auch Braschs Werk ausmacht. Ein beeindruckender Spielfilm über einen Schriftsteller, dessen Lebensweg eng mit den Widersprüchen zwischen politischem Ideal, sozialistischer Realität und der Sehnsucht nach dem Hier und Jetzt verknüpft ist – und der droht, daran zu zerbrechen.

Dienstag  19.10.2021

18:00 Uhr

DAS ALTE GESETZ

Deutschland 1923. R: E. A. Dupont. D: Ernst Deutsch, Henny Porten. 107 Min. DCP. Musikfassung
Filmreihe: Jüdische Kulturwochen

Einer der letzten und erfolgreichsten größeren Stummfilme mit jüdischem Thema, der die Konflikte zwischen jüdischer Tradition, eigenen Wünschen und Forderungen der Assimilation behandelt. In einem osteuropäischen Ghetto, das sich auf das Purimsfest vorbereitet, entdeckt der Sohn des Rabbiners, Barusch, seine Liebe zur Schauspielerei und schließt sich einer fahrenden Truppe an. Durch einen Zufall wird er von der Erzherzogin Elisabeth Theresia entdeckt, die ihn ans Burgtheater nach Wien schickt. Als der Vater, der ihn verstoßen hat, den Sohn auf der Bühne sieht, kommt es zur Versöhnung.
DAS ALTE GESETZ erscheint »als Antwort auf die Wiederkehr eines rassistischen, gegen die Ostjuden gerichteten Antisemitismus in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.« (Cynthia Walk) Mit seiner komplexen Darstellung von Orthodoxie und Emanzipation ist E. A. Duponts Historienfilm ein Höhepunkt jüdischen Filmschaffens in Deutschland. (Quelle: IFB 2018)

Dienstag  26.10.2021

18:00 Uhr

LEVINS MÜHLE

DDR 1980. R: Horst Seemann. D: Erwin Geschonneck, Katja Paryla, Christian Grashof. 118 Min. 35mm.
Filmreihe: Jüdische Kulturwochen

In einem kleinen Dorf im Westpreußischen, nahe der unteren Weichsel, leben in den 1870er Jahren Deutsche, Pol:innen, Jüd:innen und Roma nebeneinander. Dem wohlhabenden deutsche Mühlenbesitzer Johann gefällt es nicht, dass der Jude Levin in seiner Bootsmühle auch Korn mahlt. Im Glauben, dass die Justiz auf seiner Seite sein wird, öffnet er nachts das Wehr und schwemmt Levins Mühle weg. Seine Rechnung geht nur zum Teil auf. Levin bekommt kein Recht und flieht resigniert mit seiner Freundin Marie, einer Roma. Doch auch Johann wird seines Lebens nicht mehr froh.