Lecture & Film: Die Erfinderin der Formen.

Das Kino von Chantal Akerman

Bis Juli 2019 widmet sich die Lecture & Film-Reihe dem Œuvre der belgischen Regisseurin, Installationskünstlerin und Schriftstellerin Chantal Akerman. Akermans Ästhetik der Alltagserfahrung, das Überschreiten von Genregrenzen und ihr Sinn für Dauer und Zeiterfahrung machen sie zu einer Neuerfinderin der Formen des Kinos.

Das vollständige Programm unter chantal-akerman.de

Mitschnitte der Vorträge: youtube.com/deutschesfilmmuseum

Eine Veranstaltungsreihe des Kinos des DFF und des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und dem DFG-Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“

       

Lecture&Film

Mittwoch  22.05.2019

18:00 Uhr

LETTERS HOME

Frankreich 1986. R: Chantal Akerman. D: Delphine Seyrig, Coralie Seyrig. 104 Min. Digital. OmeU

Zehn Jahre nach NEWS FROM HOME beschäftigt sich Akerman erneut mit der Korrespondenz zwischen Mutter und Tochter. Dieses Mal handelt es sich um die Briefe der Dichterin Sylvia Plath – die sich im Alter von 30 Jahren das Leben nahm – und ihrer Mutter. Die Inszenierung mit Delphine Seyrig und ihrer Nichte Coralie ist ursprünglich für das Theater entstanden, bevor Akerman sie 1986 auf Video aufgenommen hat.

Donnerstag  23.05.2019

20:15 Uhr

NEWS FROM HOME

Belgien/Frankreich/BRD 1976. R: Chantal Akerman. 89 Min. 16mm. Engl. OF. Lecture: Alisa Lebow

Der Film wird mitunter als Liebeserklärung an Akermans Mutter beschrieben, kann aber auch als Darstellung einer Distanzerfahrung verstanden werden. Während in der Tonspur die damals 27-jährige Akerman Briefe ihrer Mutter laut vorliest, sehen wir Szenen aus einer gänzlich anderen Welt. Der Film ist zugleich ein Dokument einer sehr eigenen Anschauung von New York und einer Beziehung zwischen einer Mutter und einer Tochter, die höchst unterschiedliche Leben führen. Die Distanz ist eine physische und psychische, die in den Zwischenräumen zwischen Ton und Bild lesbar wird. Alisa Lebow ist Filmwissenschaftlerin und Filmemacherin und lehrt an der University of Sussex (England). Sie ist Spezialistin für Dokumentarfilm und befasst sich besonders mit den dokumentarischen Arbeiten von Chantal Akerman.

Samstag  25.05.2019

18:00 Uhr

NEWS FROM HOME

Belgien/Frankreich/BRD 1976. R: Chantal Akerman. 89 Min. DCP. Franz. OF

Der Film wird mitunter als Liebeserklärung an Akermans Mutter beschrieben, kann aber auch als Darstellung einer Distanzerfahrung verstanden werden. Während in der Tonspur die damals 27-jährige Akerman Briefe ihrer Mutter laut vorliest, sehen wir Szenen aus einer gänzlich anderen Welt. Der Film ist zugleich ein Dokument einer sehr eigenen Anschauung von New York und einer Beziehung zwischen einer Mutter und einer Tochter, die höchst unterschiedliche Leben führen. Die Distanz ist eine physische und psychische, die in den Zwischenräumen zwischen Ton und Bild lesbar wird.

Donnerstag  06.06.2019

20:15 Uhr

LÀ-BAS

Belgien 2006. R: Chantal Akerman. 78 Min. Digital. OmeU
Lecture: Laliv Melamed (Goethe Universität, Frankfurt)
Filmreihe: Lecture & Film: Die Erfinderin der Formen. Das Kino von Chantal Akerman

Hier/Da: Chantal Akermans LÀ-BAS Vortrag von Laliv Melamed in englischer Sprache Filmvorführung im Anschluss: Akerman filmt aus ihrer Tel Aviver Wohnung die Straße „dort unten“. Die Kamera fängt nicht nur die befremdliche Gegenwart vor dem Fenster ein, sondern öffnet einen inneren, imaginären Raum. Die Spannung zwischen „Innen und Außen“ reflektiert auch die konfliktreiche Realität Israels. Laliv Melamed ist Postdoc am Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films” der Goethe-Universität und u.a. Kuratorin bei DOCAVIV.

Donnerstag  13.06.2019

18:00 Uhr

JEANNE DIELMAN, 23 QUAI DU COMMERCE, 1080 BRUXELLES

Belgien/Frankreich 1975. R: Chantal Akerman. D: Delphine Seyrig, Jan Decorte, Henri Stork. 202 Min. DCP. OmeU
Lecture: Eva Kuhn (Leuphana Universität Lüneburg)
Filmreihe: Lecture & Film: Die Erfinderin der Formen. Das Kino von Chantal Akerman

Das frühe Meisterwerk von Chantal Akerman zeigt drei Tage im Leben einer jungen Witwe (Delphine Seyrig) und ihrem 16-jährigen Sohn. Der Vortrag von Eva Kuhn am 13.6. untersucht seine Bedeutung in Kunst- und Filmtheorie und speziell für eine postfeministische Repräsentationskritik: Nicht mehr das Filmobjekt „Frau“, sondern Verfahren der Subjektivierung stehen im Zentrum.

Samstag  15.06.2019

16:30 Uhr

JEANNE DIELMAN, 23 QUAI DU COMMERCE, 1080 BRUXELLES

Belgien/Frankreich 1975. R: Chantal Akerman. D: Delphine Seyrig, Jan Decorte, Henri Stork. 202 Min. DCP. OmeU

Das frühe Meisterwerk von Chantal Akerman zeigt drei Tage im Leben einer jungen Witwe (Delphine Seyrig) und ihrem 16-jährigen Sohn.

Donnerstag  27.06.2019

20:15 Uhr

DE L’AUTRE CÔTÉ

Belgien/Frankreich 2002. R: Chantal Akerman. 103 min. 35mm. OmeU
Lecture: Martin Seel (Goethe Universität, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“)
Filmreihe: Lecture & Film: Die Erfinderin der Formen. Das Kino von Chantal Akerman

Die Andere Seite des Kinos: Akermans DE L’AUTRE CÔTÉ Vortrag von Martin Seel in deutscher Sprache Filmvorführung im Anschluss: Berichte von Menschen an der US-mexikanischen Grenze wechseln mit Anschauungen der Wüste, die sich in gleichgültiger Schönheit über beide Seiten erstreckt. Der Film verzichtet auf den Dokumentar-Gestus des Bescheidwissens und auf eine deutende Geschichte. Martin Seel ist Professor für Philosophie an der Goethe-Universität und Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“.

Donnerstag  11.07.2019

20:15 Uhr

NO HOME MOVIE

Belgien/Frankreich 2015 R: Chantal Akerman. 115 Min. DCP OmeU Lecture: Dieter Roelstraete
Filmreihe: Lecture & Film

Akerman filmt ihre Mutter: beim Essen, im Schlaf, via Skype. Erst später entschied sie, aus diesem Material einen Film zu machen. Roelstraete stellt in seinem Vortrag ausgehend von NO HOME MOVIE, Akermans letztem Film, die Frage nach Zugehörigkeit und Heimatlosigkeit im Werk der Regisseurin.

Samstag  20.07.2019

18:00 Uhr

CHANTAL AKERMAN, DE CÁ

Chantal Akerman, From Here. Brasilien 2010. R: Gustavo Beck, Leonardo Luiz Ferreira. Dokumentarfilm. 62 Min. Digital. Engl. OF
Vorfilm: SAUTE MA VILLE (Belgien 1968. R: Chantal Akerman. 13 Min.)
Filmreihe: Lecture & Film

Für eine Retrospektive ihrer Filme ist Akerman nach Brasilien gereist, wo sie einem jungen Filmemacher ein Interview gab. Dieses wurde aus dem Korridor gefilmt, der Befrager ist nie zu sehen. Die Bildsprache ahmt teilweise den „Stil“ Akermans nach. Aber die belgische Regisseurin bleibt – wie immer – unentschlüsselbar. Vor dem Film wird Akermans erster Kurzfilm gezeigt, in dem sie eine unberechenbare Frau in alltäglichen Situationen spielt.

Donnerstag  31.10.2019

20:15 Uhr

HAI CHANG CHUAN QI

I Wish I Knew. VR China 2010. R: Jia Zhangke. D: Tao Zhao. 138 Min. 35mm. OmeU
Mit Vortrag am 31.10.
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke

Die Hafenstadt Shanghai wurde nach dem Ende des ersten Opium-Kriegs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Einfallstor für westliche Händler und Kolonisten in das bis dahin unzugängliche Kaiserreich. Shanghai avancierte zur Drehscheibe des Welthandels, aber auch zum kulturellen Zentrum des neuen China, samt einer blühenden Filmindustrie. Gedreht als Auftragsfilm für die Weltausstellung 2010 zeigt I WISH I KNEW die jüngste Transformation der Stadt und zeichnet zugleich ihr filmisches Gedächtnis nach.

Samstag  02.11.2019

17:30 Uhr

HAI CHANG CHUAN QI

I Wish I Knew. VR China 2010. R: Jia Zhangke. D: Tao Zhao. 138 Min. 35mm. OmeU
Mit Vortrag am 31.10.
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke

Die Hafenstadt Shanghai wurde nach dem Ende des ersten Opium-Kriegs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Einfallstor für westliche Händler und Kolonisten in das bis dahin unzugängliche Kaiserreich. Shanghai avancierte zur Drehscheibe des Welthandels, aber auch zum kulturellen Zentrum des neuen China, samt einer blühenden Filmindustrie. Gedreht als Auftragsfilm für die Weltausstellung 2010 zeigt I WISH I KNEW die jüngste Transformation der Stadt und zeichnet zugleich ihr filmisches Gedächtnis nach.

Donnerstag  07.11.2019

20:15 Uhr

XIAOSHAN GOING HOME

VR China 1995. R: Jia Zhangke. D: Wang Hongwei. 59 Min. Digital. OmeU
Vortrag am 7.11.: Daniel Fairfax, "Die Anfänge eines Auteurs"
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke. Kino der Transformation

Gedreht während seines Studiums an der Filmakademie Peking, auf Video mit geringer Auflösung und fast ohne Budget, ist XIAOSHAN GOING HOME Jias erster längerer Film. Viele der Themen, die für seine späteren Filme prägend werden, sind hier schon zu finden. Besonders die dramatischen Klassenunterschiede und Spannungen zwischen ländlichen und urbanen Gebieten im sich rasch modernisierenden China der 1990er Jahre sind hier dargestellt.

Samstag  16.11.2019

18:00 Uhr

XIAOSHAN GOING HOME

VR China 1995. R: Jia Zhangke. D: Wang Hongwei. 59 Min. Digital. OmeU
Vortrag am 7.11.: Daniel Fairfax, "Die Anfänge eines Auteurs"
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke. Kino der Transformation

Gedreht während seines Studiums an der Filmakademie Peking, auf Video mit geringer Auflösung und fast ohne Budget, ist XIAOSHAN GOING HOME Jias erster längerer Film. Viele der Themen, die für seine späteren Filme prägend werden, sind hier schon zu finden. Besonders die dramatischen Klassenunterschiede und Spannungen zwischen ländlichen und urbanen Gebieten im sich rasch modernisierenden China der 1990er Jahre sind hier dargestellt.

Mittwoch  27.11.2019

18:00 Uhr

THE WORLD

VR China 2004. R: Jia Zhangke. D: Zhao Tao, Chen Taisheng, Wang Hongwei. 140 Min. Digital. OmeU
Vortrag am 28.11.:Dudley Andrew, "Aufwachsen in THE WORLD"
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke. Kino der Transformation

„The World“ ist ein Freizeitpark am Rande von Peking. Er präsentiert die Welt in Form von Touristenattraktionen und Show-Einlagen. Als Besucher – so sagt es der Werbeslogan – bewegt man sich in einem Tag durch die ganze Welt und besucht z.B. den Eiffelturm, die Halbinsel von Manhattan, die ägyptischen Pyramiden u.v.m. Der gleichnamige Film erzählt von Tao, die als Show-Girl in dieser Anlage arbeitet, und ihrem Freund Taisheng, der dort beim Sicherheitsdienst angestellt ist. Der Regisseur Jia Zhangke porträtiert mit diesen Figuren und ihren Freunden eine neue Generation von Werktätigen – Chinesen, aber auch Russen –, die in dieser Tourismus-Industrie arbeiten und zwischen den Staffagen und Showeinlagen versuchen, ihr eigenes Leben als Weltbürger des 21. Jahrhunderts zu entwerfen.

Donnerstag  28.11.2019

20:15 Uhr

THE WORLD

VR China 2004. R: Jia Zhangke. D: Zhao Tao, Chen Taisheng, Wang Hongwei. 140 Min. Digital. OmeU
Vortrag am 28.11.:Dudley Andrew, "Aufwachsen in THE WORLD"
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke. Kino der Transformation

„The World“ ist ein Freizeitpark am Rande von Peking. Er präsentiert die Welt in Form von Touristenattraktionen und Show-Einlagen. Als Besucher – so sagt es der Werbeslogan – bewegt man sich in einem Tag durch die ganze Welt und besucht z.B. den Eiffelturm, die Halbinsel von Manhattan, die ägyptischen Pyramiden u.v.m. Der gleichnamige Film erzählt von Tao, die als Show-Girl in dieser Anlage arbeitet, und ihrem Freund Taisheng, der dort beim Sicherheitsdienst angestellt ist. Der Regisseur Jia Zhangke porträtiert mit diesen Figuren und ihren Freunden eine neue Generation von Werktätigen – Chinesen, aber auch Russen –, die in dieser Tourismus-Industrie arbeiten und zwischen den Staffagen und Showeinlagen versuchen, ihr eigenes Leben als Weltbürger des 21. Jahrhunderts zu entwerfen.

Donnerstag  12.12.2019

20:15 Uhr

DONG

VR China 2006. R: Jia Zhangke. Dokumentarfilm. 66 Min. Digital. OmeU
Programmänderung am 12. Dezember: Einführung: Antje Krause-Wahl (Goethe-Universität Frankfurt)
Filmreihe: Lecture & Film

Jia Zhangke porträtiert den chinesischen Maler Liu Xiaodong: An der Drei-Schluchten-Talsperre bannt Liu die Arbeiten am weltgrößten Wasserkraftwerk auf die Leinwand. Wenig später wird die umliegende Stadt geflutet. Später begleitet Jia den Künstler nach Thailand, wo dieser junge Frauen malt. DONG entstand zeitgleich mit STILL LIFE, blieb aber nach der Doppelpremiere in Venedig im Schatten des Gewinnerfilms des Goldenen Löwen.

Samstag  14.12.2019

17:00 Uhr

DONG

VR China 2006. R: Jia Zhangke. Dokumentarfilm. 66 Min. Digital. OmeU
Programmänderung am 12. Dezember: Einführung: Antje Krause-Wahl (Goethe-Universität Frankfurt)
Filmreihe: Lecture & Film

Jia Zhangke porträtiert den chinesischen Maler Liu Xiaodong: An der Drei-Schluchten-Talsperre bannt Liu die Arbeiten am weltgrößten Wasserkraftwerk auf die Leinwand. Wenig später wird die umliegende Stadt geflutet. Später begleitet Jia den Künstler nach Thailand, wo dieser junge Frauen malt. DONG entstand zeitgleich mit STILL LIFE, blieb aber nach der Doppelpremiere in Venedig im Schatten des Gewinnerfilms des Goldenen Löwen.

Donnerstag  16.01.2020

20:15 Uhr

ÈRSHÍSÌ CHÉNG JÌ - 24 CITY

VR China 2008. R: Jia Zhangke. D: Chen Jianbin, Lü Liping, Joan Chen, Zhao Tao 107 Min. 35mm. OmeU
Lecture am 16.01.: Chris Berry
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke

Jia Zhangkes Filme können alle als Erinnerungsstücke zur neueren chinesischen Geschichte verstanden werden, keiner aber ausdrücklicher als 24 CITY. Indem der Film Subjektives und Flüchtiges aufzeichnet, verwandelt er Gedächtnis in Geschichte. 24 CITY ist von einer Vielstimmigkeit geprägt, die auf die kohärente Argumentation und Perspektivierung der konventionellen Geschichtsschreibung verzichtet. Reale und inszenierte Interviews kombiniert Jia mit Literatur, Musik, Montagen von Fabrikarbeiten und langen Porträtaufnahmen von Arbeitern und ihren Familien.

Donnerstag  23.01.2020

18:15 Uhr

ZHANTAI - PLATFORM

VR China 2000. R: Jia Zhangke. D: Wang Hongwei, Zhao Tao, Liang Jingdong. 155 Min. 35mm. OmU
Lecture: Cecília Mello
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke

Eine Theatertruppe aus dem ländlichen Fenyang kämpft mit dem Niedergang des Kommunismus und dem Aufstieg der Populärkultur in China. Der Film wirft einen Blick zurück auf die 1980er Jahre, ein Schlüsseljahrzehnt in Chinas jüngerer Geschichte. In einem Netzwerk von historischen und künstlerischen Referenzen verwebt der Film persönliche Erinnerungen des Autors – der selbst aus Fenyang kommt – mit der kollektiven Historie. Eine zentrale Rolle spielen dabei Popsongs, von denen die Analyse im Vortrag ausgehen wird.

Samstag  25.01.2020

18:00 Uhr

ÈRSHÍSÌ CHÉNG JÌ - 24 CITY

VR China 2008. R: Jia Zhangke. D: Chen Jianbin, Lü Liping, Joan Chen, Zhao Tao 107 Min. 35mm. OmeU
Lecture am 16.01.: Chris Berry
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke

Jia Zhangkes Filme können alle als Erinnerungsstücke zur neueren chinesischen Geschichte verstanden werden, keiner aber ausdrücklicher als 24 CITY. Indem der Film Subjektives und Flüchtiges aufzeichnet, verwandelt er Gedächtnis in Geschichte. 24 CITY ist von einer Vielstimmigkeit geprägt, die auf die kohärente Argumentation und Perspektivierung der konventionellen Geschichtsschreibung verzichtet. Reale und inszenierte Interviews kombiniert Jia mit Literatur, Musik, Montagen von Fabrikarbeiten und langen Porträtaufnahmen von Arbeitern und ihren Familien.

Donnerstag  06.02.2020

20:15 Uhr

TIAN ZHÙDÌNG

A Touch of Sin. China/Japan/Frankreich 2013. R: Jia Zhangke. D: Jiang Wu, Wang Baoqiang, Zhao Tao. 130 Min. DCP. OmU
Lecture am 06.02.: Winnie Yee, Eintritt 5 Euro
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke

Vier Menschen, vier Geschichten, ein Schicksal. In A TOUCH OF SIN sind es vor allem einzelne Gegenstände, an denen sich die stärksten Emotionen festmachen. Der Vortrag untersucht Jias brutales Porträt des modernen Chinas, das von dem Versuch erzählt, in einer Welt der Zerstörung und des Verschwindens an verlorene Bindungen anzuknüpfen. Cannes-Gewinner 2013 (Bestes Drehbuch).

Mittwoch  12.02.2020

18:00 Uhr

TIAN ZHÙDÌNG

A Touch of Sin. China/Japan/Frankreich 2013. R: Jia Zhangke. D: Jiang Wu, Wang Baoqiang, Zhao Tao. 130 Min. DCP. OmU
Lecture am 06.02.: Winnie Yee, Eintritt 5 Euro
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke

Vier Menschen, vier Geschichten, ein Schicksal. In A TOUCH OF SIN sind es vor allem einzelne Gegenstände, an denen sich die stärksten Emotionen festmachen. Der Vortrag untersucht Jias brutales Porträt des modernen Chinas, das von dem Versuch erzählt, in einer Welt der Zerstörung und des Verschwindens an verlorene Bindungen anzuknüpfen. Cannes-Gewinner 2013 (Bestes Drehbuch).

Sonntag  16.02.2020

18:00 Uhr

JIA ZHANGKE, A GUY FROM FENYANG

Leider fällt die Masterclass mit Jia Zhangke und Zhao Tao am 16.2. aus. Stattdessen läuft der Dokumentarfilm JIA ZHANGKE, A GUY FROM FENYANG (Brasilien 2015. R: Walter Salles. 98 Min. DCP. OmeU)

Der brasilianische Star-Regisseur Walter Salles folgt Jia Zhangke in seine Heimatstadt Fenyang, um die besondere Verbindung zwischen Jia und seiner Provinz, in der viele seiner Filme spielen, zu erkunden. Sie besuchen Schauplätze aus früheren Filmen Jias, wie XIAO WU und PLATFORM, und begeben sich dabei an Orte, an denen Jia aufwuchs. Der Film zeigt die Veränderungen eines Landes, die das Werk eines der großen Filmemacher unserer Zeit prägten.

20:00 Uhr

FENG GUI LAI DE REN

The Boys from Fengkuei. Taiwan 1983. R: Hou Hsiao-hsien. D: Doze Niu, To Tsung-hua, Lin Hsiu-ling, Chang Shih. 101 Min. DCP. OmeU
Einführung: Prof. Vinzenz Hediger (Jia Zhangke wird leider nicht anwesend sein können)

Ein Lieblingsfilm Jia Zhangkes: THE BOYS FROM FENGKUEI zeigt das Erwachsenwerden dreier Jugendlicher aus einem Fischerdorf in der taiwanesischen Provinz. In der Hafenstadt Kaohsiung beginnen die Freunde ein selbstbestimmtes, aber risikoreiches Leben, als sie auf eine junge Frau treffen, die sie vor ein Rätsel stellt. In Jias STILL LIFE und THE WORLD finden sich direkte Bezüge.

Donnerstag  15.07.2021

20:15 Uhr

XIAO WU

Pickpocket
VR China 1997. R: Jia Zhangke. D: Wang Hongwei, Zuo Baitao. 108 Min. 16mm. OmU .
Lecture (Video): Michael Berry
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke

In Fengyang wohnt der Taschendieb Xiao Wu. Da er es nie geschafft hat, wie seine Freunde von der Straße wegzukommen, fühlt er sich mit seinen Problemen immer einsamer. Mit seinem ersten Langspielfilm etablierte sich Jia Zhangke zugleich als wichtigster Vertreter der „sechsten Generation” des chinesischen Films und als eines der größten Talente des Weltkinos.
In der Einführung spricht Michael Berry über die zentralen Aspekte von Jias Werk: die Spannung zwischen Land und Stadt, der moralische Preis der Modernisierung, aber auch die singulären Strategien dieses Films.

Freitag  16.07.2021

18:00 Uhr

SHAN HE GU REN

Mountains May Depart
VR China/Frankreich/Japan 2015. R: Jia Zhangke. D: Zhao Tao, Zhang Yi, Jing Dong Liang. 126 Min. DCP. OmeU
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke

Tao (Zhao Tao) ist eine junge Frau aus Fengyang, die von den Freunden Liangzi und Zhang umworben wird. Ihr Leben wird in drei unterschiedlichen Momenten gezeigt: 1999, 2014 und 2025. Dabei lernen die Zuschauer:innen nicht nur Taos Freunde und Familie kennen, sondern auch den starken gesellschaftlichen Wandel im modernen China.

Samstag  17.07.2021

18:00 Uhr

JIA ZHANGKE, A GUY FROM FENYANG

Brasilien 2015. R: Walter Salles. 98 Min. DCP. OmeU
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke

Der brasilianische Star-Regisseur Walter Salles folgt Jia Zhangke in seine Heimatstadt Fenyang, um die besondere Verbindung zwischen Jia und seiner Provinz, in der viele seiner Filme spielen, zu erkunden. Sie besuchen Schauplätze aus früheren Filmen Jias, wie XIAO WU und PLATFORM, und begeben sich dabei an Orte, an denen Jia aufwuchs. Der Film zeigt die Veränderungen eines Landes, die das Werk eines der großen Filmemacher unserer Zeit prägten.

Sonntag  18.07.2021

20:30 Uhr

SHAN HE GU REN

Mountains May Depart
VR China/Frankreich/Japan 2015. R: Jia Zhangke. D: Zhao Tao, Zhang Yi, Jing Dong Liang. 126 Min. DCP. OmeU
Filmreihe: Lecture & Film: Jia Zhangke

Tao (Zhao Tao) ist eine junge Frau aus Fengyang, die von den Freunden Liangzi und Zhang umworben wird. Ihr Leben wird in drei unterschiedlichen Momenten gezeigt: 1999, 2014 und 2025. Dabei lernen die Zuschauer:innen nicht nur Taos Freunde und Familie kennen, sondern auch den starken gesellschaftlichen Wandel im modernen China.

Donnerstag  18.11.2021

20:15 Uhr

SEDMIKRÁSKY

Tausendschönchen – Kein Märchen
CS 1966. R: Vera Chytilová. D: Jitka Cerhová, Ivana Karbanová, Julius Albert. 76 Min. DCP (Formatänderung). OmU
Lecture: Vinzenz Hediger
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

Tschechoslowakei 1965. Angesichts einer Gesellschaft, die ihre theoretischen Ideale mit Füßen tritt, beschließen zwei sinnesfrohe Aussteigerinnen, die beide auf den Namen Marie hören, mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Marie 1 und Marie 2 sind einer Meinung: Die Welt ist verdorben. Man kann ihr nur begegnen, indem man noch verdorbener ist. Von da an tun sie, was ihnen gefällt. Mit dieser grotesk- anarchistischen Komödie machte die Regisseurin Vera Chytilová international auf sich aufmerksam. Ihr Manifest für die Entfaltung der Persönlichkeit und gegen jede Form von Engstirnigkeit und Spießertum platzte mitten in die Periode des „Prager Frühlings“ hinein und wurde in der CSSR fast augenblicklich verboten.

Lecture von Vinzenz Hediger: Prager Frühlings Erwachen: Anarchie und Experiment in TAUSENDSCHÖNCHEN
Vinzenz Hediger ist Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität und principal investigator der Forschungsinitiative ConTrust - Vertrauen im Konflikt von Goethe-Universität und Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung

Zwischen Surrealismus und Subversion: Die Filme von Vera Chytilová
Die Reihe Lecture & Film präsentiert die wichtigsten Arbeiten von Vera Chytilová mit Einführungen von Spezialist:innen, die Chytilová im Kontext der aktuellen filmwissenschaftlichen Debatte verorten.

Donnerstag  09.12.2021

20:15 Uhr

HRA O JABLKO

Ein bißchen schwanger
CS 1977. R: Vera Chytilová. 101 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles, Lecture in English
Lecture: Daniel Fairfax (Goethe-Universität)
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

HRA O JABLKO markierte Chytilovás Rückkehr zum Kino, nachdem sie im Zuge der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 in der Tschechoslowakei mit einem Berufsverbot belegt wurde. Jirí Menzel, selbst eine der zentralen Figuren der Tschechischen Neuen Welle, spielt in dieser feministischen Komödie einen untreuen Gynäkologen in einem Kinderkrankenhaus, der im Operationssaal seine Kolleginnen verführt. Obwohl HRA O JABLKO in vielerlei Hinsicht einer ihrer zugänglichsten Filme ist, behält er dennoch viele der subversiven Züge bei, die ihr gesamtes Werk kennzeichnen.

Mit ihren surrealistisch inspirierten, anarchischen Filmkunstwerken gab Vera Chytilová dem Kino in den 1960er Jahren ein neues Gesicht. Die „Lecture & Film“-Reihe Zwischen Surrealismus und Subversion: Die Filme von Vera Chytilová präsentiert die wichtigsten Arbeiten der Regisseurin mit Einführungen von Expert:innen, die Chytilová im Kontext der aktuellen filmwissenschaftlichen Debatte verorten.
Daniel Fairfax ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Donnerstag  20.01.2022

20:15 Uhr

DEDICTVÍ ANEB KURVAHOŠIGUTNTAG

The Inheritance or Fuckoffguysgoodday
Tschecheslowakei 1992. R: Vera Chytilová. D: Bolek Polívka, Miroslav Donutil, Anna Pan-tuckova. 118 Min. DCP. OmeU
Original version with English subtitles
Lecture: Jan Culík (Video-Vortrag in englischer Sprache)
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

Der renommierte Wissenschaftler und unabhängige Journalist Jan Culík (University of Glasgow) beschäftigt sich in seinem Video-Vortrag Chytilová's Inheritance: A prescient analysis of boorishness mit Vera Chytilovás DEDICTVÍ ANEB KURVAHOŠIGUTNTA: Auch nach dem sogenannten „Fall des Kommunismus“ Ende der 1980er Jahre bewahrte sich Vera Chytilová ihre Haltung für Solidarität und Gemeinsinn. Der Film nimmt die Exzesse der post-kommunistischen Ära mit bitterer Ironie und brutalem Realismus in den Blick. Eine bedeutende tschechische Filmkritikerin verurteilte den Film zur Zeit seines Erscheinens als „Produkt einer verbitterten Frau“. Sollte sie damit Recht behalten?

Jan Culík lehrt Czech Studies an der University of Glasgow in Schottland. Er ist Autor der ersten Monographie über unabhängige tschechische Exilliteratur zwischen den Jahren 1970 und 1989 und hat mehrere Bücher über den postkommunistischen tschechischen Spielfilm und weitere Monographien über tschechische Schriftsteller des 20. und 21. Jahrhunderts für das amerikanische Dictionary of Literary Biography verfasst. Außerdem ist er Chefredakteur der tschechischen Internettageszeitung Britské listy, die seit 1996 existiert.

Donnerstag  27.01.2022

20:15 Uhr

VZLETY A PÁDY

Flights and Falls
Tschechien 2000. R: Vera Chytilová. Dokumentarfilm. 108 Min. (52 Min. + 56 Min.). Digital. OmeU
Original version with English subtitles
Lecture: Peter Hames (Video-Vortrag in englischer Sprache)
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

Vera Chytilovás Herangehensweise an Dokumentarfilme war stets unorthodox. Die selten gezeigte, zweiteilige TV-Arbeit VZLETY A PÁDY nimmt das Leben dreier tschechischer Fotografen – Václav Chochola, Karel Ludwig und Zdenek Tmej – zum Ausgangspunkt einer Erkundung kultureller und gegenkultureller Bewegungen in der Tschechoslowakei seit den 1930er Jahren. Chytilová war in den frühen 1950er Jahren mit Karel Ludwig verheiratet und nutzt in ihrem Werk kreative Montagefolgen, Musik und Bilder, um eine verlorene und häufig im Untergrund stattfindende Kultur freizulegen. Ein einzigartiger Film, der international, wenn überhaupt, nur wenig Beachtung gefunden hat.

Peter Hames ist Gastprofessor für Film an der Staffordshire University in Großbritannien. Er hat kürzlich zwei Ausgaben von Studies in Eastern European Cinema herausgegeben, die sich mit dem Werk von Chytilová befassen.

Donnerstag  10.02.2022

20:15 Uhr

CHYTILOVA VERSUS FORMAN

Chytilová versus Forman – Consciousness of Continuity
BE/CSSR 1981. R: Vera Chytilová. Dokumentarfilm. 84 Min. Digital. engl./frz. OF
English/French original version
Lecture: Godard versus CHYTILOVÁ VERSUS FORMAN. Linke Missverständnisse und Filmpolitik; Vortrag von Nicole Kandioler
Filmreihe: Lecture & Film

Der 1969 produzierte Film PRAVDA der Dziga-Vertov-Gruppe (u.a. Jean-Luc Godard und Jean-Henri Roger) entlarvte den latenten Kapitalismus der Imagery des Sozialismus in Bildern des tschechoslowakischen Fernsehens und Arbeiterlebens. Auch Vera Chytilová, die Godard in PRAVDA interviewte, wurde zur Zielscheibe der Kritik, insofern ihr von den Filmemachern eine anti-marxistische (statt einer anti-kommunistischen) Haltung unterstellt wurde. „Chytilová = Zanuck and Paramount“ – so die Formel, mit der Godard seine Kritik in PRAVDA zuspitzt. In ihrem 1981 für das belgische Fernsehen produzierten Film CHYTILOVÁ VERSUS FORMAN vergleicht Chytilová den Verlauf ihrer Karriere mit jener Miloš Formans, der infolge seiner Emigration in die USA nach der Niederschlagung des Prager Frühlings als Hollywood-Regisseur Weltruhm erlangte und zum Zeitpunkt des Filmdrehs gerade mit der Fertigstellung seines für acht Oscars nominierten Films RAGTIME beschäftigt war. In ihrem Film, der gleichzeitig Selbstreflexion und kritische Auseinandersetzung mit ihrem Kollegen ist, stehen grundlegende Fragen des Filmischen wie des Politischen auf dem Prüfstand.
Chytilovás hatte ihren Kollegen Forman in New York und London während der Dreharbeiten zu RAGTIME (1981) besucht. Das Gespräch zwischen ihr und dem Regisseur offenbart die Auswirkungen ihrer unterschiedlichen Regie-Biografien: Forman ging nach der Niederschlagung des Prager Fru¨hlings ins Exil, Chytilová blieb hingegen in der Tschechoslowakei.

Nicole Kandioler ist Assistenzprofessorin für Politik der Medien am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

Donnerstag  17.02.2022

20:15 Uhr

KOPYTEM SEM, KOPYTEM TAM

Tainted Horseplay
CSSR 1988, R: Vera Chytilová. D: Tomás Hanák, Milan Steindler, Tereza Kucerová. 137 min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Lecture: „Einmal hin, einmal her“: Chytilovás Kino am Ende des Sozialismus; Vortrag von Natascha Drubek-Meyer
Filmreihe: Lecture & Film

Wir schreiben das Jahr 1988, die qualvolle Endphase des realen Sozialismus in der westböhmischen Provinz. Eine neurotische Kamera verfolgt Arbeit und Freizeit dreier Männer im spärlichen Schnee des Kurorts Karlsbad. Es stellt sich die Frage: Was kann man in diesem korrupten Dschungel sonst tun, als es miteinander zu treiben? Chytilová liefert eine Satire ihrer Gesellschaft der 80er, die sich unmerklich von einer Komödie in eine Tragödie verwandelt. Bewirkt die Katastrophe eine Reinigung oder bleibt es beim Jammern und Schaudern?
Die Tragikomödie kreist um eine Gruppe von Mitdreißigern, die sich von Party zu Party und diversen sexuellen Abenteuern bewegen, bis einer der Freunde AIDS-positiv diagnostiziert wird. Als eine der ersten Regisseurinnen Osteuropas realisierte Vera Chytilová damit einen Film über das damalige Tabuthema der AIDS-Erkrankung. Das Ende des Films soll damals wie eine Bombe in die ahnungslose Tschechoslowakei eingeschlagen haben, die diesen Film sowohl auf das Moskauer Filmfestival als auch in den Oscar-Wettbewerb schickte.

Natascha Drubek-Meyer lehrt Filmwissenschaft sowie Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Sie ist Chefredakteurin der open-access-Zeitschrift Apparatus (www.apparatusjournal.net), die sich Film- und Medienkulturen in Zentral- und Osteuropa widmet.

Donnerstag  28.04.2022

20:15 Uhr

VLCÍ BOUDA

Die Wolfsbaude
CSSR 1987. R: Vera Chytilová. D: Miroslav Machácek, Stepánka Cervenková, Rita Dudusová. 92 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Lecture von Margarete Wach (Universität Siegen): Husáks »Normalisierung« als Stoff für einen Sci-Fi-Horror in VLCÍ BOUDA von Vera Chytilová
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

In VLCÍ BOUDA verbindet Vera Chytilová Horror- und Science-Fiction-Elemente auf ihre eigene Art und Weise: Der Film erzählt von einer Gruppe von Jugendlichen, die für ein Elite-Ski-Training in die Berge reisen soll. Durch eine Lawine werden sie von der Außenwelt abgeschnitten. Zugleich häufen sich merkwürdige Ereignisse. Parabelartig und subtil verhandelt der Film Mechanismen und gesellschaftliche Dynamiken autoritärer Herrschaftssysteme.

Wie man bereits dem Titel der Lecture entnehmen kann, wird der Vortrag das Verhältnis zwischen Macht und Kunst thematisieren, das für Chytilovás Filmarbeit maßgebend war – sowohl für ihre Filme der Neuen Welle, die mit ihren formalen Experimenten ohne Dubceks Reformen nicht denkbar gewesen wären, als auch für die Filme der „Normalisierungs“-Zeit, als sie nach ihrem mehrjährigen Berufsverbot mit dem Neostalinisten Gustav Husak eine Art Versteckspiel spielte. Auch diese Phase animierte sie zu subversiven Praktiken, die ihr eine „versteckte“ Kritik an politischen und gesellschaftlichen Zuständen in der Tschechoslowakei ermöglichten. Dazu gehörten u.a. der Rückgriff auf Genres wie den Horrorfilm oder auf den Modus eines allegorischen Märchens, um die Kritik subversiv zu verschleiern.

Mit ihren surrealistisch inspirierten, anarchischen Filmkunstwerken gab Vera Chytilová dem Kino in den 1960er Jahren ein neues Gesicht. Die "Lecture & Film" Reihe: Zwischen Surrealismus und Subversion: Die Filme von Vera Chytilová präsentiert die wichtigsten Arbeiten der Regisseurin, gepaart mit Einführungen von Expert:innen.

Freitag  29.04.2022

20:15 Uhr

SASEK A KRÁLOVNA

Der Narr und die Königin
CSSR 1982. R: Vera Chytilová. D: Bolek Polívka, Chantal Poullain, Jirí Kodet. 111 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

SASEK A KRÁLOVNA, Vera Chytilovás "vermutlich bestes Werk seit den 1960er Jahren" (Jonathan Rosenbaum), ist begleitend zur "Lecture & Film"-Reihe Zwischen Surrealismus und Subversion: Die Filme von Vera Chytilová zu sehen. Der Film wechselt gekonnt zwischen verschiedenen Zeit- und Handlungsebenen: Ein bayerischer Jäger besucht mit seiner französischen Verlobten ein Schloss und erhält dort eine Führung von einem Dorfbewohner. Dieser denkt sich nach und nach ein in die Rolle eines mittelalterlichen Hofnarren, der einen König und eine Königin unterhält. Mit SASEK A KRÁLOVNA adaptierte Chytilová ein populäres Theaterstück und arbeitet dabei mit einer Reihe an allegorischen Verweisen auf die Gegenwart des Sozialismus in der Tschechoslowakei.

Donnerstag  05.05.2022

20:15 Uhr

CHYTILOVÁ: FRÜHE KURZFILME

STROP (Die Decke)
CSSR 1962. R: Vera Chytilová. D: Marta Kanovská, Julián Chytil, Josef Abrhám. 42 min. 35mm. OmU
PYTEL BLECH (Ein Sack voll Flöhe)
CSSR 1962. R: Vera Chytilová. D: Helga Cocková. 43 min. DCP. OmeU
AUTOMAT SVET (Automat Welt)
CSSR 1965. R: Vera Chytilová. D: Vera Mrázkova, Vladimír Boudník, Alzbeta Lastovková. 20 Min. 35mm. OmU
Original version with German or English subtitles
Lecture Durch die Decke des Cinéma vérité – Explorative Grenzüberschreitungen in den frühen Kurzfilmen Vera Chytilovás : Andreas Rauscher
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

Das Cinéma vérité inspirierte die tschechisch-slowakische Neuen Welle der 1960er Jahre nicht nur im Gebrauch der filmischen Gestaltungsmittel. Der spontane und unmittelbare Blick auf die Wirklichkeit eröffnete ästhetische und dramaturgische Möglichkeiten jenseits der schematischen Vorgaben des sozialistischen Realismus. In ihren frühen Kurzfilmen kombiniert Vera Chytilová explorative Erkundungen des Alltags im Sinne des Cinéma vérité mit formbewussten Experimenten, die gezielt dessen dokumentarische Grenzen sprengen. STROP (Die Decke) begleitet ein Model von ihren Foto-Shootings über fragmentarische Skizzen ihres Privatlebens bis hin zu einer abstrakten Odyssee durch das nächtliche Prag. PYTEL BLECH (Ein Sack voll Flöhe) nutzt das Format einer Reportage über junge Auszubildende für ein innovatives Spiel mit der subjektiven Kamera. In AUTOMAT SVET (Automat Welt), Chytilovás Beitrag zum Omnibusfilm PERLICKY NA DNE (Perlen auf dem Meeresgrund) nach einer Vorlage des Schriftstellers Bohumil Hrabal, ergänzen sich schließlich fiktionale und dokumentarische Elemente nahtlos zu einer Gattungen übergreifenden Grenzüberschreitung.
Andreas Rauscher ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienkulturwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Privatdozent für Filmwissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Monographien u.a. über die Tschechoslowakische Neue Welle (zusammen mit Jonas Engelmann und Josef Rauscher), das Phänomen Star Trek, Genrekonzepte in Videospielen, die Star Wars-Saga, die Simpsons und verschiedene Themen der Comic und der Game Studies.
Die Veranstaltung ist Teil der „Lecture & Film“-Reihe Zwischen Surrealismus und Subversion: Die Filme von Vera Chytilová, die die Werke der Regisseurin mit Einführungen von Expert:innen präsentiert.

Donnerstag  19.05.2022

20:15 Uhr

PRAHA - NEKLIDNÉ SRDCE EVROPY

Prag, das unruhige Herz Europas
CSSR 1984. Vera Chytilová. 60 Min. 35mm. DF
Lecture Prag und Chytilovás "Kontextbewusstsein": Lucie Cesálková (Prag)
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

"Wo wir auch hingehen, überall treffen wir auf Geschichte”, sagt Vera Chytilová in ihrem frenetischen Dokumentarfilm-Gedicht über die tschechoslowakische Hauptstadt mit dem Titel PRAHA – NEKLIDNÉ SRDCE EVROPY (Prag, das unruhige Herz Europas). Der Film war Teil einer Dokumentarfilmreihe, die wichtigen europäischen Städten gewidmet war (produziert von Giorgio Perrali für Transfilm Roma), und Chytilová war die einzige Regisseurin in der Gruppe der großen Namen des europäischen Autorenkinos, zusammen mit Miklós Jancsó (Budapest), Manoel de Oliveira (Lissabon), Ermanno Olmi (Mailand), Theo Angelopoulos (Athen).
Die Veranstaltung ist Teil der „Lecture & Film“-Reihe Zwischen Surrealismus und Subversion: Die Filme von Vera Chytilová, die die Werke der Regisseurin mit Einführungen von Expert:innen präsentiert.

Donnerstag  02.06.2022

20:15 Uhr

FAUNOVO VELMI PODZNÍ ODPOLEDNE

Der sehr späte Nachmittag eines Fauns
CSSR 1983. R: Vera Chytilová. 99 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Lecture: Dr. Jindriška Bláhová
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

In der komödiantischen Farce FAUNOVO AUNOVO VELMI POZDNÍ ODPOLEDNE muss ein Prager Casanova einsehen, dass es mit ihm bald zu Ende geht. Er wollte immer etwas bedeutsames tun, wurde aber durch junge Frauen abgelenkt. In ihrem Vortrag Es ist zu spät um etwas Bedeutsames aufzubauen: Zeit, Tod und mentale Geographien in The Very Late Afternoon of a Faun spricht Jindriška Bláhová über Chytilovás dritte Zusammenarbeit mit der Künstlerin Ester Krumbachová, in der die Regisseurin das Vergehen der Zeit auf die moralischen Dimensionen der menschlichen Existenz treffen lässt.

Dr. Jindriška Bláhová ist Filmkritikerin der Wochenzeitung Respekt und Chefredakteurin der Zeitschrift Cinepur. Sie leitet das Doktorand:innenprogramm der Akademie der darstellenden Künste in Prag und arbeitet derzeit an einer historischen Studie zur Geschichte des Festivals von Karlovy Vary vor 1989.

Zwischen Surrealismus und Subversion: Die Filme von Vera Chytilová
Die Veranstaltung ist Teil der „Lecture & Film“-Reihe, die die Werke der Regisseurin mit Einführungen von Expert:innen präsentiert.

Freitag  03.06.2022

18:00 Uhr

PERLICKY NA DNE

Perlen auf dem Meeresgrund
CSSR 1966. R: Vera Chytilová, Evald Schorm, Jirí Menzel, Jan Nemec, Jaromil Jireš D: Pavla Marsálková, Vera Mrázkova, Ivan Vyskocil. 105 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

Der Episodenfilm PERLICKY NA DNE versammelt Beiträge von einigen zentralen Regisseur:innen des Kinos der CSSR, darunter Vera Chytilová, Evald Schorm, Jirí Menzel, Jan Nemec und Jaromil Jireš. Basierend auf einem Erzählband Bohumil Hrabals, einer der wichtigsten literarischen Bezugspunkte der Nová Vlna, wechseln die verschiedenen Episoden zwischen den Registern des Komödiantischen, Surrealen sowie Romantischen und geben dabei einen Einblick in die eigenwilligen Zugänge der jeweiligen Regisseur:innen. Im Rückblick wirkt der Film wie ein kollektives Manifest der Bewegung, bevor diese sich im Zuge der Niederschlagung des Prager Frühlings in verschiedene Bereiche und Länder zersplittern sollte.

Donnerstag  09.06.2022

20:15 Uhr

PANELSTORY ANEB JAK SE RODÍ SÍDLISTE

Geschichte der Wände oder Wie eine Siedlung entsteht
CSSR 1979. R: Vera Chytilová. 96 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Vorfilm: CAS JE NEÚPROSNÝ
Die Zeit ist unerbittlich. CSSR 1978. R: Vera Chytilová. 35mm. 16 Min. OmU
Original version with German subtitles
Lecture: Alice Lovejoy
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

Alice Lovejoy (University of Minnesota) beschäftigt sich in ihrem Vortrag Bauen Filmen: Panelstory (Geschichte der Wände) und der Wandel von Prag (in englischer Sprache) mit dem Film PANELSTORY ANEB JAK SE RODÍ SÍDLISTE. Gegen Ende der 1970er Jahre begann Chytilová mit dem Film eine Untersuchung des sich wandelnden Stadtbilds von Prag und erforschte die halbfertigen Gebäude der groß angelegten Plattensiedlungsbauten der Stadt. Der Film verbindet auf Chytilovás unnachahmliche Weise Melodrama und Sozialkritik.

Alice Lovejoy ist Associate Professor im Department of Cultural Studies and Comparative Literature und im Moving Image Studies program der University of Minnesota. Zu ihren Publikationen zählt Army Film and the Avant Garde: Cinema and Experiment in the Czechoslovak Military (Indiana University Press 2014).

Zwischen Surrealismus und Subversion: Die Filme von Vera Chytilová Die Veranstaltung ist Teil der „Lecture & Film“-Reihe, die die Werke der Regisseurin mit Einführungen von Expert:innen präsentiert.

Donnerstag  23.06.2022

20:15 Uhr

PÁTRÁNÍ PO ESTER

Auf der Suche nach Ester Tschechien 2005. R: Vera Chytilová. 119 Min. Digital. OmeU
Original version with English subtitles
Lecture: Bettina Schulte Strathaus
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

Bettina Schulte Strathaus (Goethe-Universität Frankfurt) nimmt in Murdering the devil? Chytilovás doppelbödige Würdigung Ester Krumbachovás eine der langjährigen künstlerischen Partnerinnen Chytilovás in den Blick. Wie viele ihrer Kolleg:innen verdankt Chytilová der (infolge politischer Repressionen oft unsichtbaren) Komplizin auf Zeit elementare Ideen und extravagante Zugriffe auf Stoff, Dramaturgie und Oberfläche ihrer Filme. Im Jahr 2002 entscheidet sich die Regisseurin mit PÁTRÁNÍ PO ESTER der 1996 verstorbenen Künstlerin, Drehbuchautorin, Kostümbildnerin, Setdesignerin und schließlich auch Regisseurin Krumbachová im Gestus der Spurensuche ein filmisches Porträt zu widmen.

Bettina Schulte Strathaus ist wissenschaftliche Koordinatorin für den Master „Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation“ an der Goethe-Universität Frankfurt. Derzeit forscht sie zu Ella Bergmann-Michels Regie- und Filmkulturarbeit.

Zwischen Surrealismus und Subversion: Die Filme von Vera Chytilová
Die Veranstaltung ist Teil der „Lecture & Film“-Reihe, die die Werke der Regisseurin mit Einführungen von Expert:innen präsentiert.

Samstag  25.06.2022

18:00 Uhr

PANELSTORY ANEB JAK SE RODÍ SÍDLISTE

Geschichte der Wände oder Wie eine Siedlung entsteht
CSSR 1979. R: Vera Chytilová. 96 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Vorfilm: CAS JE NEÚPROSNÝ
Die Zeit ist unerbittlich. CSSR 1978. R: Vera Chytilová. 35mm. 16 Min. OmU
Original version with German subtitles
Lecture: Alice Lovejoy
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

Alice Lovejoy (University of Minnesota) beschäftigt sich in ihrem Vortrag Bauen Filmen: Panelstory (Geschichte der Wände) und der Wandel von Prag (in englischer Sprache) mit dem Film PANELSTORY ANEB JAK SE RODÍ SÍDLISTE. Gegen Ende der 1970er Jahre begann Chytilová mit dem Film eine Untersuchung des sich wandelnden Stadtbilds von Prag und erforschte die halbfertigen Gebäude der groß angelegten Plattensiedlungsbauten der Stadt. Der Film verbindet auf Chytilovás unnachahmliche Weise Melodrama und Sozialkritik.

Alice Lovejoy ist Associate Professor im Department of Cultural Studies and Comparative Literature und im Moving Image Studies program der University of Minnesota. Zu ihren Publikationen zählt Army Film and the Avant Garde: Cinema and Experiment in the Czechoslovak Military (Indiana University Press 2014).

Zwischen Surrealismus und Subversion: Die Filme von Vera Chytilová Die Veranstaltung ist Teil der „Lecture & Film“-Reihe, die die Werke der Regisseurin mit Einführungen von Expert:innen präsentiert.

Mittwoch  29.06.2022

18:00 Uhr

OVOCE STROMU RAJSKÝCH JÍME

Fruit of Paradise
CSSR 1970. R: Vera Chytilová. 99 Min. Digital. OmeU
Original version with English subtitles
Lecture (nur am 30.6.): Katerina Svatonová
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

Katerina Svatonová (Karls-Universität Prag) untersucht in dem Vortrag Experimente auf der Suche nach Wahrheit: OVOCE STROMU RAJSKÝCH JÍME die Metaphernsprache von Chytilovás fiktionalem Kosmos, die Farbkomposition ihrer Filme sowie Jaroslav Kuceras Kameraarbeit. Die opernhafte Detektivgeschichte OVOCE STROMU RAJSKÝCH JÍME stellt den Höhepunkt der experimentellen Formsuche des Autorentrios Chytilová (Regie), Kucera (Kamera) und Krumbachová (Szenenbild) dar.

Katerina Svatonová ist Film- und Medientheoretikern und Professorin für Filmwissenschaft an der Karls-Universität in Prag. Sie hat zahlreiche Publikationen zur Medienarchäologie der tschechischen Moderne und zu Fragen der filmischen und medialen Wahrnehmung vorgelegt und Ausstellungen zum Kameramann Jaroslav Kucera und zur Kostümbildnerin Ester Krumbachová kuratiert.

Zwischen Surrealismus und Subversion: Die Filme von Vera Chytilová
Die Veranstaltung ist Teil der „Lecture & Film“-Reihe, die die Werke der Regisseurin mit Einführungen von Expert:innen präsentiert.

Donnerstag  30.06.2022

20:30 Uhr

OVOCE STROMU RAJSKÝCH JÍME

Fruit of Paradise
CSSR 1970. R: Vera Chytilová. 99 Min. Digital. OmeU
Original version with English subtitles
Lecture (nur am 30.6.): Katerina Svatonová
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

Katerina Svatonová (Karls-Universität Prag) untersucht in dem Vortrag Experimente auf der Suche nach Wahrheit: OVOCE STROMU RAJSKÝCH JÍME die Metaphernsprache von Chytilovás fiktionalem Kosmos, die Farbkomposition ihrer Filme sowie Jaroslav Kuceras Kameraarbeit. Die opernhafte Detektivgeschichte OVOCE STROMU RAJSKÝCH JÍME stellt den Höhepunkt der experimentellen Formsuche des Autorentrios Chytilová (Regie), Kucera (Kamera) und Krumbachová (Szenenbild) dar.

Katerina Svatonová ist Film- und Medientheoretikern und Professorin für Filmwissenschaft an der Karls-Universität in Prag. Sie hat zahlreiche Publikationen zur Medienarchäologie der tschechischen Moderne und zu Fragen der filmischen und medialen Wahrnehmung vorgelegt und Ausstellungen zum Kameramann Jaroslav Kucera und zur Kostümbildnerin Ester Krumbachová kuratiert.

Zwischen Surrealismus und Subversion: Die Filme von Vera Chytilová
Die Veranstaltung ist Teil der „Lecture & Film“-Reihe, die die Werke der Regisseurin mit Einführungen von Expert:innen präsentiert.

Samstag  02.07.2022

18:00 Uhr

VALERIE A TÝDEN DIVU

Valerie – Eine Woche voller Wunder
CSSR 1970. R: Jaromil Jireš. D: Jaroslava Schallerová, Helena Anýzová, Petr Kopriva. 76 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Ester Krumbachová

In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Jaromil Jireš schuf Ester Krumbachová kurz nach der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ den Film VALERIE A TÝDEN DIVU. Der Film verbindet eine Coming-of-Age-Geschichte mit Horror- und Märchenelementen und begleitet seine titelgebende Protagonistin auf eine düster-surrealistische Reise ins Wunderland voller Dämonen und Vampire. Schnell entfaltet der Film durch seine phantasievolle Bildgestaltung und sein Setdesign sowie der Musik von Luboš Fišer eine traumartige Atmosphäre.

Donnerstag  07.07.2022

20:15 Uhr

PASTI, PASTI, PASTICKY

Große Fallen, kleine Fallen (Achtung: Filmänderung!)
CZ 1998. R: Vera Chytilová. D: Zuzana Stivínová, Miroslav Donutil, Tomás Hanák. 124 Min. Digital. OmeU
Original version with English subtitles
Lecture: Ewa Mazierska (University of Central Lancashire)
Filmreihe: Lecture & Film: Vera Chytilová

Bitte beachten Sie die Filmänderung: Statt des im gedruckten Programm angekündigten O NECEM JINÉM (Von etwas anderem) ist folgender Vortrag und Film zu sehen:

Zwischen Feminismus und Misandrie: PASTI, PASTI, PASTICKY (Große Fallen, kleine Fallen, 1998)
Chytilová wird oft als feministische Filmemacherin bezeichnet, aber wenn man sich einige ihrer Filme ansieht, fragt man sich, ob der Begriff 'misandrisch' nicht angemessener wäre. Ihr Film PASTI, PASTI, PASTICKY gehört zu diesen Filmen, denn er wird von Männern bevölkert, die Frauen missachten, ausnutzen und misshandeln, und von Frauen, die Männer verachten. Die wichtigste von ihnen ist eine junge Tierärztin namens Lenka, die es diesen brutalen Männern heimzahlt, indem sie sie buchstäblich ihrer männlichen Macht beraubt. Die Geschichte wird dabei in einem Stil erzählt, der an viele von Chytilovás früheren Filmen erinnert: Sie ist rasant und anfangs scheinbar chaotisch, mit mehreren parallel verlaufenden Handlungssträngen und vielen Figuren, deren Verbindungen zueinander schwer zu erkennen sind. PASTI, PASTI, PASTICKY setzt sich aber auch mit dem System auseinander, das den "Kommunismus" in der Tschechoslowakei und in anderen osteuropäischen Ländern ablöste. Den Kapitalismus und die parlamentarische Demokratie beobachtet die Regisseurin als zutiefst korrupte Systeme, mit einem "Netzwerk von Jungen" aus Politikern und Geschäftsleuten, die entscheiden, was das Beste ist – für sie, und nicht für die Bevölkerung.

Ewa Mazierska ist Professorin für Filmwissenschaft an der University of Central Lancashire. Sie ist die Autorin und Herausgeberin von mehr als dreißig Büchern über Film und Popmusik.

Zwischen Surrealismus und Subversion: Die Filme von Vera Chytilová
Die Veranstaltung ist Teil der „Lecture & Film“-Reihe, die die Werke der Regisseurin mit Einführungen von Expert:innen präsentiert.

Samstag  09.07.2022

18:00 Uhr

VALERIE A TÝDEN DIVU

Valerie – Eine Woche voller Wunder
CSSR 1970. R: Jaromil Jireš. D: Jaroslava Schallerová, Helena Anýzová, Petr Kopriva. 76 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Ester Krumbachová

In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Jaromil Jireš schuf Ester Krumbachová kurz nach der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ den Film VALERIE A TÝDEN DIVU. Der Film verbindet eine Coming-of-Age-Geschichte mit Horror- und Märchenelementen und begleitet seine titelgebende Protagonistin auf eine düster-surrealistische Reise ins Wunderland voller Dämonen und Vampire. Schnell entfaltet der Film durch seine phantasievolle Bildgestaltung und sein Setdesign sowie der Musik von Luboš Fišer eine traumartige Atmosphäre.

Mittwoch  13.07.2022

18:00 Uhr

ROMANCE PRO KRIDLOVKU

Romanze für Flügelhorn
CSSR 1967. R: Otakar Vávra. D: Jaromír Hanzlík, Július Vašek, Zuzana Cigánová. 86 Min. 16mm. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Ester Krumbachová

Für Otakar Vávras ROMANCE PRO KRIDLOVKU entwickelte Ester Krumbachová das Kostümdesign: Basierend auf einem epischen Gedicht von František Hrubín erzählt der Film in lyrischen Splittern von den Erinnerungen an die erste Liebe im Sommer zwischen einem jungen Mann vom Land und einer Frau, die für einen Karusselbetrieb arbeitet. Vávra gilt als eine der zentralen Figuren des tschechoslowakischen Kinos: Gemeinsam mit Hugo Haas realisierte er bereits 1937 seinen ersten eigenen Spielfilm, ab 1963 war er Professor an der Filmhochschule FAMU und unterrichtete dort eine Vielzahl der Regisseur:innen der Nová Vlna.

Samstag  16.07.2022

18:00 Uhr

...A PÁTÝ JEZDEC JE STRACH

Der fünfte Reiter ist die Angst
CSSR 1965. R: Zbynek Brynych. D: Miroslav Machácek, Olga Scheinpflugová, Jirí Adamíra. 98 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Ester Krumbachová

Bei der Produktion von Zbynek Brynychs halluzinatorisch-abgründigen ...A PÁTÝ JEZDEC JE STRACH war Krumbachová neben der Mitarbeit am Drehbuch auch für das Kostümdesign zuständig. Der Film begleitet einen jüdischen Arzt in Prag, der nach der Okkupation durch die Nationalsozialisten mit einem Berufsverbot belegt wurde. Die Begegnung mit einem verwundeten Widerstandskämpfer bringt ihn schließlich in Gewissenskonflikte. ...A PÁTÝ JEZDEC JE STRACH bildet den Mittelteil einer düster-absurden Trilogie über die Zeit des Nationalsozialismus, zu der auch die Filme TRANSPORT Z RÁJE (Transport aus dem Paradies, 1963) und JÁ, SPRAVEDLNOST (Als Hitler den Krieg überlebte, 1968) zählen.

Samstag  23.07.2022

18:00 Uhr

VRAZDA ING. CERTA

The Murder of Mr Devil
CSSR 1970. R: Ester Krumbachová. D: Jirina Bohdalová, Vladimír Mensík, Ljuba Hermanová. 72 Min. DCP. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Ester Krumbachová

Im Laufe ihrer Karriere arbeitete Ester Krumbachová mit Regisseur:innen wie Zbynek Brynych, Jan Nemec, Jaromil Jireš, Otakar Vávra, Vera Chytilová oder Karel Kachyna zusammen. Sie prägte dabei maßgeblich die Ästhetik der tschechoslowakischen Nová Vlna. Ihren einzigen eigenen Langspielfilm VRAZDA ING. CERTA realisierte sie im Jahr 1970. In diesem fantastisch-komischen Kammerspiel lässt sich eine Frau auf der Suche nach einem passenden Ehemann ungeahnt auf eine Begegnung mit dem Teufel ein. In Verbindung mit einem farbenfrohen Set- sowie Kostümdesign und 60er-Jahre Loungemusik entwirft der Film eine doppelbödige Kritik an Geschlechterrollen.

Mittwoch  27.07.2022

18:00 Uhr

VRAZDA ING. CERTA

The Murder of Mr Devil
CSSR 1970. R: Ester Krumbachová. D: Jirina Bohdalová, Vladimír Mensík, Ljuba Hermanová. 72 Min. DCP. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Ester Krumbachová

Im Laufe ihrer Karriere arbeitete Ester Krumbachová mit Regisseur:innen wie Zbynek Brynych, Jan Nemec, Jaromil Jireš, Otakar Vávra, Vera Chytilová oder Karel Kachyna zusammen. Sie prägte dabei maßgeblich die Ästhetik der tschechoslowakischen Nová Vlna. Ihren einzigen eigenen Langspielfilm VRAZDA ING. CERTA realisierte sie im Jahr 1970. In diesem fantastisch-komischen Kammerspiel lässt sich eine Frau auf der Suche nach einem passenden Ehemann ungeahnt auf eine Begegnung mit dem Teufel ein. In Verbindung mit einem farbenfrohen Set- sowie Kostümdesign und 60er-Jahre Loungemusik entwirft der Film eine doppelbödige Kritik an Geschlechterrollen.

Samstag  30.07.2022

18:00 Uhr

...A PÁTÝ JEZDEC JE STRACH

Der fünfte Reiter ist die Angst
CSSR 1965. R: Zbynek Brynych. D: Miroslav Machácek, Olga Scheinpflugová, Jirí Adamíra. 98 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Ester Krumbachová

Bei der Produktion von Zbynek Brynychs halluzinatorisch-abgründigen ...A PÁTÝ JEZDEC JE STRACH war Krumbachová neben der Mitarbeit am Drehbuch auch für das Kostümdesign zuständig. Der Film begleitet einen jüdischen Arzt in Prag, der nach der Okkupation durch die Nationalsozialisten mit einem Berufsverbot belegt wurde. Die Begegnung mit einem verwundeten Widerstandskämpfer bringt ihn schließlich in Gewissenskonflikte. ...A PÁTÝ JEZDEC JE STRACH bildet den Mittelteil einer düster-absurden Trilogie über die Zeit des Nationalsozialismus, zu der auch die Filme TRANSPORT Z RÁJE (Transport aus dem Paradies, 1963) und JÁ, SPRAVEDLNOST (Als Hitler den Krieg überlebte, 1968) zählen.

Donnerstag  03.11.2022

20:15 Uhr

LE FANTÔME DE LA LIBERTÉ

Das Gespenst der Freiheit
Frankreich/Italien 1974. R: Luis Buñuel. D:. 104 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Lecture am 3.11.: Verkehrt die Welt. Buñuels Phantom der Freiheit: Vinzenz Hediger
Filmreihe: Lecture & Film: Luis Buñuel

Buñuel treibt in diesem surrealistischen Episodenfilm seine Kritik am Bürgertum ins groteske Extrem. Ein Ehepaar sucht verzweifelt nach seiner kleinen, angeblich plötzlich aus der Schule verschwundenen Tochter, obwohl diese den Eltern versichert, sie sei nie weg gewesen und ja jetzt auch immer noch da. Buñuels bürgerliche Filmwelt ist ver-rückt: Man geht zusammen auf die Toilette, isst aber lieber in diskreter Abgeschiedenheit. . LE FANTÔME DE LA LIBERTÉ ist ein Frontalangriff auf das Bürgertum.

Vinzenz Hediger ist Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt und Ko-Sprecher des Exzellenzprojekts „ConTrust – Vertrauen und Konflikt im politischen Zusammenleben“.

Mittwoch  09.11.2022

18:00 Uhr

LE FANTÔME DE LA LIBERTÉ

Das Gespenst der Freiheit
Frankreich/Italien 1974. R: Luis Buñuel. D: Adriana Asti, Julien Bertheau, Jean-Claude Brialy, Michel Piccoli, Monica Vitti. 104 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Am 3.11. mit Lecture, am 9.11. nur Film
Filmreihe: Lecture & Film: Luis Buñuel

Buñuel treibt in diesem surrealistischen Episodenfilm seine Kritik am Bürgertum ins groteske Extrem. Ein Ehepaar sucht verzweifelt nach seiner kleinen, angeblich plötzlich aus der Schule verschwundenen Tochter, obwohl diese den Eltern versichert, sie sei nie weg gewesen und ja jetzt auch immer noch da. Buñuels bürgerliche Filmwelt ist ver-rückt: Man geht zusammen auf die Toilette, isst aber lieber in diskreter Abgeschiedenheit. LE FANTÔME DE LA LIBERTÉ ist ein Frontalangriff auf das Bürgertum.

Donnerstag  17.11.2022

20:15 Uhr

UN CHIEN ANDALOU/L’ÂGE D’OR

Ein andalusischer Hund
Frankreich 1929. R: Louis Buñuel. D: Pierre Batcheff, Simone Mareuil. 17 Min. 35mm
Original version
Das goldene Zeitalter
Frankreich 1930. R: Luis Buñuel. D: Gaston Modot, Lya Lys. 63 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Lecture: „Ich habe Sade geliebt“: Surreale Geschichten des Auges vom Marquis de Sade bis Luis Buñuel: Stefan Zweifel
Filmreihe: Lecture & Film Luis Buñuel

In UN CHIEN ANDALOU machte sich Regisseur Luis Buñuel daran, Träume des Künstlers Salvador Dalì in filmische Bilder umzusetzen. Der surrealistische Avantgardefilm zieht auch fast 100 Jahre nach seiner Entstehung mit seinen eigenwilligen Szenarien in den Bann. Der berühmte Schnitt durch das Auge mit der Rasierklinge wurde zur Ikone einer neuen Sehweise der Wel. L'AGE D'OR ist das zweite surrealistische Projekt von Buñuel und Dalí. Wieder hat der Film keinen klassischen Handlungsstrang, fordert in seiner radikalen Bildsprache allerdings Kirche, Staat und klassische Familienbilder heraus. Fetischisierung, Traumlogik und Schockästhetik durchziehen beide Filme.

Donnerstag  08.12.2022

20:00 Uhr

THE YOUNG ONE

Das junge Mädchen
Mexiko 1960. R: Luis Buñuel. D: Zachary Scott, Bernie Hamilton, Key Meersman. 95 Min. 35mm. engl. OmU
Original version with German subtitles
Lecture von Daniel Fairfax (nur am 8.12.): Buñuel in Amerika
Filmreihe: Lecture & Film: Luis Buñuel

Während Europa vom Faschismus überrannt wurde, verbrachte Luis Buñuel die Jahre 1938 bis 1945 im Exil in den USA. Trotz seiner Zusammenarbeit mit Iris Barry im Museum of Modern Art konnte er keinen Film in den USA realisieren. Erst 1960 bekam er die Gelegenheit, das Land mit THE YOUNG ONE (auch unter dem spanischen Titel LA JOVEN bekannt) kinematographisch zu behandeln. An der mexikanischen Produktion waren viele Betroffene der schwarzen Liste Hollywoods beteiligt, darunter Szenarist Hugo Butler, Produzent George Pepper und zahlreiche Schauspieler:innen. Trotzdem drehte Buñuel in Mexiko. Das Land, das wir auf dem Zelluloid sehen, ist nichts als eine sorgfältige Rekonstruktion. THE YOUNG ONE war neben seiner Adaption von Robinson Crusoe nur einer von zwei englischsprachigen Filmen unter Buñuels Regie.

Mit seiner Geschichte eines schwarzen Musikers, der auf einer Insel im Süden der USA in Konflikte um ein junges weißes Mädchen gerät, greift THE YOUNG ONE die rassistischen und sexistischen Strukturen des Jim Crow-Zeitalters mit enormer Direktheit an. Als Außenseiter blickt Buñuel auf eine fremde, in vielerlei Hinsicht widerwärtige aber umso faszinierendere Gesellschaft.

Daniel Fairfax spricht in seinem Vortrag über Buñuels Zeit im US-amerikanischen Exil und seinen Blick auf das Land in der mexikanischen Produktion. Fairfax ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt und Autor von The Red Years of Cahiers du Cinéma (1968-1973) (Amsterdam University Press, 2021, 2 Bände).

Samstag  10.12.2022

18:00 Uhr

THE YOUNG ONE

Das junge Mädchen
Mexiko 1960. R: Luis Buñuel. D: Zachary Scott, Bernie Hamilton, Key Meersman. 95 Min. 35mm. engl. OmU
Original version with German subtitles
Lecture von Daniel Fairfax (nur am 8.12.): Buñuel in Amerika
Filmreihe: Lecture & Film: Luis Buñuel

Während Europa vom Faschismus überrannt wurde, verbrachte Luis Buñuel die Jahre 1938 bis 1945 im Exil in den USA. Trotz seiner Zusammenarbeit mit Iris Barry im Museum of Modern Art konnte er keinen Film in den USA realisieren. Erst 1960 bekam er die Gelegenheit, das Land mit THE YOUNG ONE (auch unter dem spanischen Titel LA JOVEN bekannt) kinematographisch zu behandeln. An der mexikanischen Produktion waren viele Betroffene der schwarzen Liste Hollywoods beteiligt, darunter Szenarist Hugo Butler, Produzent George Pepper und zahlreiche Schauspieler:innen. Trotzdem drehte Buñuel in Mexiko. Das Land, das wir auf dem Zelluloid sehen, ist nichts als eine sorgfältige Rekonstruktion. THE YOUNG ONE war neben seiner Adaption von Robinson Crusoe nur einer von zwei englischsprachigen Filmen unter Buñuels Regie.

Mit seiner Geschichte eines schwarzen Musikers, der auf einer Insel im Süden der USA in Konflikte um ein junges weißes Mädchen gerät, greift THE YOUNG ONE die rassistischen und sexistischen Strukturen des Jim Crow-Zeitalters mit enormer Direktheit an. Als Außenseiter blickt Buñuel auf eine fremde, in vielerlei Hinsicht widerwärtige aber umso faszinierendere Gesellschaft.

Daniel Fairfax spricht in seinem Vortrag über Buñuels Zeit im US-amerikanischen Exil und seinen Blick auf das Land in der mexikanischen Produktion. Fairfax ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt und Autor von The Red Years of Cahiers du Cinéma (1968-1973) (Amsterdam University Press, 2021, 2 Bände).

Donnerstag  15.12.2022

20:00 Uhr

LA VOIE LACTÉE

Die Milchstraße Frankreich/BRD/Italien 1969. R: Luis Buñuel. D: Paul Frankeur, Michel Piccoli, Delphine Seyrig. 97 Min. 35mm. frz. OmeU
Original version with English subtitles
Lecture von Nicole Kandioler (nur am 15.12.): Thaumaturgische Pilger zwischen Gott und Maschine in La Voie lactée
Filmreihe: Lecture & Film: Luis Buñuel

Eine Trilogie über die Suche nach der Wahrheit nannte Luis Buñuel seine Filme LA VOIE LACTÉE (1969), LE CHARME DISCRET DE LA BOURGEOISIE (1972) und LE FANTÔME DE LA LIBERTÉ (1974). Wurde LA VOIE LACTÉE, ein surrealistischer Film über zwei Clochards, die auf dem Jakobsweg von Paris nach Santiago de Compostela eine moderne Pilgerreise unternehmen, von Kritik und Publikum eher verhalten aufgenommen, bezeichnet ihn der franzzösische Drehbuchautor und Schriftsteller Jean-Claude Carrière als den wichtigsten Film von Luis Buñuel.

In dem Vortrag von Nicole Kandioler sollen zwei Aspekte von Buñuels Schaffen diskutiert werden: die Verstrickungen von Religion und (cinematischer) Technologie sowie die Bildräume durchwandernde Opposition von Raum und Reise, Stillstand und Bewegung, Dokumentarismus und Surrealismus.

Nicole Kandioler ist Film- und Medienwissenschafterin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind (ost-)europäische Medienkultur, Gender Media Studies und dokumentarische Formen.

Mittwoch  28.12.2022

18:00 Uhr

LA VOIE LACTÉE

Die Milchstraße Frankreich/BRD/Italien 1969. R: Luis Buñuel. D: Paul Frankeur, Michel Piccoli, Delphine Seyrig. 97 Min. 35mm. frz. OmeU
Original version with English subtitles
Lecture von Nicole Kandioler (nur am 15.12.): Thaumaturgische Pilger zwischen Gott und Maschine in La Voie lactée
Filmreihe: Lecture & Film: Luis Buñuel

Eine Trilogie über die Suche nach der Wahrheit nannte Luis Buñuel seine Filme LA VOIE LACTÉE (1969), LE CHARME DISCRET DE LA BOURGEOISIE (1972) und LE FANTÔME DE LA LIBERTÉ (1974). Wurde LA VOIE LACTÉE, ein surrealistischer Film über zwei Clochards, die auf dem Jakobsweg von Paris nach Santiago de Compostela eine moderne Pilgerreise unternehmen, von Kritik und Publikum eher verhalten aufgenommen, bezeichnet ihn der franzzösische Drehbuchautor und Schriftsteller Jean-Claude Carrière als den wichtigsten Film von Luis Buñuel.

In dem Vortrag von Nicole Kandioler sollen zwei Aspekte von Buñuels Schaffen diskutiert werden: die Verstrickungen von Religion und (cinematischer) Technologie sowie die Bildräume durchwandernde Opposition von Raum und Reise, Stillstand und Bewegung, Dokumentarismus und Surrealismus.

Nicole Kandioler ist Film- und Medienwissenschafterin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind (ost-)europäische Medienkultur, Gender Media Studies und dokumentarische Formen.