IM TIEFENRAUSCH – FILM UNTER WASSER

Tiefenrausch: Taucherin

Ausstellung vom 1. Juli 2022 bis 8. Januar 2023

Geheimnisvolle Wracks und bezaubernde Meerjungfrauen, freundliche Delfine und weiße Riesenhaie, besessene Tiefseetaucher und tollkühne U-Boot-Kapitäne – schon früh hat der Film die fantastischen Welten und Wesen, die unter der Wasseroberfläche lauern, für sich entdeckt. Das Spannungsfeld zwischen Licht und Dunkelheit, Oberfläche und Tiefe, Leben und Tod, das Filmemacher:innen immer wieder ins Wasser abtauchen lässt, lotet die Ausstellung Im Tiefenrausch – Film unter Wasser anhand zahlreicher kunstvoll gestalteter Filmkompilationen aus. Im Fokus steht dabei die Ästhetik der Unterwasserbilder, ihr visueller und akustischer Reichtum. Der Ausstellungsraum verwandelt sich in ein blau schimmerndes Bewegtbild-Aquarium, das die zentralen Motive und Themen des Unterwasserfilms sinnlich erfahrbar macht. Ein ausdifferenziertes Zusammenspiel von Bewegtbild, Licht und Ton schafft einen audiovisuellen Erlebnisraum, der den Titel zum Programm macht: Die Besucher:innen werden in einen Rausch versetzt und halten den Atem an, wie die tauchenden Filmfiguren auf den sie umgebenden Leinwänden.

„Sie werden durch die Welt der Wunder reisen.
Sie werden aus Staunen und Verblüffung kaum mehr herauskommen.
[…] Sie werden schauen, was noch kein Mensch zuvor gesehen hat.“
Kapitän Nemo, in Jules Vernes 20.000 Meilen unter dem Meer

Von Beginn an hat der Film das Urelement Wasser für sich entdeckt. Einer der allerersten Filme überhaupt, ROUGH SEA AT DOVER (GB 1895, Regie: Birt Acres, Robert W. Paul), zeigt gewaltvoll an einem Pier brechende Wellen. Die Bewegung des Wassers wurde in bewegten Bildern festgehalten. Ein früher Beleg, dass sich der Film wohl besser als alle anderen Künste dazu eignet, die Kraft und Faszination des flüssigen Elements einzufangen. Mobilis in mobili – Beweglich im beweglichen Element: So lautet auch das Motto von Jules Vernes Romanfigur Kapitän Nemo, dessen Abenteuer in 20.000 Meilen unter den Meeren (1870) eine willkommene Vorlage für die Filmpioniere Anfang des 20. Jahrhunderts darstellten. Auf Georges Méliès trickreiche Adaption von 1907, in der die Unterwasserwelt noch als Pappkulisse im Studio entstanden war und durch ein Aquarium mit Fischen hindurch aufgenommen wurde, folgte 1916 mit 20,000 LEAGUES UNDER THE SEA (USA 1916, Regie: Stuart Paton) der erste Spielfilm, in dem ein speziell entwickeltes Kamerasystem von John Ernest Williamson echte Unterwasseraufnahmen präsentierte, und damit äußerst erfolgreich ein großes Publikum verzauberte.

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Seit diesen Anfängen hat das Wasser, vor allem das ästhetische Potenzial, das unter dessen Oberfläche schlummert – in Ozeanen, Flüssen und Seen, aber auch in Swimmingpools und Badewannen – unzählige Filmschaffende inspiriert und ist aus dem Kino nicht mehr wegzudenken: als audiovisuell beeindruckende Kulisse, als nie versiegende Quelle geheimnisvoller Mythen, als symbolisch aufgeladene Projektionsfläche der Protagonist:innen.

Während Dokumentarfilmer wie Hans Hass und Jacques-Yves Cousteau mit ihren Werken Meeresforschung und Aufnahmetechnik gleichermaßen bereicherten, schufen Hollywood-Regisseure wie Steven Spielberg und James Cameron sowie Animationsstudios wie Disney und Pixar spektakuläre Bildwelten mit weißen Riesenhaien, mysteriösen Wracks und verliebten Meerjungfrauen. Diese Bandbreite präsentiert die Ausstellung in mehreren Großprojektionen, unter anderem einer halbkreisförmigen Panorama-Filminstallation, sowie auf über 30 digitalen Leinwänden. Hinzu kommen eine eigens angefertigte Toninstallation der Filmemacherin Rana Eid, atmosphärische Wassersimulationen und kunstvoll beleuchtete Originalplakate aus dem DFF-Archiv. Das Ergebnis ist ein audiovisuell überbordendes Raumerlebnis, bei dem die Besucher:innen in fantastische, unheimliche und atemberaubend schöne Welten förmlich abtauchen.

Thematisch wird dabei ein großer Bogen geschlagen: U-Boote bekriegen sich, während Wassernixen verführen. Autos stürzen in Gewässer und halten die Insassen gefangen. Parallel dazu bergen gierige Abenteurer Schätze aus geheimnisvollen Wracks. Riesige Tintenfische und außerirdische Raumschiffe tauchen bedrohlich aus der Tiefe, begleitet von Geistern, die Verdrängtes zurück an die Oberfläche bringen. Mensch und Meerestier retten und jagen einander, versuchen zu kommunizieren oder gehen auf Konfrontationskurs. Spektakuläre Tauchaktionen weichen leisen Momenten der Selbstreflexion und Kontemplation, oft in Zeitlupe gefilmt, wie auch die vielen Unterwasserküsse von Verliebten: die Zeit scheint unter Wasser stillzustehen, die Außenwelt wird abgeschirmt.

Während in der Ausstellung selbst die sinnliche Erfahrung im Vordergrund steht, wird das Begleitprogramm mit Führungen, Workshops, Filmreihen, Vorträgen und Diskussionsrunden eine thematische Vertiefung und Ergänzung ermöglichen und den Film unter Wasser auch unter (film)technischen, (natur)wissenschaftlichen, (kunst)historischen und ökologischen Gesichtspunkten betrachten.

Ein zentraler Kooperationspartner für diese interdisziplinären Diskurse ist die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Mit ihrem wissenschaftlichen Team wird in Kinogesprächen unter anderem erörtert, wie Filme zur öffentlichen (negativen) Wahrnehmung einzelner Meerestiere beitragen – sind Haie wirklich so gefährlich, wie sie in JAWS (Der weiße Hai, USA 1975) dargestellt werden? –, inwiefern die Kommunikation zwischen Menschen und Meerestieren im Film, von FLIPPER (USA 1963) bis FREE WILLY (USA 1993), der Realität entspricht, oder welche Kuriositäten die Evolution am tiefsten Meeresgrund hervorgebracht hat und ob diese wirklich so „außerirdisch“ anmuten, wie es Science-Fiction- und Horrorfilme seit der CREATURE FROM THE BLACK LAGOON (Der Schrecken vom Amazonas, USA 1954) vermitteln.

Neben dem Austausch über biologische Themen und der Diskussion aktueller ökologischer Problemfelder wie Klimawandel, Artensterben und die Zerstörung maritimer Lebenswelten wird auch der Dialog mit Kunsthistoriker:innen gesucht. Dafür kooperiert das DFF mit dem Museum Wiesbaden, das zeitgleich eine Kunstausstellung über Wasser im Jugendstil zeigt. Das Ziel ist ein fachübergreifender Blick auf die zahlreichen Mythen, die sich um das Wasser ranken, insbesondere die verschiedenen Varianten der „Wassergeister“ und „Wasserfrauen“, von Meerjungfrauen über Sirenen bis hin zur UNDINE (DE 2020).

Geplant ist zudem eine Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt, deren Studierende für die musikalische Live-Untermalung eines Unterwasser-Stummfilms sorgen werden. Töne stehen auch im Zentrum einer Sonderveranstaltung zum Sound Design von Unterwasserszenen. Als Gast ist die libanesische Filmemacherin Rana Eid eingeladen, die für die Ausstellung eine besondere Toninstallation anfertigt.

Darüber hinaus findet vom 6. bis 13. Oktober im DFF das Filmfestival LUCAS – Internationales Festival für junge Filmfans statt und wird in seinem Programm ebenfalls auf den Tiefenrausch Bezug nehmen: Unter anderem wird sich eine Schulklasse umfassend mit einem Unterwasserfilmklassiker auseinandersetzen und diesen im Kino vorstellen, und eine Kurzfilmrolle wird Unterwasserfilmhighlights aus den vergangenen Festivaljahren präsentieren.

Weitere Kinoveranstaltungen sowie Führungen und Workshopformate für unterschiedliche Altersgruppen sind in Planung. Viele davon werden in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner Senckenberg Naturmuseum entwickelt. Mehr Informationen und einen Veranstaltungskalender finden Sie hier in Kürze.

Öffnungszeiten

Im Tiefenrausch ist vom 01.07.2022 bis 08.01.2023 im DFF zu sehen

Mo: Geschlossen
Di – So 10:00-18:00 Uhr

Tickets & Preise

Im Tiefenrausch: 9 / 6* Euro
Dauerausstellung DFF: 6 / 3* Euro
Familienticket für bis zu 2 Erwachsene und 2 Kinder (über 6 Jahre): 24 Euro, jedes weitere Kind: 2 Euro

Barrierefreiheit: Das DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum ist für bewegungseingeschränkte Besucher:innen sowie für Gäste mit Kinderwagen über einen Fahrstuhl am rechten Seiteneingang des Museums zugänglich. Durch Aufzüge im Foyer sind alle Ausstellungsetagen (1.-3. OG), das Kino im Untergeschoss sowie die Filmwerkstatt und Workshopräume im 4. OG barrierefrei zugänglich. Eine separate Behindertentoilette findet sich im Sockelgeschoss. Das Haus stellt einen Leihrollstuhl zur Verfügung.

*Ermäßigungen erhalten: Schüler:innen, Studierende, Arbeitslose. Die Ermäßigung gilt nicht für Studierende der Universität des 3. Lebensalters U3L. KUFTI-Inhaber:innen, Kinder unter 6 Jahren und Geburtstagskinder jeden Alters erhalten freien Eintritt in die Ausstellungen.

Kuratorium / Projektsteuerung / Medienproduktion / Schnitt: Michael Kinzer

Kuratorische Assistenz: Jean-Noël Lenhard, Sarah Touihrat, Paul Skupin

Unterstützung: Stefanie Plappert, Daria Berten

Kooperation Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung: Thorolf Müller

Kooperation Active Image: Henning Lohner

Szenografie: Tonia Bürkle / blaugrau

Bauten: Adriano Renzullo / artevilla

Medientechnik: satis&fy, Karben

Grafikgestaltung: Anke Meenenga / hausgrafik

Grafikproduktion: plot.com, Erlensee

Medienaufbereitung: Christian Appelt

Vermittlung: Daniela Dietrich (Leitung Museumspädagogik DFF), Lena Sistig (Senckenberg Museum)

Kinoabteilung: Natascha Gikas (Leitung), Andreas Beilharz

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Frauke Haß (Leitung), Marie Brüggemann

Website und Inhalte für Mobilgeräte: Jürgen Kindlmann

Archive: Isabelle Louise Bastian, Simon Lames, André Mieles

Registratur: Tim Heptner

Controlling: Birgit Wickenhäuser

IT: Moritz Beyer (Leitung), Thomas Schumann, Apostolos Pouziaras

Dank an: Susanne Becker, Helen Kahsai, Ismail Merzak, Claus Wiedemann, Team Kasse und Aufsicht, sowie alle Kolleg:innen des DFF

In Zusammenarbeit mit:

Die Ausstellung und das Begleitprogramm konnten realisiert werden dank:

Medienpartner:

Die Ausstellungseröffnung wird großzügig unterstützt von: