Das Artur-Brauner-Archiv

Von Uschi Rühle (Sammlungen, DFF)

Der 2019 gestorbene Filmproduzent Artur Brauner, Inhaber der CCC-Studios in Berlin-Spandau, hatte dem DFF 1989 das Archiv seiner seit 1946 bestehenden Produktionsfirma zur wissenschaftlichen Auswertung übergeben.

Es umfasst zu den meisten der mehr als 250 für das Kino und später auch das Fernsehen produzierten CCC-Filme unter anderem folgende Materialien:

  • 4000 Aktenordner mit Produktionsunterlagen; hierzu gehören etwa Verträge, Kalkulationen, Korrespondenz (Briefwechsel mit Verleihern, Regisseuren, Stars) und allgemeine Geschäftspapiere
  • Werbematerial und Zeitungsausschnitte; Noten zu Filmmusiken
  • umfangreiche filmdramaturgische Sammlungen mit verschiedenen Drehbuchfassungen, Exposés, Treatments und Dialoglisten
  • Werk, Stand- und Starfotografien sowie Plakate
  • Kostüme, Requisiten und technische Geräte aus den Ateliers

Mit seinen Primärmaterialien bietet das Archiv eine einmalige Quelle für die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Nachkriegsfilm der Bundesrepublik Deutschland. Hier lassen sich Produktionsalltag, Verleihpraxis und zeitgenössisches Rezeptionsverhalten recherchieren, oder auch die Einflussmöglichkeiten der Filmstars ablesen. Betriebsinterne Korrespondenz, etwa mit dem Betriebsrat, gibt Einblick in die Firmenstruktur der CCC, die zu den größten und wichtigsten deutschen Produktionsfirmen der Nachkriegszeit zählt.

Die meisten der deutschen Filmstars der 1950er, 1960er und 1970er wurden von der CCC engagiert. Es gibt Akten, Fotografien und Autographen von Schauspieler:innen wie Heinz Rühmann, Maria Schell, O.W. Fischer, Cornelia Froboess, Peter Alexander, Caterina Valente, Gert Fröbe, Klaus Kinski, Curd Jürgens oder Romy Schneider. Außerdem finden sich Dokumente zu kommerziell erfolgreichen Regisseuren wie Paul May oder Harald Reinl sowie zu international renommierten Regisseuren wie Robert Siodmak und Fritz Lang, die aus der Emigration zurückgekehrt waren.

Im September 2021 feierte die CCC Filmkunst ihr 75-jähriges Bestehen. Keine andere heute noch bestehende Filmproduktion kann auf eine derart lange Firmengeschichte zurückblicken. So finden sich im Artur-Brauner-Archiv natürlich auch Materialien zu Filmen der jüngeren deutschen Filmgeschichte.

Wichtig für die Archivarbeit war und ist der stets enge Austausch des DFF mit der CCC, zunächst mit Artur Brauner selbst, später mit seiner Tochter Alice Brauner, die 2006 federführend in das Unternehmen eingestiegen war, später die Leitung der CCC Television GmbH übernahm und die CCC Cinema und Television GmbH, Niederlassung München, gründete. Zunächst an der Seite ihres Vaters, dann eigenverantwortlich entwickelt sie seitdem als Produzentin Filmprojekte und schreibt mit auf Festivals ausgezeichneten Produktionen wie CRESCENDO #makemusicnotwar (2019) oder AUF DAS LEBEN! (2014) die Firmengeschichte erfolgreich fort. Zugleich beschreitet sie mit der Produktion von Web-Serien neue Wege. Wie ihr Vater setzt Alice Brauner in ihren Filmen sowohl auf jüdische wie auf nicht-jüdische Themen. Dabei blickt sie auch auf den gegenwärtigen Stand deutsch-jüdischer Beziehungen.

Zuletzt als Gast im DFF war Alice Brauner bei einem Besuch im kurz zuvor eröffneten Archiv- und Studienzentrum  2019.

2021 veröffentlichte der S. Fischer Verlag ihr Buch „‚Also dann in Berlin…‘ – Artur und Maria Brauner – Eine Geschichte vom Überleben, von großem Kino und der Macht der Liebe“, das das Leben ihrer Eltern nacherzählt und als jüdische Familiengeschichte den Bogen von der Kindheit in Polen über die Wirren des Krieges und den Neuanfang ausgerechnet in Deutschland bis hin zur jüngeren Vergangenheit spannt. Eine weitere aktuelle Publikation anlässlich des 75-jährigen Firmenjubiläums ist der Werkkatalog „CCC Filme in aller Welt“.

Die virtuelle Ausstellung „100 Jahre Artur Brauner – Eine Würdigung in Filmplakaten“ finden Sie hier 

Dreharbeiten für DIE RATTEN (BRD 1955, R: Robert Siodmak) mit Maria Schell
Caterina Valente beim Dreh von HIER BIN ICH - HIER BLEIB ICH (BRD 1958/59)
Caterina Valente beim Dreh von HIER BIN ICH - HIER BLEIB ICH (BRD 1958/59)