Georgien: In Büchern, in Filmen, in echt.

Am Flughafen von Kutaissi, Georgien, ist der Flieger aus Berlin-Schönefeld gelandet. Der Runway liegt im satten Grün zwischen zwei Bergzügen, die Luft ist klar, vom Terminal sieht man die Wolken an den Hängen des großen Kaukasus. Bei der Gepäckausgabe lassen sich zwei Gruppen ausmachen: die einen, die in Goretex und Wanderschuhen gekommen sind und nun auf ihre Rucksäcke warten, und die anderen, die wohl gekommen sind, um Verwandte zu besuchen. Sie schleppen bunte große Koffer weg. Ein Viertel der Georgier/innen lebt gar nicht in Georgien, sondern über die Welt verteilt. Und obwohl das Land große Fortschritte gemacht hat, ist es wirtschaftlich und politisch kompliziert, eingekeilt zwischen den Regionalmächten Russland und Türkei, um die Ecke der Iran. Genau dieser Lage zwischen Europa und Asien, Bergen und Meer, zwischen Kargheit und subtropischer Fülle, macht Georgien aber gleichzeitig landschaftlich so reizvoll – und das alles auf einer Fläche der Größe von Bayern.

Wer alles sehen will, kommt allerdings nicht umhin, sich in eine der unzähligen Marschrutkas zu zwängen, private Minibusse, wie es sie überall im postsowjetischen Raum gibt, die aufgrund des kaum vorhandenen Schienennetzes den Personentransport übernehmen und bis in die entlegensten Bergtäler fahren. Das Land ist aber auch abseits von kleinem und großen Kaukasus unvergleichlich abwechslungsreich und spannend, denn in sich schnell entwickelnden Städten wie Batumi und Tbilisi mischen sich Reisende aus den gegensätzlichsten Regionen der Welt, treffen Urlauber/innen aus dem Iran auf Israelis, Gäste aus Russland auf Gäste aus der Ukraine  – das georgische Essen schmeckt allen gleich gut. Die funktionalen Goretex-Jacken sieht man hier nur noch sporadisch, da sie längst auf den Wanderwegen in den Bergen unterwegs sind. Zum Glück, denn bekanntlich tut nichts der Erholung besser als nicht auch im Urlaub noch ständig auf Landsleute zu treffen…

Wer sich selbst ein Bild von Leben und Geschichte auf dem „Balkon Europas“ machen möchte, der kann sich über die aktuelle georgische Filmreihe im Kino des Deutschen Filmmuseums freuen, die nicht nur während der Buchmesse sondern noch den ganzen Oktober läuft. Ganz bequem im Kinosessel, statt von der Rückbank der Marschrutka.

Von Jan Philipp Richter

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