Klassiker & Raritäten: Das vergessene Albanien

Albaniens Kinematographie ist international ebenso wenig bekannt wie seine geographische Lage. Als Spielball kriegführender Mächte wechselte das Land von einer Besatzung zur nächsten. Nach der Befreiung von der Fremdherrschaft der Nazis 1944 errichtete Enver Hoxha eine Diktatur, die fast ein halbes Jahrhundert andauerte.

Während sich die Grenzen nach und nach schlossen und das Land sich weitgehend isolierte, entstanden von 1947 an mit Hilfe der Sowjetunion die ersten Filmproduktionen. 1952 wurde das von den Russen gebaute Kinostudio (Kinostudioja Shqipëria e Re) eröffnet, und das Filmland Albanien erwachte. Zahlreiche Filmemacher/innen wurden auf osteuropäische Universitäten geschickt, wo sie insbesondere technische Berufe lernten, etwa Kamera und Schnitt. In ihre Heimat zurückgekehrt, führten sie Regie.

Als sich Albaniens Grenzen 1991 öffnen und die westliche Kultur und Wirtschaft mit einem Schlag Einzug halten, zieht ein Großteil der Bevölkerung ins Ausland. Die verbleibenden Regisseur/innen beginnen nach der Wende, Themen aufzugreifen oder Stilmittel zu benutzen, die vorher tabu waren. Es entstehen kritische Animations- und Spielfilme, die die Politik Hoxhas und somit die jüngere Vergangenheit des Landes hinterfragen. Das Kino entwächst seiner Aufgabe als Propagandamittel im Dienst der Regierung und wird zu einem so persönlichen wie künstlerischen Ausdrucksmittel.

Mit Dank an Iris Elezi, Thomas Logoreci und das Team von AQSHF.

Filmstill Toka jonë

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Dienstag  11.02.2020

20:30 Uhr

TOKA JONË

Our Land. Albanien 1964. R: Hysen Hakani. D: Marie Logoreci, Mario Ashiku, Loro Kovaçi. 73 Min. 35mm. OmeU
Vorfilm: Albanien 1940
Italien. 14 Min. 35mm. DF
Einführung zur Reihe: Louise Burkart (Kuratorin)
Filmreihe: Klassiker & Raritäten: Das vergessene Albanien

Vor 1947 wurde Albanien nur aus der Außenperspektive, als exotisches Land, porträtiert. Der Vorfilm aus dem Zweiten Weltkrieg bietet dafür ein Beispiel. TOKA JONË ist die erste von der Sowjetunion unabhängige Produktion. Der spätere Regisseur Dhimiter Anagnosti – hier an der Kamera – zeigt Landarbeiter im Kampf gegen Großgrundbesitzer. Während sich auf der Leinwand eine optimistische Geschichte entspinnt, enteignete Hoxha ebendiese Landarbeiter, um ihre hart erkämpften Grundstücke zu kollektivieren.

Donnerstag  13.02.2020

18:00 Uhr

KAPEDANI

The Captain. Albanien 1972. R: Muharrem Fejzo, Fehmi Hoshafi. D: Albert Vërria, Nicolin Xhoja, Flora Mërtiti. 95 Min. 35 mm. OmeU
Vorfilm: NE FESTIVALIN E 11 TE KENGES
The 11th Song Contest. Albanien 1973. R: Donika Muci. D: Justina Aliaj, Tonin Tërshana, Vaçe Zela. 11 Min. 35 mm. OmeU
Einführung: Louise Burkart
Filmreihe: Klassiker & Raritäten: Das vergessene Albanien

Zwischen 1968 und 1973 lag für kurze Zeit ein Hauch von Freiheit über dem Land. KAPEDANI, eine der wenigen albanischen Komödien, erzählt von einem in die Jahre gekommenen Ex-Partisanen, der bei einer Reise in die Hauptstadt gar nicht weiß, wie ihm geschieht. Besonders der Fortschritt, den die Frauen erreicht haben, ist ihm unbegreiflich. Freiheit wird auch im Vorfilm spürbar – nach dessen Dreharbeiten jedoch der Dirigent hingerichtet und fast alle Musiker/innen festgenommen wurden.

Freitag  14.02.2020

20:30 Uhr

LUMI GE NUK SHTERON / NUSIA DHE SHTETRRETHIMI

The River That Never Dies
Albanien 1989. R: Fatmir Koci. D: Suela Konjari, Gjergji Lala, Sofia Meçi. 41 Min. 35 mm. OmeU
The Bride and the Curfew
Albanien 1978. R: Kristaq Mitro, Ibrahim Muçaj. D: Rajmonda Bullku, Llazi Sërbo, Thimi Filipi. 52 Min. 35 mm. OmeU
Einführung: Louise Burkart
Filmreihe: Klassiker & Raritäten: Das vergessene Albanien

Zwei Partisan/innenfilme über den Kampf gegen den Faschismus – ein beliebtes Thema von „Kinostudio“. Fatmir Koçi schildert in einer hypnotischen und an Tarkovskij erinnernden Atmosphäre Chaos und Zerstörung des Kriegs. Der zweite Film ist das wohl beste Werk des Duos Ibrahim Muçaj und Kristaq Mitro. In einer minimalistischen Inszenierung, deren Stil umgehend verboten wurde, zeigen sie die Verkleidung einer Partisanin als Braut, um den deutschen Soldaten zu entkommen.

Dienstag  18.02.2020

20:30 Uhr

GJENERAL GRAMAFONI

The General Gramaphone. Albanien 1978. R: Viktor Gjika. D: Bujar Lako, Gulielm Radoja, Kadri Roshi. 104 Min. 35mm. OmeU
Filmreihe: Klassiker & Raritäten: Das vergessene Albanien

Viktor Gjika, einer der berühmtesten Regisseure Albaniens, entfacht ein Duell der Musikrichtungen: der Tango der Besatzungsmächte gegen die albanische Volksmusik. Ende der 1930er Jahre wird ein virtuoser Klarinettist zum Widerstandssymbol für alle Albaner/innen, während die Italiener/innen versuchen, deren Kultur zu unterdrücken. Der Film nimmt Bezug auf die albanische Kulturpolitik: Enver Hoxha wünschte sich für Albanien das Gegenteil der Kulturrevolution Chinas – eine Stärkung der traditionellen Kulturen und Künste.

Donnerstag  20.02.2020

18:00 Uhr

KOLONEL BUNKER

Colonel Bunker. Albanien/Polen/Frankreich 1996. R: Kujtim Çashku. D: Agim Qirjaqi, Anna Nehrebecka, Teresa Lipowska. 103 Min. 35 mm. OmeU
NEU: Vorfilm: GJERA QE NUK NDRYSHOJNE
Things That Do Not Change. Albanien 1993. R: Stefan Taçi. 4 Min. 35mm. kein Dialog

Einführung: Louise Burkart
Filmreihe: Klassiker & Raritäten: Das vergessene Albanien

1974 erteilt der albanische Diktator Hoxha den Befehl, das ganze Land zu „bunkerisieren“: Jede Person soll einen eigenen Bunker haben – etwa 750.000 entstanden insgesamt. Kolonel Muro Neto hat die Aufsicht über diese Aktion. Der linientreue Apparatschik und „oberste Verteidiger der Nation“ droht ob seiner wachsenden Paranoia allerdings, an dieser monströsen Aufgabe zu zerbrechen. Ein Schlüsselfilm aus Albanien, der sich nach dem Ende der Diktatur schonungslos mit der eigenen Vergangenheit auseinandersetzt.

Dienstag  25.02.2020

20:30 Uhr

NGADHNJIM MBI VDEKJEN

Victory Over Death. Albanien 1967. R: Gëzim Erebara, Piro Milkani. D: Eglantina Kume, Edi Luarasi, Naim Frashëri. 90 Min. 35 mm. OmeU
NEU: Vorfilm: ZERI I GJAKUT ZERI I TOKES
Voice Of The Blood, Voice Of The Land. Albanien 1985. R: Artur Dauti/Boris Ikonomi. 12 Min. 35mm. OmeU
Filmreihe: Klassiker & Raritäten: Das vergessene Albanien

Zwei junge Widerstandskämpferinnen geraten während des Zweiten Weltkriegs in die Fänge eines SS-Offiziers. Man stellt sie vor die Wahl: Entweder verraten sie ihre Kameraden und kommen frei oder sie werden hingerichtet. Während ihrer Haft erinnern sie sich an bessere Zeiten. Der auf einem realen Fall basierende Film war nicht nur in Albanien außerordentlich erfolgreich und wurde von nahezu zwei Dritteln der Bevölkerung im Kino gesehen. Auch in China fand er – vor der Kulturrevolution – ein Millionenpublikum.

Donnerstag  27.02.2020

18:00 Uhr

TOMKA DHE SHOKET E TIJ

Tomka and His Friends. Albanien 1977. R: Xhanfize Keko. D: Zehrudin Dokle, Enea Zhegu, Herion Mustafaraj. 77 Min. DCP. OmeU
Filmreihe: Klassiker & Raritäten: Das vergessene Albanien

Albanien während des Zweiten Weltkriegs: Weil die Nazis ihren Fußballplatz in ein Militärlager umbauen wollen, organisiert sich eine Gruppe Jungen zu Spionage- und Sabotageakten. Kameramann Faruk Basha fängt in TOMKA, dem bekanntesten Film von Xhanfize Keko und ein Klassiker des albanischen Kinos, bestechende Bilder der kaum berührten Landschaft und Architektur von und um Berat, der „Stadt der tausend Fenster“, ein.

Freitag  28.02.2020

20:30 Uhr

TOMKA DHE SHOKET E TIJ

Tomka and His Friends. Albanien 1977. R: Xhanfize Keko. D: Zehrudin Dokle, Enea Zhegu, Herion Mustafaraj. 77 Min. DCP. OmeU
Filmreihe: Klassiker & Raritäten: Das vergessene Albanien

Albanien während des Zweiten Weltkriegs: Weil die Nazis ihren Fußballplatz in ein Militärlager umbauen wollen, organisiert sich eine Gruppe Jungen zu Spionage- und Sabotageakten. Kameramann Faruk Basha fängt in TOMKA, dem bekanntesten Film von Xhanfize Keko und ein Klassiker des albanischen Kinos, bestechende Bilder der kaum berührten Landschaft und Architektur von und um Berat, der „Stadt der tausend Fenster“, ein.

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