Alles Propaganda?

Vom Umgang mit Ideologie im Unterhaltungsfilm der NS-Zeit

Viele Filme aus der Zeit des NS wurden nach 1945 nicht unter Verdacht gestellt, nationalsozialistische Werte und Ideologien zu propagieren. Sie erlebten eine breite Rezeption in der Bundesrepublik, teilweise in FSK-bereinigten Fassungen. Das Kino des DFF stellt in seiner Filmreihe die Frage, wie sich der Blick auf diese Produktionen über die Jahrzehnte verändert hat. Wissenschaftliche Einführungen begleiten die Vorstellungen und geben Aufschluss über den gegenwärtigen Umgang mit der Ideologie im Unterhaltungsfilm der NS-Zeit.

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Dienstag  03.05.2022

18:00 Uhr

DER MUSTERGATTE

Deutschland 1937. R: Wolfgang Liebeneiner. D: Heinz Rühmann, Leny Marenbach, Hans Söhnker. 96 min. 35mm
Einführung und anschließendes Gespräch: Lucas Curstädt, Universität Bonn
Filmreihe: Alles Propaganda?

Im Berufs- wie im Privatleben hält sich der Bankier William Bartlett peinlich genau an vorgegebene Regeln. Nach zwei Jahren Ehe findet ihn seine Frau aber stinklangweilig. Als sie mit Scheidung droht, muss sich Bartlett etwas einfallen lassen. DER MUSTERGATTE beruht auf einem englischen Boulevardstück; schon 1927 hatte Heinz Rühmann die Hauptrolle in München im Theater gespielt - und später noch mehrfach in anderen Städten auf der Bühne. So lag es nahe, dass das Stück auch für den Film adaptiert wurde, wobei Rühmann selber am Drehbuch mitschrieb. Bei den Filmfestspielen in Venedig bekam er für seine Leistung den Darstellerpreis.

Dienstag  10.05.2022

18:00 Uhr

URLAUB AUF EHRENWORT

Deutschland 1938. R: Karl Ritter. D: Ingeborg Theek, Rolf Moebius, Fritz Kampers. 87 Min. DCP
Einführung und anschließendes Gespräch: Dr. Daniela Kalscheuer, Katholische Akademie Rabanus Maurus, Frankfurt am Main
Filmreihe: Alles Propaganda?

Ein Herbsttag im Jahre 1918, gegen Ende des Ersten Weltkriegs. Als ein Anschlusszug in Berlin, der Truppen an die Westfront bringen soll, sich verspätet, bekommen die Soldaten einen Extraurlaub für diesen Tag auf ihr Ehrenwort hin, rechtzeitig zurückzukehren. Der Film zeigt dann jeweils die Erlebnisse verschiedener Soldaten, vor allem einiger, die in Berlin beheimatet sind. Obwohl sie aus verschiedenen Gesellschaftsschichten stammen, eint sie alle – den Straßenbahnfahrer ebenso wie den Komponisten und den Intellektuellen – ihre Opferbereitschaft und ihr Wille, Persönliches für die Kriegsanstrengung zurückzustellen.

Dienstag  17.05.2022

18:00 Uhr

WUNSCHKONZERT

Deutschland 1940. R: Eduard von Borsody. D: Ilse Werner, Carl Raddatz, Joachim Brennecke, Ida Wüst. 101 Min. DCP
Einführung und anschließendes Gespräch: Alphons Maria Arns, Historiker und Publizist, Frankfurt am Main
Filmreihe: Alles Propaganda?

Zur Zeit der Entstehung dieses Films war das Wunschkonzert, welches jeden Sonntagnachmittag stattfand, Deutschlands populärste Radiosendung. Ein wesentlicher Grund dafür war die so hergestellte Verbindung zwischen den Frontsoldaten und den Angehörigen in der Heimat. Die Handlung des Films beginnt während der Olympiade 1936, als sich ein Fliegerleutnant und eine junge Frau ineinander verlieben. Durch die Kriegsereignisse werden sie getrennt, aber durch das Wunschkonzert finden sie wieder zusammen. WUNSCHKONZERT zieht alle Register sowohl der Komik als auch der Rührung und brachte es so zu einen der erfolgreichsten deutschen Filme der Kriegszeit.

Dienstag  24.05.2022

18:00 Uhr

AUF WIEDERSEHN, FRANZISKA

Deutschland 1941. R: Helmut Käutner. D: Marianne Hoppe, Hans Söhnker, Hermann Speelmans. 100 Min. DCP
Einführung und anschließendes Gespräch: Dr. Annika Haupts, Deutsche Kinemathek Berlin
Filmreihe: Alles Propaganda?

Michael, ein Reporter und Wochenschaukameramann, lernt eine junge Frau, Franziska, kennen. Die beiden werden ein Paar, über die Jahre aber immer wieder getrennt durch die Aufträge, die Michael in alle Welt führen. Michael ist weltoffen und extrovertiert, Franziska dagegen neigt zu Depressionen, verstärkt durch die langen Abwesenheiten Michaels. AUF WIEDERSEHEN, FRANZISKA – ist fraglos einer von Helmut Käutners besten Filmen. Er sollte die auf ihre Männer wartenden Frauen im Krieg trösten, aber durch die subtile Regie und die melancholische Grundstimmung schlägt der Film ins Gegenteil um – jedenfalls bis zum angehängten Schluss.

Dienstag  31.05.2022

18:00 Uhr

DIE GROSSE LIEBE

Deutschland 1942. R: Rolf Hansen. D: Zarah Leander, Viktor Staal, Paul Hörbiger, Grethe Weiser. 99 Min. DCP
Einführung und anschließendes Gespräch: Dr. Johannes Wende, Hochschule für Fernsehen und Film, München
Filmreihe: Alles Propaganda?

DIE GROSSE LIEBE gilt allgemein als der größte kommerzielle Erfolg des deutschen Films während der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Handlungskonstellation von WUNSCHKONZERT wieder aufnehmend, geht es um die Liebe zwischen einem Piloten der Luftwaffe und einer Revuesängerin, wobei der Krieg ihre Beziehung ständig unterbricht. Wenn auch in großen Teilen ein Revuefilm, zeichnet DIE GROSSE LIEBE gleichwohl ein erstaunlich realistisches Bild der Kriegsverhältnisse, jedenfalls gemessen am Umfeld der weitgehend eskapistischen NS-Spielfilmproduktion.