Katastrophe

Filmreihe zur Sonderausstellung

Begleitend zur Sonderausstellung KATASTROPHE. Was kommt nach dem Ende? zeigt das Kino des DFF eine Auswahl an Katastrophenfilmen auf der großen Leinwand. Jeden Monat gibt es dabei einen besonderen Schwerpunkt. Im September liegt der Schwerpunkt auf dem Thema der atomaren Bedrohung. Im Herbst folgen Schwerpunkte zum Regisseur Werner Herzog mit Filmen wie LEKTIONEN IN FINSTERNIS oder THE WILD BLUE YONDER sowie zum Tierhorror, bei dem sich die Natur gegen menschliche Eingriffe in Ökosysteme zur Wehr setzt.

Zur Zeit des Kalten Krieges war die größte vorstellbare Katastrophe ein Atomkrieg mit dem Potenzial, menschliches Leben auf der Erde zu vernichten. Mit der atomaren Bedrohung beschäftigen sich die Filme der Katastrophen-Reihe in diesem Monat. Ein häufiger verwendetes Erzählmuster war es, das Schicksal einer Gruppe von Überlebenden einer atomaren Katastrophe zu schildern. Zu diesem Genre gehören THE WORLD THE FLESH AND THE DEVIL, PANIC IN YEAR ZERO!, MALEVIL und PIS’MA MËRTVOGO ČELOVEKA (Briefe eines Toten). Einen Sonderfall stellt dabei der Anime HOTARU NO HAKA (Die letzten Glühwürmchen) dar, der in der Endphase des Zweiten Weltkriegs spielt. THE WAR GAME führt die Folgen eines (fiktiven) nuklearen Angriffs auf Großbritannien im Cinéma-Vérité-Stil drastisch vor Augen. Zwei Dokumentarfilme warnen vor der drohenden Gefahr eines Atomkriegs: WÄHLE DAS LEBEN und VERBRENNT NICHT UNSERE ERDE, beide unter Bezugnahme auf Hiroshima. THE ATOMIC CAFE ist eine satirische Montage von offiziellen US-Propagandafilmen der 1950er Jahre. PRIPYAT schließlich dokumentiert das Leben in Pripyat, einer Stadt fünf Kilometer von Tschernobyl entfernt, nach dem Super-GAU.

Bitte beachten Sie folgende Hinweise:

Freitag  10.09.2021

18:00 Uhr

THE WORLD, THE FLESH AND THE DEVIL

Die Welt, das Fleisch und der Teufel
USA 1959. R: Ranald MacDougall. D: Harry Belafonte, Inger Stevens, Mel Ferrer. 95 Min. 35mm. OmfU
Filmreihe: Katastrophe

THE WORLD, THE FLESH AND THE DEVIL variiert das mittlerweile wohlbekannte, seinerzeit aber recht neuartige Erzählmuster, dass nur eine kleine Gruppe von Menschen einen Atomkrieg überlebt hat. In diesem Fall sind es ein Schwarzer Arbeiter, eine junge Weiße Frau und ein ebenfalls Weißer zwielichtiger Abenteurer, welche in einem sonst menschenleeren Manhattan aufeinandertreffen. Der Film ist klar als Parabel auf die Rassenkonflikte der 1950er Jahre in den USA angelegt und kulminiert in einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern. Besonders beeindruckend ist auch, wie die verlassenen Straßen und Hochhäuser in Szene gesetzt sind.

Samstag  11.09.2021

20:30 Uhr

PANIC IN YEAR ZERO!

Panik im Jahre Null
USA 1962. R: Ray Milland. D: Ray Milland, Jean Hagen, Frankie Avalon. 93 Min. 35mm. OmfU
Filmreihe: Katastrophe

Harry Baldwin hat sich geistig gut auf die große Katastrophe vorbereitet. Nach einem Atomschlag auf Los Angeles macht er sich mit seiner Familie – Frau, Sohn und Tochter – auf in die Berge und beginnt als „Survivalist“ einen gnadenlosen Kampf gegen alle Mitüberlebenden, die ihm in die Quere kommen.
PANIC IN YEAR ZERO! zeigt eine Welt, in der sehr schnell die zivilisatorische Ordnung zusammenbricht, alle Vorstellungen von Humanität über Bord geworfen werden und ein Überlebenskampf aller gegen alle beginnt. Ray Milland, der Hauptdarsteller und Regisseur, führt das auf eine geradezu dokumentarische Weise vor.

Dienstag  14.09.2021

18:00 Uhr

WÄHLE DAS LEBEN

Schweiz 1963. R: Erwin Leiser. Dokumentarfilm. 101 Min. 35mm
Vorfilm: DER SPRINGENDE PUNKT. DDR 1986. R: Walter Heynowski, Gerhard Scheumann. 8 Min. 35mm
Filmreihe: Katastrophe

Erwin Leisers Dokumentarfilm über die von der Atombombe ausgehenden Gefahren, zur Hochzeit des Kalten Krieges entstanden, beginnt mit Aufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg, welcher im Abwurf der Bomben auf Hiroshima und Nagasaki endete. Im Zentrum des Films stehen ergreifende Szenen mit Überlebenden aus Hiroshima: Strahlenkranke, die von ihrer Umgebung wie Aussätzige behandelt werden. Auch Fischer, die in der Nähe des Bikini-Atolls der Radioaktivität eines Atombombentests ausgesetzt waren, kommen zu Wort. Leiser komponiert sein Material zu einer Symphonie für das Leben und gegen den Atomtod.

Donnerstag  16.09.2021

18:00 Uhr

PRIPYAT

Österreich 1999. R: Nikolaus Geyrhalter. Dokumentarfilm. 100 Min. 35mm
Vorfilm (zusätzlich im Programm):MANIAC. BRD 1962. R: Christian Rischert. 10 Min. DCP
Filmreihe: Katastrophe

Pripyat ist eine fünf Kilometer vom Atomkraftwerk Tschernobyl entfernte Stadt, liegt also in der hoch radioaktiv verseuchten Zone, streng bewacht von der Miliz. Vor der Atomkatastrophe hatte Pripyat 50.000 Einwohner. Heute im Wesentlichen eine Geisterstadt, leben hier gleichwohl immer noch Menschen – ungefähr 15.000 –, deren Arbeit vergleichsweise gut bezahlt wird. In seinem ruhigen, unaufgeregten, konzentrierten Stil porträtiert Nikolaus Geyrhalter einige dieser Menschen und geht der Frage nach, wie ihr Alltag unter diesen Bedingungen aussieht und wie sie mit der unsichtbaren Gefahr der Radioaktivität umgehen.

Freitag  17.09.2021

20:15 Uhr

VERBRENNT NICHT UNSERE ERDE + THE WAR GAME

VERBRENNT NICHT UNSERE ERDE
DDR 1980. R: Gitta Nickel. 40 Min. 35mm
THE WAR GAME Kriegsspiel
Großbritannien 1966. R: Peter Watkins. 48 Min. 35mm. DF
Filmreihe: Katastrophe

In ihrem Dokumentarfilm VERBRENNT NICHT UNSERE ERDE blickt Gitta Nickel auf die Folgen des Atombombenabwurfs auf Hiroshima im August 1945 zurück und führt Interviews mit einigen Menschen, die direkt mit diesen Folgen leben müssen. Längst zum Klassiker geworden ist Peter Watkins‘ THE WAR GAME, welcher im Cinéma-Vérité-Stil am Beispiel einer Stadt in Kent die Folgen eines Nuklearangriffs auf Großbritannien darstellt. Watkins bedient sich einer Mischung aus Interviews, Archivmaterial und Spielszenen mit Laiendarstellerinnen; der Effekt ist der einer hautnahen Reportage. Wegen seiner drastischen Realistik hat die BBC, in deren Auftrag er entstand, den Film seinerzeit nicht gesendet.

Sonntag  19.09.2021

20:30 Uhr

MALEVIL

Frankreich/BRD 1981. R: Christian de Chalonge. D: Michel Serrault, Jacques Dutronc, Jacques Villeret. 120 Min. 35mm. OmeU
Vorfilm: IDYLLISCHE LANDSCHAFT. DDR 1984. R: Alexander Reimann. 5 Min. 35mm
Filmreihe: Katastrophe

MALEVIL entstand nach dem gleichnamigen Roman von Robert Merle, einer Parabel auf das Überleben nach einem Atomkrieg. Emmanuel Comte und seine Freunde überstehen im Weinkeller des Schlosses Malevil im Südwesten Frankreichs einen Atomschlag auf Frankreich. Sie beginnen mit dem Wiederaufbau, müssen dann aber erkennen, dass es noch andere, weniger friedliche Überlebende in einem Eisenbahntunnel gibt. MALEVIL ist vor allem daran gelegen, eine demokratisch-friedfertige und eine faschistisch-aggressive Lebensweise einander gegenüberzustellen. Beeindruckend ist auch der Kontrast zwischen einer idyllischen Landschaft zu Beginn des Films und der folgenden Zerstörung.

Dienstag  21.09.2021

20:30 Uhr

THE ATOMIC CAFÉ

USA 1982. R: Kevin Rafferty, Jayne Loader, Pierce Rafferty. Dokumentarfilm. 88 Min. 16mm. OmU
Vorfilm: 2 TAGE IM AUGUST - REKONSTRUKTION EINES VERBRECHENS. DDR 1982. R: Karl Gass. 29 Min. 35mm
Filmreihe: Katastrophe

THE ATOMIC CAFE ist eine Zusammenstellung von Werbe- und Propagandafilmen der amerikanischen Zivilbehörden und des US-Militärs sowie Fernsehdokumentationen und -nachrichtensendungen aus den 1940er und 1950er Jahren zum Thema Atombombe und Atomkrieg. Thematisiert werden die Bombardierungen Hiroshimas und Nagasakis ebenso wie die Atombombenversuche in der Südsee oder die Möglichkeiten, wie sich der einzelne angeblich schützen kann, und durchaus auch eine gewisse Atombegeisterung in manchen Kreisen der Bevölkerung. Durch Gegenüberstellungen ganz ohne Kommentar entlarvt diese satirische Collage geschickt und mit viel Witz die Verharmlosungsstrategien der herrschenden Kreise.

Mittwoch  22.09.2021

18:00 Uhr

PIS'MA MËRTVOGO CELOVEKA

Briefe eines Toten
UdSSR 1986. R: Konstantin Lopušanskij. D: Rolan Bykov, Iosif Ryklin, Viktor Mihailov. 87 Min. 35mm. OmU
Filmreihe: Katastrophe

Nach einem Atomkrieg hält das Militär in einer zerstörten Stadt eine Art von Ordnung aufrecht: Überlebende dürfen die Keller, in denen sie wohnen, nicht verlassen, während eine medizinische Kommission Junge und Gesunde für das jahrzehntelange Überleben in einem Bunker aussucht, in dem sie abwarten sollen, bis die Radioaktivität abgeklungen ist. In der Art eines düsteren Kammerspiels und mit deutlichen Anklängen an Andrej Tarkovskij schildert Lopušanskij das Leben einer Gruppe von Menschen im Keller eines Museums. Den Zerstörungsorgien und gewalttätigen Überlebenskämpfen vieler Filme ähnlicher Thematik stellt BRIEFE EINES TOTEN die Beschränkung auf einen Mikrokosmos und eine humanistische Botschaft gegenüber.

Freitag  24.09.2021

20:30 Uhr

PIS'MA MËRTVOGO CELOVEKA

Briefe eines Toten
UdSSR 1986. R: Konstantin Lopušanskij. D: Rolan Bykov, Iosif Ryklin, Viktor Mihailov. 87 Min. 35mm. OmU
Filmreihe: Katastrophe

Nach einem Atomkrieg hält das Militär in einer zerstörten Stadt eine Art von Ordnung aufrecht: Überlebende dürfen die Keller, in denen sie wohnen, nicht verlassen, während eine medizinische Kommission Junge und Gesunde für das jahrzehntelange Überleben in einem Bunker aussucht, in dem sie abwarten sollen, bis die Radioaktivität abgeklungen ist. In der Art eines düsteren Kammerspiels und mit deutlichen Anklängen an Andrej Tarkovskij schildert Lopušanskij das Leben einer Gruppe von Menschen im Keller eines Museums. Den Zerstörungsorgien und gewalttätigen Überlebenskämpfen vieler Filme ähnlicher Thematik stellt BRIEFE EINES TOTEN die Beschränkung auf einen Mikrokosmos und eine humanistische Botschaft gegenüber.

Sonntag  26.09.2021

16:00 Uhr

HOTARU NO HAKA

Die letzten Glühwürmchen
Japan 1988. R: Takahata Isao. Animationsfilm. 89 Min. 35mm. OmU
Einführung am 29.09.: Florian Höhr
Filmreihe: Katastrophe

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wird die japanische Stadt Kobe schwer von Brandbomben getroffen. Der Animationsfilm HOTARU NO HAKA (wörtlich: „Das Grab der Leuchtkäfer“), eine Produktion des Studio Ghibli, erzählt vom Schicksal eines vierzehnjährigen Jungen und seiner vierjährigen Schwester, die allein auf sich gestellt versuchen, sich in der weitgehend zerstörten Stadt durchzuschlagen. Hunger, Krankheit und Tod folgen. Der Krieg und seine Schrecken aus der Perspektive von Kindern – das ist kaum jemals so ergreifend geschildert worden wie in diesem Film mit seinen „nur“ gezeichneten Figuren. Obwohl die Atombombenabwürfe im Film nicht erwähnt werden, sind einige Parallelen deutlich spürbar. /// In Kooperation mit Nippon Connection.

Mittwoch  29.09.2021

18:00 Uhr

HOTARU NO HAKA

Die letzten Glühwürmchen
Japan 1988. R: Takahata Isao. Animationsfilm. 89 Min. 35mm. OmU
Einführung am 29.09.: Florian Höhr
Filmreihe: Katastrophe

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wird die japanische Stadt Kobe schwer von Brandbomben getroffen. Der Animationsfilm HOTARU NO HAKA (wörtlich: „Das Grab der Leuchtkäfer“), eine Produktion des Studio Ghibli, erzählt vom Schicksal eines vierzehnjährigen Jungen und seiner vierjährigen Schwester, die allein auf sich gestellt versuchen, sich in der weitgehend zerstörten Stadt durchzuschlagen. Hunger, Krankheit und Tod folgen. Der Krieg und seine Schrecken aus der Perspektive von Kindern – das ist kaum jemals so ergreifend geschildert worden wie in diesem Film mit seinen „nur“ gezeichneten Figuren. Obwohl die Atombombenabwürfe im Film nicht erwähnt werden, sind einige Parallelen deutlich spürbar. /// In Kooperation mit Nippon Connection.

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