28. Africa Alive

Die 28. Ausgabe von Africa Alive präsentiert vom 22. bis 30. September das Filmschaffen des afrikanischen Kontinents mit Dokumentar-, Spiel- und Kurzfilmen. Das Festival findet auch dieses Jahr in etwas reduzierter Form im September statt, bevor es 2023 wieder regulär im Februar über die Bühne geht. Neben den Filmen im Kino des DFF und im Filmforum Höchst gibt es ein Konzert und ein Kinderfest.

Themenschwerpunkt Algeriens Unabhängigkeit

Thematischer Schwerpunkt in diesem Jahr ist der 60. Jahrestag der Unabhängigkeit Algeriens. Zu sehen ist der restaurierte Klassiker CHRONIQUE DES ANNÉES DE BRAISE von Mohammed Lakhdar-Hamina, Gewinner der Goldenen Palme in Cannes 1975. Der Film macht deutlich, dass der Widerstand schon lange vor dem 1. November 1954, dem offiziellen Beginn des Algerienkrieges, begonnen hat. Ein verarmter Bauer zieht in die Stadt und wird dort mit dem Elend und der kolonialen Ungerechtigkeit konfrontiert.

Ein weiterer Klassiker, Assia Djebas Dokumentarfilm LA ZERDA ET LES CHANTS DE L‘OUBLI, kompiliert frühe französische Wochenschauen aus Algerien mit vorgetragenen Sprechgesängen und experimenteller Musik zu einem Abgesang auf die koloniale Gewalt.

Der erste Spielfilm des algerischen Regisseurs Djaffar Gacem, HELIOPOLIS, beruht auf wahren Begebenheiten. Anhand eines Konfliktes zwischen Vater und Sohn bezüglich der französischen Kolonialherrschaft zeigt der Film die Hintergründe, die zu der Demonstration vom 8. Mai 1945 führten. In Algerien ist der Siegestag der Alliierten der Tag der Massaker von Sétif, Guelma und Kherrata.

In dem Dokumentarfilm LEUR ALGÉRIE widmet sich Lina Soualem ihren Großeltern, die als junges Ehepaar von Algerien nach Frankreich emigriert sind, aber nie über Ihre Vergangenheit und die schmerzhaften Erinnerungen gesprochen haben.

Weitere Filme behandeln die Unabhängigkeitsbewegungen des afrikanischen Kontinents. Der Eröffnungsfilm VUTA N’KUVUTE thematisiert den Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft auf der Insel Sansibar anhand einer verbotenen Liebesgeschichte zwischen einer Inderin, die vor ihrem Mann davongelaufen ist, und einem jungen Revolutionär. Regisseur Amil Shivjiist ist zu Gast.

Der Befreiungskampf in Angola wird in zwei Filmen aufgegriffen. Der Dokumentarfilm INDEPENDÊNCIA des Filmkollektives Geração 80 porträtiert 40 Jahre nach der Unabhängigkeit die Generation, die an der Spitze des Kampfes stand, sowie dessen wichtigste Stationen und internen Konflikte.

Der neurestaurierte Klassiker SAMBIZANGA von Sarah Maldoror beschreibt die Anfänge der Unabhängigkeitsbewegung in Angola um 1960. Eine Frau, deren Mann für seine revolutionären Aktivitäten ins Gefängnis geworfen wurde, bekommt die Unterdrückung durch die portugiesische Kolonialmacht zu spüren.

Schwerpunkt Filmkollektive

In den vergangenen Jahren haben sich in vielen Ländern Afrikas Künstler:innenkollektive herausgebildet, die sich nicht nur dem Film, sondern auch anderen künstlerischen Ausdrucksformen wie Musik, Videoclips, Mode und Fotografie widmen. Sie organisieren sich jenseits etablierter Strukturen und wirken kunstübergreifend auf die Realität im sozialen und öffentlichen Raum ein.

Geração 80, ein Regiekollektiv von Kreativen aus Angola, die für eine neue innovative Generation stehen, wird von dem Regisseur Fradique repräsentiert, der zwei Filme persönlich vorstellt: Neben dem Dokumentarfilm INDEPENDÊNCIA wird der Spielfilm AIR CONDITIONER über die Stadt und das Leben nach dem Bürgerkrieg gezeigt. An einem besonders heißen Tag fallen auf mysteriöse Weise Klimaanlagen in der angolanischen Hauptstadt Luanda von den Gebäuden. Ein Wachmann steht vor der Herausforderung, seinem Chef innerhalb eines Tages eine neue zu besorgen.

Yes! That’s Us, ein Filmkollektiv aus Uganda, ist mit dem Film ABAABI BA BODA BODA vertreten, einen Film im Geiste Vittorio de Sicas LADRI DI BICICLETTE (1948). In Uganda sind es die Motorradtaxis, Boda Bodas genannt, die den Leuten ihre Existenz sichern.

Von The Nest Collective aus Kenia, einer multidisziplinären Gruppe, die sich 2012 in Nairobi zusammengetan hat, ist die vielfach prämierte queere Anthologie STORIES OF OUR LIVES zu sehen.

Das nigerianische Kollektiv Surreal16 setzt sich mit künstlerisch orientierten Filmen von der vorherrschenden Nollywood-Ästhetik und den -Produktionspraktiken ab. JUJU STORIES erzählt in drei Geschichten von drei Regisseuren von der religiösen Praktik ‚Juju‘ im zeitgenössischen Lagos.

Aktuelle Filme im Programm

In LINGUI erzählt Mahamat-Saleh Haroun von der alleinerziehenden Amina, deren 15-jährige Tochter schwanger wird und abtreiben möchte, in einem Land das die Abtreibung nicht nur aus religiösen Gründen verurteilt, sondern auch per Gesetz.

UNE HISTOIRE D’AMOUR ET DE DÉSIR erzählt von Ahmed, einem Franzosen algerischer Herkunft, der bei seinem Studium an der Sorbonne die Sinnlichkeit der arabischen Literatur entdeckt und sich in eine junge Tunesierin voller Energie verliebt.

Guled und Nasra verbindet in THE GRAVEDIGGER‘S WIFE eine starke Liebe. Sie leben mit ihrem Sohn am Rande der Hauptstadt von Dschibuti. Guled arbeitet bereits hart als Totengräber, damit die Familie über die Runden kommt. Doch Nasra benötigt dringend eine teure Operation.

Filmstill aus Air Conditioner: Ein Mann und eine Frau liegen auf dem Boden und blicken in den Himmel, im Hintergrund steht eine Klimaanlage

Visual Africa Alive roter Hintergrund, Gelbe Schrift

In Kooperation mit

Logo HessenFilm und Medien

Logo Institut Francais    Logo Filmhaus Frankfurt

Donnerstag  22.09.2022

18:00 Uhr

HANDSWORTH SONGS

Vereinigtes Königreich 1986. Black Audio Film Collective. 58 Min. Digital. OF
Original version
Filmreihe: 28. Africa Alive

HANDSWORTH SONGS ist eines der Hauptwerke des Black Audio Film Collective, das bis heute zu den einflussreichsten Kunstbewegungen des Vereinigten Königreichs zählt. Der dokumentarische Essay verbindet formale Ansätze der Avantgarde mit einer antikolonialistischen und antirassistischen Analyse von Gegenwart und Geschichte, Politik und Stadtraum sowie einer Erkundung des Lebens Schwarzer Menschen in Großbritannien. Mit Produktionsgeldern des Channel 4 nahm das BAFC in HANDSWORTH SONGS soziale Proteste und Unruhen in mehreren britischen Städten in den 1980er Jahren zum Anlass, anhand von Nachrichtenclips und Archivmaterialien verschiedene Facetten der diasporischen Erfahrung und rassistischer Kontinuitäten zu erkunden, gleichzeitig aber über neue Formen der Geschichtsschreibung und Identität nachzudenken.

20:15 Uhr

VUTA N’KUVUTE (TAG OF WAR)

Tug of War
Tansania/Südafrika/Deutschland/Katar 2021. R: Amil Shivji. D: Siti Amina, Gudrun Columbus Mwanyika, Ikhlas Gafur Vora. 93 Min. DCP. OmeU
Original version with English subtitles
Zu Gast: Amil Shivji
Filmreihe: 28. Africa Alive

Die britische Kolonialherrschaft auf Sansibar neigt sich seit den 1950ern dem Ende zu. Der Widerstand er Bevölkerung gegen die Segregation und das Streben nach Unabhängigkeit sind nicht aufzuhalten. Der Regisseur Amil Shivji, dessen eigene Familiengeschichte eng mit Sansibar verwoben ist, erzählt in VUTA N’KUVUTE von dieser politischen Zeitenwende entlang einer komplexen Liebesgeschichte. Der Freiheitskämpfer Denge und die indisch-sansibarische Yasmin streben beide nach Freiheit von Unterdrückung und Fremdbestimmung. Nach dem gleichnamigen Roman von Shafi Adam Shafi.

Freitag  23.09.2022

18:00 Uhr

LEUR ALGÉRIE

Their Algeria
Frankreich/Algerien/Schweiz/Katar 2020. R: Lina Soualem. Dokumentarfilm.72 Min. DCP. OmeU
Original version with English subtitles
Zu Gast: Lina Soualem
Filmreihe: 28. Africa Alive

Das Ehepaar Aïcha Aidaoui Soualem und Mabrouk Soualem emigrieren vor 60 Jahren von Algerien nach Thiers, Frankreich. Nach 62 Jahren Ehe trennen sich die beiden. Doch ihre Leben bleiben verbunden, auch wenn sie nun in getrennten Wohnungen leben. Ihre Enkelin Lina Soualem ergündet in LEUR ALGERIA die Familiengeschichte ihre Großeltern, die auch ihre eigene ist. Die Recherche bringt Lina Soualem bis nach Algerien, in den verlorenen Heimatort von Aïcha und Mabrouk. Sie stößt auf Schweigen und auf Schmerz, welche die Erinnerungen an die gemeinsame Migrationserfahrung in Frankreich hervorrufen. Geprägt von Kolonialismus und Ausgrenzung, von Gemeinschaft und Einsamkeit im Exil entfaltet sich ein komplexes und sensibles Porträt der beiden Großeltern.

20:30 Uhr

JUJU STORIES

Nigeria/Frankreich 2021. R: C.J. "Fiery" Obasi, Abba T. Makama, Michael Omonua. D: Belina Agedah Yanga, Paul Utomi, Elvis Poko. 84 Min. DCP. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: 28. Africa Alive

JUJU STORIES ist eine Anthologie, die sich aus drei Kurzgeschichten zusammensetzt. Gedreht wurden sie vom nigerianischen Filmkollektiv „Surreal16“. Alle werden durch Juju, also durch in Westafrika beheimatete Hexerei oder übernatürliche Kräfte, beeinflusst. In LOVE POTION von Michael Omonua mischt eine junge Frau einen Liebestrank zusammen, um ihren Angebeteten für sich zu gewinnen. YAM wurde von Abba T. Makama gedreht und erzählt von einem Straßenjungen, dessen Schicksal durch gefundenes Geld auf der Straße in neue Bahnen gelenkt wird. CJ ‘Fiery’ Obasi ist verantwortlich für SUFFER THE WITCH, in welchem sich ein junger Mann in die Studentin Joy verliebt; diese ist jedoch eine Hexe. Gewinner des Boccalino d'oro für den Besten Film beim Locarno Filmfestival 2021.

Samstag  24.09.2022

16:00 Uhr

LA ZERDA ET LES CHANTS DE L‘OUBLI

Algerien 1982. R: Assia Djebar. Dokumentarfilm. 59 Min. DCP. arabische OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: 28. Africa Alive

Nach LA NOUBA DES FEMMES DU MONT CHENOUA realisierte Assia Dejbar, die zuvor vor allem als Schriftstellerin Bekanntheit erlangt hatte, 1982 mit LA ZERDA ET LES CHANTS DE L‘OUBLI ihren zweiten Film. Der dokumentarische Essay zeigt Aufnahmen aus dem Pathé-Gaumont-Archiv, die die französische Kolonialherrschaft im frühen 20. Jahrhundert im Maghreb gesammelt hat, und entwickelt anhand ihrer Montage und einem Kommentar eine widerständige, vom Antikolonialismus und Feminismus informierte Perspektive. „In einen völlig unterworfenen und zum Schweigen gebrachten Maghreb strömten Fotografen und Filmemacher, um Aufnahmen von uns zu machen. (…) Die 'Zerda' ist jenes langsam aussterbende Fest, das sie angeblich bei uns einfangen wollten (…)“ (Assia Djebar).

18:00 Uhr

NOUS, ÉTUDIANTS!

We, Students!
Zentralafrikanische Republik/ Frankreich/DR Kongo/Saudi Arabien 2022. R: Rafiki Fariala. Dokumentarfilm. 83 Min. songo./frz. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: 28. Africa Alive

Mit NOUS, ÉTUDIANTS rückt Rafiki Fariala sich selbst und einige seiner Freund:innen, die an der Universität von Bangui Wirtschaft studieren, ins Zentrum seines Dokumentarfilms, um ein Porträt verschiedener Lebensrealitäten von jungen Menschen in der Zentralfrikanischen Republik zu geben. Der Dokumentarfilm kreist dabei um Gespräche, die Persönliches offenbaren und um Themen wie Liebe und Arbeit kreisen, schließlich aber auch größere Fragen wie die nach der Zukunft und Problemen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in ihrem Land verhandeln. “Häufig wird uns gesagt, dass die Jugend von heute unsere Zukunft von morgen ist. Diese Menschen haben uns jedoch angelogen, denn alles ist blockiert.” (Rafiki Fariala)

20:30 Uhr

LINGUI

Frankreich/Deutschland/Belgien/Tschad 2021. R: Mahamat-Saleh Haroun. D: Achouackh Abakar Souleymane, Rihane Khalil, Alio Brahim. 87 Min. DCP. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: 28. Africa Alive

Amina hat ihre Tochter Maria allein großgezogen, nachdem sie von ihrer Familie und der Gesellschaft verstoßen wurde. Durch eine Vergewaltigung ist die mittlerweile 15-jährige Maria ungewollt schwanger geworden und ihre Mutter, selbst praktizierende Muslima, steht vor einem Dilemma: Im Tschad werden Abtreibungen staatlich und religiös geächtet und mit schweren Strafen geahndet. Dem tschadischen Regisseur Mahamat-Saleh Haroun, bekannt für seine Filme ABOUNA (2002) und DARATT (2006), gelingt es mit seinem Film LINGUI, verschiedene Stereotypen, die mit muslimischen Frauen assoziiert werden, gekonnt zu unterlaufen. Harouns Film lief 2021 auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes im Wettbewerb um die Goldene Palme.

Sonntag  25.09.2022

12:00 Uhr

ABAABI BA BODA BODA

Uganda/ Südafrika/ Kenia/ Deutschland 2015. R: Yes! That’s Us (Donald Mugisha, James Tayler). D: Hassan 'Spike' Insingoma. Prossy Rukundo. 85 Min. DCP. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: 28. Africa Alive

Gemeinsam mit seiner Familie ist Abel vom Land nach Kampala gezogen. Mit allen Ersparnissen hat sein Vater hier ein Boda-Boda gekauft, um den Unterhalt der Familie zu sichern. Boda-Boda, vom englischen „border-to-border“, bezeichnet in Ostafrika populäre Motorradtaxis. Als sein Vater einen Unfall erleidet und das Motorrad gestohlen wird, macht sich Abel auf die Suche und taucht ein in das Stadtleben der ugandischen Hauptstadt. Ein Film, der sich auf spielerische Weise der Perspektive und Grundmotiven von Vittoria De Sicas LADRI DI BICICLETTE (1948) bedient, um eine Geschichte über das Leben einer jungen Generation in Uganda zu erzählen. ABAABI BA BODA BODA ist der dritte Spielfilm des ugandischen Regiekollektivs Yes! That’s Us, das 2002 von Donald Mugisha, Rogers Wadada, Alex Ireeta und Senkaaba Samson gegründet wurde.

17:00 Uhr

CHRONIQUE DES ANNÉES DE BRAISE

Chronik der Jahre der Glut
Algerien 1975. R: Mohamed Lakhdar-Hamina. D: Yorgo Voyagis, Mohammed Lakhdar-Hamina, Leila Shenna. 177 Min. DCP. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: 28. Africa Alive

Mohamed Lakhdar-Haminas epischer Film erzählt in sechs Kapitel die Geschichte der algerischen Revolution. Dabei konzentriert er sich auf die Figur eines verarmten Bauerns, der zunächst als Teil der französischen Armee im Zweiten Weltkrieg kämpft und Jahre später Teil des antikolonialistischen Unabhängigkeitskampfes wird. „Ich habe versucht, diesen Aufstand, der später zur algerischen Revolution wurde, mit Würde und Noblesse zu schildern, als Aufstand nicht nur gegen den Kolonisator, sondern gegen eine bestimmte menschliche Geisteshaltung. Ich wollte jede Art von manichäischem, karikaturistischem und demagogischem Ansatz vermeiden, der Gefahr liefe, AHDAT SANAWOVACH EL-DJAMR in eine Art Western zu verwandeln: Gut gegen Böse, Algerier gegen Franzosen. Was mich leitete, war die Suche nach Aufrichtigkeit (…).“ (M. Lakhdar-Hamina)

20:30 Uhr

UNE HISTOIRE D’AMOUR ET DE DÉSIR

A Tale of Love and Desire
Frankreich 2021. R: Leila Bouzid. D: Sami Outalbali, Zbeida Belhajamor, Diong-Kéba Tacu, Aurélia Petit. 103 Min. DCP. Französische OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: 28. Africa Alive

Ahmed, der in einem Pariser Banlieue aufgewachsen ist, hat in den ersten Tagen seines Studiums an der Sorbonne Probleme, sich in einer ungewohnten Umgebung zurechtzufinden. Er lernt dort aber bald schon Farah kenne, die für das Studium aus Tunesien nach Paris gekommen ist. Im Zuge eines Literaturkurses über erotische arabische Poesie kommen sich die beiden näher, doch Ahmed sieht sich zunehmend in einem Konflikt zwischen den eigenen Moralvorstellungen und Gefühlen. Nach À PEINE J’OUVRE LES YEUX (2015) ist UNE HISTOIRE D’AMOUR ET DE DÉSIR der zweite Langfilm der tunesischen Regisseurin Leyla Bouzid, die 2011 ihr Regiestudium an der Fémis in Paris absolviert hat.

Montag  26.09.2022

18:00 Uhr

INDEPENDÊNCIA

Angola 2016, R: Fradique. Dokumentarfilm. 105 Min. DCP. OmeU
Original version with English subtitles
Zu Gast: Fradique
Filmreihe: 28. Africa Alive

Der angolanische Filmemacher Mario Bastos alias Fradique hat einen umfangreichen Dokumentarfilm kreiert, der vom vierzehnjährigen Unabhängigkeitskrieg Angolas unter der Kolonialherrschaft Portugals erzählt und mit der Nelkenrevolution 1974 abrupt endet. Als eines der letzten afrikanischen Länder konnte Angola seine Unabhängigkeit erklären. Der Dokumentarfilm arbeitet mit einer Fülle an Materialien, wie Fotos, Zeitungsartikeln und historischen Filmaufnahmen. Eindringlich sind die Interviews mit Zeitzeug:innen, die von der Unterdrückung und vom Kampf berichten. INDEPENDÊNCIA ist ein komplexes und wichtiges Zeitdokument, das weit mehr als einen reinen Informationszweck erfüllt. Er ist Zeugnis für die Kraft der angolanischen Bevölkerung.

20:30 Uhr

SAMBIZANGA

Angola/Frankreich/DR Kongo 1972. R: Sarah Maldoror. D: Domingos de Oliveira, Elisa Andrade, Jean M’Vondo. 102 Min. DCP. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: 28. Africa Alive

SAMBIZANGA spielt im Jahr 1961: Der Befreiungskampf gewinnt auch in Angola Momentum. Mit Bildern des Alltäglichen erzählt Sarah Maldoror die Suche Marias nach ihrem Ehemann Domingos: Er wurde inhaftiert, weil er sich der Revolution angeschlossen hat. Dabei legt Maldoror mit Feingefu¨hl das Alleinsein einer Frau auf einer beschwerlichen Reise offen, und nimmt Zeit und Mu¨he in den Blick, die nötig sind, um diesen Weg zuru¨ckzulegen. Marias Marsch, ihre Suche, entpuppt sich als einfu¨hlsame und kraftvolle Metapher fu¨r das Leiden des angolanischen Volkes und dessen „Entwicklung eines revolutionären Bewusstseins“. (S. Maldoror)

Dienstag  27.09.2022

18:00 Uhr

STORIES OF OUR LIVES

Filmreihe: 28. Africa Alive

Mit dem vielfach prämierten STORIES OF OUR LIVES erzählt The Nest Collective in fünf Geschichten vom Alltag der LGBTQIA+-Gemeinschaft in Kenia. Die einzelnen Episoden spannen dabei einen großen Bogen, blicken beispielsweise auf die Freundschaft zwischen zwei Farmarbeitern sowie die erste Liebe einer High-School-Schülerin und behandeln dabei immer wieder auch gesellschaftliche und politische Angriffe auf Gruppen und Personen der Community. The Nest Collective ist der Name für eine Gruppe von Künstler:innen, die in Nairobi leben und interdisziplinäre und kollektive Ansätze in der Arbeit mit Film, Literatur, Kunst, Fashion und Musik erproben.

20:30 Uhr

AIR CONDITIONER

Angola 2020. R. Fradique. 72 Min. DCP. OmeU
Original version with English subtitles
Zu Gast: Fradique
Filmreihe: 28. Africa Alive

In AIR CONDITIONER, dem ersten Spielfilm Fradiques, fallen eines Tages alle Klimaanlagen in der angolanischen Hauptstadt Luanda auf mysteriöse Weise von den Wänden. Ein Wachmann erhält den Auftrag, seinem Vorgesetzten schnellstmöglich im Laufe eines Tages ein neues Klimagerät zu beschaffen. Fradique, Teil des angolanischen Kollektivs Geração 80, nutzt dies für eine Erkundung der Stadt und ihrer Bewohner:innen mit Auge und Ohr für die Musik, Kunst und den Sound der Stadt. Immer wieder präsent werden dabei auch Spuren der Geschichte des Landes und seiner Hauptstadt, die 2002 nach dem Ende des Bürgerkriegs umfassend wiederaufgebaut werden musste.

Mittwoch  28.09.2022

18:00 Uhr

HELIOPOLIS (2021)

Algerien 2021. R: Djaffar Gacem. D: Aziz Boukerouni, Mehdi Ramdani, Souhila Mallem. 116 Min. DCP. Arabisch, französische OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: 28. Africa Alive

Der 8. Mai 1945 markiert in Algerien den Tag eines kollektiven Traumas: Während die Alliierten das Ende des Zweiten Weltkrieges feierten, kam es in den Städten Sétif, Guelma und Kherrata zur blutigen Niederschlagung von Unabhängigkeitsprotesten durch die französischen Kolonialbehörden. HELIOPOLIS von Djaffer Gacem ist der erste Spielfilm, der sich diesen historischen Ereignissen widmet. Im Zentrum des Films steht dabei der Generationenkonflikt einer muslimischen Familie: Während Mokdad Zenati als Grundbesitzer gut mit den französischen Behörden auskommt, sympathisiert sein Sohn Mahfoud zunehmend mit den algerischen Unabhängigkeitsbestrebungen.

20:30 Uhr

FREDA

Haiti/Frankreich/Benin 2020. R: Gessica Généus. D: Néhémie Bastien, Djanaïna François, Fabiola Rémy. 93 Min. DCP. creol. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: 28. Africa Alive

In ihrem Spielfilmdebüt widmet sich die Dokumentarfilmemacherin Gessica Généus dem Leben in Haiti, indem sie den Blick auf eine Familie aus Port-au-Prince richtet. Freda studiert Anthropologie und lebt mit ihren Verwandten in einem armen Viertel der Hauptstadt. Der Alltag ist hart und angesichts prekärer Lebensbedingungen stellt sich für viele die Frage, ob sie das Land für eine bessere persönliche Zukunft verlassen sollen: Während ihr Bruder so nach Chile ziehen möchte, beschließt Fredas Freund, nach Santo Domingo zu gehen. Aus einer weiblichen Perspektive erzählt FREDA dabei von gegenwärtigen gesellschaftlichen sowie politischen Problemen und der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.

Donnerstag  29.09.2022

18:00 Uhr

TROUBLE SLEEP

TROUBLE SLEEP
Frankreich/Nigeria 2020. R: Alain Kassanda. Dokumentarfilm. 40 Min. DCP. OmeU
WILL MY PARENTS COME TO SEE MEE
Deutschland/Österreich/Somalia 2022. R: Mo Harawe. D: Xaliimo Cali Xasan, Shucayb Abdirahman Cabdi. 28 Min. DCP. OmeU
Original versions with English subtitles
Filmreihe: 28. Africa Alive

TROUBLE SLEEP ist ein filmisches Gedicht der nigerianischen Stadt Idaban, das seinen Blick auch auf gesellschaftliche Realitäten und Probleme legt. “Während bei Jazzklängen die Verkehrssteuereintreiber zu tänzeln scheinen, bringt eine pointiert in Szene gesetzte Textpassage von Patrick Chamoiseau neben visuellen und auditiven auch olfaktorische Sinne zur Entfaltung: Die drittgrößte nigerianische Stadt lässt sich erriechen.” (DOK Leipzig, Borjana Gakovic) In dem mittellangen Spielfilm WILL MY PARENTS COME TO SEE ME begleitet eine Polizistin einen jungen Insassen, der mit der Todesstrafe belegt wurde, bei seinen letzten Stunden in einer somalischen Strafvollzugsanstalt.

20:15 Uhr

THE GRAVEDIGGER‘S WIFE

Finnland/Deutschland/Frankreich 2021. R: Khadar Ayerus Ahmed. D: Omar Abdi, Yasmin Wassame. 83 Min. DCP. Somali OmeU
Original version with English subtitles
Zu Gast: Omar Abdi
Filmreihe: 28. Africa Alive

Guled und Nasra verbindet eine starke Liebe. Mit ihrem Sohn leben sie am Rande der Hauptstadt von Dschibuti. Guled arbeitet hart als Totengräber, damit die Familie über die Runden kommt. Doch noch schwierigere Zeiten erwarten sie: Nasra hat eine chronische Nierenerkrankung und benötigt dringend eine teure Operation.

Freitag  30.09.2022

20:00 Uhr

OUVERTURES

Vereinigtes Königreich/Frankreich 2020. R: The Living and the Dead Ensemble. D: Jude Joseph, Jephté Carmil, James Fleurissaint. 132 min. DCP. Haitianisch, französisch OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: 28. Africa Alive

Ausganspunkt von OUVERTURES ist das Theaterstück „Monsieur Toussaint“ des antillanischen Schrifstellers und Philosophen Édouard Glissant, das sich mit Toussaint Louverture, einer der zentralen Figuren der haitianischen Revolution von 1781, beschäftigt. Gemeinsam mit der Theatergruppe The Living and the Dead Ensemble arbeiten Louis Henderson und Olivier Marboeuf an einer filmischen Inszenierung des Stückes und dokumentieren diesen Prozess in seiner Entstehung: „(…) das Ergebnis ist ein Experiment in drei Teilen: eine Recherche auf den Spuren Louvertures, ein Experiment in geteilter Autorschaft und kollektivem Filmemachen, schließlich der Einbruch einer magischen Wirklichkeit, in der die Geister der Toten lebendig bleiben.“ (Berlinale)