Neue digitale Ideen für das DFF

Drei Studierende der Hochschule für Gestaltung Offenbach haben sich in einem Kurs unter Leitung von Professor Sebastian Oschatz neue digitale Kommunikationsformate für die filmkulturellen Inhalte des DFF ausgedacht. In einer coronabedingt internen Präsentation wurden die drei Projekte jetzt im DFF vorgestellt.

Anlass für die Entwicklung der neuen Formate war eine Kooperation der HfG mit dem Projekt Constellation 2.0 des DFF, das sich zum Ziel gesetzt hat, im Laufe der kommenden Jahre die museale Erfahrung in den digitalen Raum zu erweitern. Grundlage des von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Projekts ist eine enge inhaltliche Zusammenarbeit des DFF mit dem Australian Centre for the Moving Image (acmi) in Melbourne.

Die Kooperation mit der HfG ist als Ideenwerkstatt und kreative Kurbelwelle ein Baustein des Projekts. Herausgekommen sind dabei eine digitale Daumenkino-Ampel von Nina Jäcker, eine von Zhu Zhu ersonnene App, die es ermöglicht, den Museumsbesuch auf die individuellen Bedürfnisse und Interessenten einzelner Besucher:innen zuzuschneiden und eine Medienstation mit 23 Tasten, hinter denen sich 23 kuratierte Inhalte verbergen, die die Besucher:innen sich per Tastendruck spielerisch selbst erschließen sollen – entwickelt von Alexander Nicola Bernardi.

Digitales Daumenkino

Nina Jäckers Daumenkino-Ampel sollte idealerweise vor dem Museum stehen und Fußgänger:innen überraschen und neugierig machen. Wer den Ampeltaster bedient, sieht, wie das Ampelmännchen sich bewegt.

Bei jedem Knopfdruck verändert sich das Bild wie bei einem Daumenkino. Der Ampeltaster wird zur Steuerung, die Ampel selbst zur Leinwand, das Ampelmännchen winkt als Schauspieler mit den Armen. „Die Ampel macht deutlich, wie das bewegte Bild entsteht, indem sie ein analoges Format – das Daumenkino – ins Digitale überträgt und verweist schließlich mit einem grünen Pfeil auf das DFF selbst“, so Jäcker. Für die technische Umsetzung erhielt Jäcker von Dietrich Praclik Unterstützung.

Nina Jäcker mit ihrer Daumenkino-Ampel. Foto: Daniel Wolff-Franke

Die App

Zhu Zhus App findet über fünf einfache Fragen heraus, welcher Besucher:innentyp man ist und empfiehlt niedrigschwellig und intuitiv den Besuch bestimmter Exponate und Ausstellungsteile, die individuell auf die persönlichen Interessen und Bedürfnisse der User zugeschnitten sind. Dabei legt Zhu Zhu das von John H. Falk ersonnene Modell zugrunde, das Museumsbesucher:innen in fünf Typen unterteilt: in Entdecker:innen, Erfahrungssuchende, Erholungssuchende, Professionelle/Hobbyforscher und Vermittler:innen.

So werden Eltern, die in der Regel als „Vermittler:innen“ gelten, Angebote für Familien und Kinder gemacht, „Professionelle“ erhalten Links zu vertiefender Lektüre zu einzelnen Exponaten. „Mein Design ist wie eine Brücke, die das Museum und den Besucher miteinander verbindet“, erläutert Zhu.

Zhu Zhu erläutert DFF-Sammlungsleiter Hans-Peter Reichmann ihre App. Foto: Daniel Wolff-Franke

Die Medienstation

Alexander Nicola Bernardis Medienstation besteht aus einem Tastenfeld und einem Bildschirm. Bei der Präsentation nutzte Bernardi ein Tastenfeld mit 23 Tasten. Hinter den Tasten verbergen sich kuratierte Pakete, die sich die Besucher:innen per Tastendruck erschließen und dabei hinterlegte Fotos oder Videos entdecken können.

Alexander Nicola Bernardi an der Medienstation Foto: Daniel Wolff-Franke

So können thematische Reihungen gebildet werden, die über die Verknüpfung via Tastenfeld neue Zusammenhänge und Bedeutungen erschließen. Ob das 23 verschiedene Kamerafahrten oder „23 spektakuläre Laserschwertkämpfe“ sind, die Bernardi selbst als Beispiel nennt, bleibt der Entscheidung der Kurator:innen überlassen. „Das Projekt bietet so einen spielerischen Zugang zu allen möglichen Archivinhalten“, so Bernardi.

„Die Potenziale digitaler Technologien in Einrichtungen, in denen sich Menschen begegnen, sind noch lange nicht ausgeschöpft“, so Oschatz, der an der HfG Honorarprofessor für Interaktionsgestaltung ist. „In einem Museum können digitale Formate und interaktive Kommunikationstools für nachhaltige Erlebnisse sorgen. Es zeigt sich, dass das Digitale eine große Anzahl von Möglichkeiten bietet, Menschen im Museum näher zueinander zu bringen.“

Ob die drei ersonnenen Formate künftig im DFF gezeigt werden, ist laut DFF-Projektleiterin Katharina Ewald „noch offen: Die Konzeption für die konkrete Umsetzung von Constellation 2.0 steht noch relativ am Anfang. Ich freue mich aber riesig über die tollen Ideen der Studierenden, die zeigen, welches Potenzial sich durch neue digitale Kommunikationsformen für ein Museum bietet.“ Das zeige sich sehr anschaulich auch in der neuen Ausstellung des acmi in Melbourne, die vor wenigen Wochen mit einem komplett neuen digitalen Konzept eröffnet habe.

„Constellation 2.0“ wird gefördert im Programm Kultur Digital der Kulturstiftung des Bundes.

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