Chaplin und die Welt

„Do you like movies?“
-„Yes! I love Charlie Chaplin!”

Meine Unterhaltung mit einem Mitarbeiter des Ferienresorts auf Koh Lanta an der thailändischen Andamanensee weckt Erinnerungen. Wie oft habe ich genau diese Antwort erhalten, legten Befragte sich den Zeigefinger der linken Hand als Schnauzbart über die Lippen, mit der rechten die Melone auf dem Kopf andeutend, wenn ich während meines Studiums im ostafrikanischen Tansania meinen Gesprächspartner/innen diese Frage stellte. als ich mich während meines Studiums im ostafrikanischen Tansania auf die Spuren der Komik begeben hatte.

Die Welt liebt Charlie Chaplin – und das bereits ein Jahrhundert lang. Mit einer Schauspielkunst, die ohne Worte funktioniert, spielte der Tramp sich in die Herzen von Kinobesucher/innen aller Gesellschaftsschichten und Altersgruppen und inspiriert bis heute Komiker/innen weltweit.

„Stellen Sie sich nun abseits, betrachten Sie das Leben als unbeteiligter Zuschauer – und manches Drama verwandelt sich in eine Komödie“, schrieb Philosoph Henri Bergson. Das könnte wohl Chaplins Methode gewesen sein, denn eigentlich war der britische Weltstar wohl ein eher schwermütiger  Mensch, der mit schweren depressiven Phasen zu kämpfen hatte. Auch daran werde ich während meines Thailandurlaubs wieder erinnert, dank der mitgebrachten Lektüre, die viel zu lange schon auf dem Stapel noch zu lesender Bücher gelegen hatte: Michael Köhlmeiers Zwei Herren am Stranderzählt von der ungewöhnlichen Verbindung zwischen zwei „Personen des öffentlichen Lebens“ im 20. Jahrhundert: Charlie Chaplin und Winston Churchill. Beide wurden zeit ihres Lebens immer wieder von Depressionen und Selbstmordgedanken heimgesucht. Es war so ziemlich das einzige, was den Filmstar und den Premierminister verband, aber es reichte – zumindest in Köhlmeiers Roman – für eine andauernde Freundschaft:

Charlie Chaplin in the Movies. Sammlung mit Tramp-Comics. USA, 1915-1917. Foto: Uwe Dettmar

Auf langen Spaziergängen tauschen sich Chaplin und Churchill über Suizidpraktiken aus und, viel wichtiger, über Methoden, die dunklen Stunden und Tage zu überstehen. Sie haben einen Pakt geschlossen, gemeinsam gegen den „schwarzen Hund“ anzukämpfen. Wenngleich es diese Freundschaft tatsächlich gegeben haben soll, ist Michael Köhlmeiers Roman von 2014 zweifellos mit zahlreichen fiktiven Elementen angereichert. Er ist aber dennoch nicht nur eine berührende, großartig geschriebene Geschichte, sondern auch ein gelungener und kluger Rückblick auf Philosophie, Politik und Filmgeschichte des 20. Jahrhunderts, die das Leben und Werk eine der weltweit bekanntesten Persönlichkeiten bestimmt haben.

Charles Spencer Chaplin wäre heute 130 Jahre alt geworden. Dem Tramp als eine in Gebrauchskunst und Warenwelt massenhaft reproduzierte Ikone widmete das DFF 2012 die Ausstellung CHARLIE, THE BESTSELLER. Zahlreiche Dokumente und Objekte aus dem Chaplin-Archiv Wilhelm Staudinger, das die Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung dem DFF 2010 als Dauerleihgabe überließ, haben kürzlich die neuen Archivräume im DFF Fassbinder Center, Frankfurt bezogen.

Das filmforum Höchst zeigt Chaplin zu Ehren am Ostersonntag dessen Spielfilm CITY LIGHTS (US 1931) sowie ein Kurzfilmprogramm.

Titelbild:  Charlie Chaplin in the Movies. Sammlung mit Tramp-Comics. USA, 1915-1917. Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung / DFF. Foto: Uwe Dettmar

Von Marie Brüggemann

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