Filmtipp: DER GEHEIME GARTEN

Von Frauke Haß

 

Endlich wieder ins Kino. Corona schnürt uns zwar die Kehle zu, aber noch, NOCH, dürfen wir ins Kino und endlich, endlich laufen auch wieder ein paar sehenswerte Filme an. Heute zum Beispiel die märchenhafte Verfilmung von THE SECRET GARDEN (Der geheime Garten, UK/FR/US/CN 2020, R: Marc Munden) des gleichnamigen Klassikers von Frances Hodgson Burnett. Genau der richtige Film, wenn man von der Pandemie die Nase voll hat und einfach mal wieder abtauchen will ins Reich der Phantasie.

Im Film wird die mit ihren Eltern in Indien lebende Mary nach einer Cholera-Epidemie zum Waisenkind und wird kurzerhand zurück nach Großbritannien verschifft, wo sie bei ihrem in Trauer verhärteten Onkel Archibald (Colin Firth) leben soll, der sich auf dem Schloss Misselthwaite in Yorkshire vor der Welt verschanzt und nach dem Tod seiner Frau seinen Sohn Colin in einem Zimmer eingesperrt hat, um ihn so vor den Gefahren des Lebens zu schützen. Colin verbringt die ganze Zeit im Bett. Zu laufen ist er nicht in der Lage. Für die lebenslustige, phantasiebegabte Mary ist ihre neue Lebenssituation ein Affront. Sie weigert sich aber, den Kopf hängen zu lassen und erkundet auf langen Streifzügen das weitläufige Anwesen, schon bald in Gesellschaft eines zutraulichen Hunds, der sie schon bald zum zentralen Geheimnis von Misselthwaie führt – dem geheimen Garten.

Auch nachts erkundet Mary das riesige, in Dunkelheit und Einsamkeit vor sich hin dumpfende Haus und entdeckt schließlich den eingesperrten Colin. Zusammen mit ihrem neuen Freund Dickon macht sie sich daran, Colin für das Leben zurückzugewinnen.

Der geheime Garten, in dem schon Colins und Marys Mütter als Schwestern viel Zeit miteinander verbrachten, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Er hat ganz offensichtlich magische Kräfte. Als Dickon und Mary Colin in den Garten verfrachten, explodiert die Flora in einer übernatürlichen Farbenpracht und Wachstumsenergie. Bunte, fröhlich zwitschernde Vögel erfüllen die Luft mit ihrer lärmenden Munterkeit. Das ist ansteckend und schon bald lernt Colin zu gehen und wagt sogar ein Bad im Bach. Marys entschlossene Lebensfreude zerrt am Ende sogar Archibald ans Licht. Doch der lässt sich nicht so leicht aus seiner Verbitterung hervorholen.

Marc Munden inszeniert THE SECRET GARDEN als zauberhafte Fabel. Marys Freiheitsdrang scheint die Lebenskraft der Flora und Fauna direkt zu befeuern und es entfalten sich in irren Bildersequenzen Farbexplosionen, die einem LSD-Trip in nichts nachstehen.

THE SECRET GARDEN ist beileibe kein Film, den man gesehen haben muss, aber mit seiner Bildgewalt feiert er das Kino. Jenen in den vergangenen Monaten oft so verwaisten Ort, der der einzige ist, an dem sich Film wirklich entfalten kann. Wo wir Kinogeher Filme SEHEN können und nicht bloß glotzen. Ab ins Kino!

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