Filmgeschichte-ABC

Von A wie Anamorphose bis Z wie Zoetrop!

Wer kennt sich aus in der Filmgeschichte und errät die Begriffe, die sich hinter den Fotos unserer Dauerausstellung verbergen?

A

Anamorphose

Die Anamorphose ist ein verzerrtes Bild, das durch den richtigen Betrachtungswinkel (eine sogenannte Perspektivanamorphose) oder einen speziell geformten Spiegel entschlüsselbar wird. 

B

Belichtungszeit

Die Belichtungszeit ist die Zeit, in der bei einem fotografischen Verfahren ein lichtempflindliches Medium dem Licht ausgesetzt ist. Durch die Steigerung der Lichtempflindlichkeit des Trägermaterials in der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurde die Belichtungszeit immer kürzer. Die nun mögliche Aufnahme von Einzelbildern einer Bewegung in Sekundenbruchteilen war eine der Voraussetzungen für den Film.

C

Camera Obscura

Die Camera Obscura war zunächst angelegt als begehbarer Raum (“dunkle Kammer”), in den durch ein Loch fallende Lichtstrahlen die äußere Umgebung projizierten. Um sie auch mobil, z.B. als Zeichenhilfe, nutzen zu können, wurde die Camera Obscura im 17. Jahrhundert verkleinert. In Schachtelform wird sie auch Lochkamera genannt. 

D

Daumenkino

Ein Daumenkino hält die Bewegungsphasen auf einzelnen Papierseiten fest. Wenn diese nacheinander abgeblättert werden, entsteht der Eindruck einer Bewegung. Unter dem Namen Kineograph kam das Daumenkino 1869 erstmals in den Handel.

E

“Etiquette bleue”

Die von den Brüdern Lumière entwickelte Fotoplatte Etiquette bleue” ermöglichte es, einen einzelnen Moment in einer schnellen Bewegung fotografisch festzuhalten. Die Lumières demonstrierten ihre Erfindung 1886 mit einem Foto von Auguste Lumière, der über einen Stuhl sprang.

F

Faraday’sche Scheibe

Michael Faraday entwickelte eine Scheibe mit Zahnkränzen und Lücken. Drehte man sie und schaute durch die Lücken in einen Spiegel, sah es aus, als stünden die Zahnkränze still oder drehten sich rückwärts. 1832/33 entwickelten mehrere Erfinder aus der Faraday’schen Scheibe eine Bilderscheibe. Das sogenannte Lebensrad ließ beim Drehen den Eindruck einer Bewegung entstehen. 

G

Guckkasten

Guckkästen präsentierten Ansichten der Welt in einem Kasten. Von 1800 an zogen kleinere Guckkästen in bürgerliche Haushalte ein. Der Eindruck von räumlicher Tiefe entstand durch eine Vergrößerungslinse und den perspektivischen Bildaufbau. Eine zeitliche Komponente kam durch die Hinterleuchtung transparenter Bilder hinzu – so entstanden Vorformen filmischer Überblendungen. 

H

Heliografie

Seit Erfindung der Camera Obscura wollte man das Abbild der sichtbaren Wirklichkeit dauerhaft festhalten. Dies gelang erstmals mit dem Verfahren der Heliografie. Nicephore Nièpce setzte dazu 1827 eine asphaltbeschichtete Platte dem Licht aus und hielt so den Blick aus seinem Arbeitszimmer fest. 

I

Illusion

Ab dem 17. Jahrhundert wurden Apparate entwickelt, die Illusionen der Realität medial erzeugten und effektvoll präsentierten: Spiegel, Anamorphosen, Guckkästen, Panoramen und vieles mehr. Diese Apparate spielten mit der Lust am Schauen und der Täuschung der Wahrnehmung.

J

Jahrmarkt

Auf Jahrmärkten und Volksfesten führten reisende Schausteller vom Beginn des 18. Jahrhunderts an Guckkästen und andere Apparate vor. Die öffentliche Zurschaustellung der Apparate machte Ansichten der Welt auch für das einfache Volk zugänglich. 

K

Kinematograph

Mit dem Kinematograph gelang den Brüdern Louis und Auguste Lumière 1895 die Projektion von bewegten fotografischen Bildern für ein größeres Publikum. Der kompakte, leicht bedienbare Kinematograph war Kamera, Projektor und Kopiermaschine in einem.

L

Laterna Magica

Die Laterna Magica oder Zauberlaterne ist ein Projektionsapparat. Die Laterna-Magica-Schau entwickelte sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Massenunterhaltung für alle sozialen Schichten. Sie war ein Vorläufer der Kinovorstellung.

M

Mutoskop

Das Mutoskop ist ein Münzautomat, in dessen Inneren sich ein Kranz mit Hunderten Bildern befand. Mit einer Kurbel setzte man diesen in Bewegung, wodurch die Bilder nacheinander abgeblättert wurden. Das Mutoskop förderte die Verbreitung von bewegten Bildern.

N

Nachbildeffekt

Der Nachbildeffekt besagt, dass ein visueller Eindruck kurz bestehen bleibt, um sich mit dem nachfolgenden Bild zu verbinden. Dies veranschaulicht das Thaumatrop. Mittlerweile weiß man, dass er keine große Bedeutung für die Filmwahrnehmung hat.

O

Ottomar Anschütz

Der Fotograf Ottomar Anschütz entwickelte ein schnelles Verschlusssystem, das die chronographische Reihenaufnahme von Bewegungen ermöglichte. Für die Wiedergabe seiner Bilder konstruierte er 1887 einen elektrischen Betrachtungsapperat, den Anschütz-Schnellseher.

P

Panorama

Das Panorama war eines der bedeutendsten visuellen Massenmedien des 19. Jahrhunderts. Seine Wirkung entfaltete es aufgrund der Größe des im Inneren eines Rundgebäudes angebrachten, gekrümmten Bildes und den Standpunkt der Betrachtenden in der Mitte dieses Gebäudes.

Q

Quecksilberdämpfe

Beim fotografischen Verfahren der Daguerrotypie (benannt nach Louis Daguerre) wurde im 19. Jahrhundert mithilfe von Quecksilberdämpfen das Bild entwickelt. Die Verwendung von Quecksilberdämpfen war äußerst gesundheitsschädlich. 

R

Reihenfotografie

Die Reihenfotografie (auch Chronofotografie) bezeichnet die Zusammenstellung einer Folge von fotografischen Aufnahmen zu einer Reihe. Ottomar Anschütz, Étienne-Jules Marey und Eadweard Muybridge
entwickelten verschiedene Techniken und gaben den Anstoß für weitere Forschungen zur Bewegtbildproduktion. 

S

Stereoskop

Der Mensch sieht mit zwei Augen. Dabei fängt jedes Auge einen anderen optischen Eindruck ein, da sich der Blickwinkel auf das betrachtete Objekt geringfügig unterscheidet. Dies machten sich von den 1830er Jahren an stereoskopische Apparate zunutze, die einen dreidimensionalen Raumeindruck mit zweidimensionalen Bildern zu simulieren versuchten.

T

Thaumatrop

Das Thaumatrop
(auch Wunderdreher) wurde 1826 entwickelt. Drehte man die Scheibe, verschmelzen die beiden verschiedenen Bilder zu einem einzigen – und somit zu einer neuen visuellen Sinneinheit (vgl. Nachbildeffekt).

U

Unterhaltung

Viele Apparate dienten von Beginn an ambivalenten ZweckenSo wurddie Laterna Magica als wissenschaftliches Instrument zur Belehrung der höheren Stände genutztaber auch zur Unterhaltung oder gar Irritation eines
Massenpublikums, das mit der Technik hinter den flüchtigen Lichtbildern nicht vertraut war.

V

Vergrößerungslinse

Die Vergrößerungslinse eines Guckkastens war maßgeblich für den Eindruck, den das Bild auf den Betrachtenden machte. Zu dem Eindruck von räumlicher Tiefe trug auch das Bild selbst bei, das sich in einem dunklen Umfeld befand und beleuchtet wurde. 

W

Wundertrommel

William George Horner konstruierte 1834 als erster aus dem Bilder-Rad eine Bilder-Trommel. Mit der Wundertrommel (auch Zoetrop) konnten mehrere Personen gleichzeitig bewegte Bilder anschauen, indem sie durch Sehschlitze ins Innere der Trommel sahen.

X

Xenonlampe

Die Xenonlampe bedeutete einen Fortschritt in der Projektionstechnik. Sie entwickelt ein sehr helles, stabiles Licht und sorgte für hellere Projektoren. 

Y

New York

Wer würde vermuten, dass es sich bei diesem Guckkastenbild um eine Ansicht von New York handelt? Durch die Hinterleuchtung des transparenten Bildes bekommt es eine zeitliche Komponente: Aus Tag wird Nacht und aus Nacht wird Tag. 

Z

Zerrspiegel

Das einfachste optische Medium ist der Spiegel. Er faszinierte als Mittel zur Selbsterkenntnis aber auch zur Täuschung. Spiegel in verschiedenen Ausführungen verzerrten, zersplitterten und vervielfältigten das Bild. Beliebt waren Zerrspiegel, Kaleidoskope und Irrgärten-Kästen.

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