Filmrezepte: Die Gazpacho aus FRAUEN AM RANDE DES NERVENZUSAMMENBRUCHS

von Jenni Ellwanger

GAZPACHO! Was bringt mehr Urlaubsfeeling in den beginnenden Sommer auf Balkonien als dieser mediterrane Genuss für Augen und Gaumen? Serviert wird er kalt wie die Rache, zur schläfrigen Heimkino-Siesta mit Pedro Almodóvars Kultfilm MUJERES AL BORDE DE UN ATAQUE DE NERVIOS (Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs, ES 1988). Spanische Leidenschaft, kräftige Farben, viel würziges Temperament und eine ordentliche Prise Verrücktheit im Glas: Das sind die Zutaten für dieses Filmrezept.

Die soeben von ihrem Liebhaber Iván verlassene Synchronsprecherin Pepa (Carmen Maura) verrät in dieser Szene das Geheimnis: „Tomate, pepino, pimiento, cebolla, una puntita de ajo… aceite, sal, vinagre, pan duro y agua“ – Tomate, Gurke, Paprika, Zwiebel, ein kleines Stückchen Knoblauch … Olivenöl, Salz, Essig, trockenes Weißbrot und Wasser. Mit Unschuldsblick ergänzt sie: „El secreto está en mezclarlo bien“ – das Geheimnis besteht darin, sie kräftig zu mixen. Warum? Der Betrachter ahnt es: Fein zerkleinert schmeckt die große Menge an Schlaftabletten nicht heraus, die kurz darauf die versammelte Runde, darunter zwei bewaffnete Polizeibeamte, in friedlichen Tiefschlaf versetzt.

Zugedacht war die Gazpacho à la Pepa eigentlich einem anderen: dem untreuen Iván (Fernando Guillén). Doch das spielt alles keine Rolle mehr, jetzt, da die Fäden einer ganzen Reihe drohender Mord- und Selbstmordanschläge in Pepas Appartement zusammenlaufen. So weit, so be(un)ruhigend. Doch Pepa hat die Rechnung ohne Lucía gemacht (Julieta Serrano), die ebenso furiose wie verrückte Exfrau Iváns, die die Situation nutzt, um sich der Polizeiwaffen zu bemächtigen und sie auf ihre Nebenbuhlerin zu richten … Wer kommt hier heil raus?

„Almodóvars Geschichten werden erst dann kompliziert, wenn man sie nacherzählt; auf der Leinwand wirken sie schwerelos und gefällig.“, schrieb Die Zeit zum deutschen Kinostart 1989. Davon überzeugt man sich am besten selbst; der Film ist aktuell z.B. im kostenpflichtigen Amazon-Verleih erhältlich. Verraten sei schonmal: Es gibt tatsächlich ein Happy End. Und neben der großartigen Heldin Pepa triumphiert auch in diesem Film ein kulinarischer Nebendarsteller, die Gazpacho.

Hier ist das Rezept. Zum Anschauen, Mitkochen und Mitwippen gibt’s unten einen feinen YouTube-Clip auf Spanisch (und nicht vergessen: Wer eine Rechnung zu begleichen hat, sollte besonders gut mixen).

P.S. In der deutschen Synchronfassung des Films wird laut Wikipedia die für die Handlung so wichtige Gazpacho als Carpaccio bezeichnet. Frevel! Nur ein Grund mehr, Filme immer im Original zu schauen – wie in eurem Lieblingskino, dem Kino des DFF 😉

P.P.S. Hier geht’s zu Pedro Almodóvars Corona-Tagebuch auf der Website des British Film Institute (BFI)

GAZPACHO de Pepa
Zutaten:

100ml Wasser
⅓ – ½ rote Paprikaschote
⅓ – ½ grüne Paprikaschote
150 ml Olivenöl
800 g reife Tomaten
1/2 Sommergurke (oder ¼ Salatgurke), geschält
2 EL Sherryessig (alternativ: Weißweinessig)
½ mittelgroße Zwiebel
½ Knoblauchzehe
Salz
40g altes Weißbrot
Eine Prise Kümmel (ganz)
Einige Eiswürfel

Alle Zutaten im Mixer zerkleinern, wobei Wasser am Ende nach Bedarf zugegossen wird. Am Schluss einige Eiswürfel hinzugeben, vermixen, kalt servieren.

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