„I’ve got so many more stories to tell“

Ein quasselnder Astronaut wird von Außerirdischen auf einem fremden Planeten zurückgelassen und beschwert sich: „Hey, wait, where are you goin‘? Hey, you were supposed to be my lift home. How will I get outta here? Hey! Aw, gee. I’ve got so many more stories to tell.“

Traurig mutet er nun an, dieser letzte Satz aus der Post Credit-Szene der Comic-Verfilmung GUARDIANS OF THE GALAXY VOL. 2 (US 2017, R: James Gunn). Gesprochen wurde er von Stan Lee, dem Schöpfer zahlreicher Superhelden, der in bisher allen Marvel-Comic-Verfilmungen einen Cameo-Auftritt hatte. Am Montag ist er im Alter von 95 Jahren gestorben.

Stan Lee, der 1922 als Stanley Martin Lieber und als Kind jüdisch-rumänischer Einwanderer in New York zur Welt kam, begann mit 17 Jahren als Redakteur bei dem Verlag, der später Marvel Comics werden sollte. Unter dem Druck der Konkurrenz – DC Comics war mit Superman und Batman äußerst erfolgreich – schufen Lee und Co-Autor Jack Kirby das vierköpfige Superhelden-Team Fantastic Four, das am Anfang eines Superhelden-Booms steht, der bis heute andauert. Die von Lee geschaffenen Figuren, darunter Spider-Man, Hulk, Thor, Daredevil und Iron Man, bevölkern heute das sogenannte Marvel Cinematic Universe, das beständig neue Blockbuster hervorbringt.

Der erste Marvel-Kinofilm, in dem Lee einen seiner legendären Gastauftritte hatte, ist X-MEN (US 2000, R: Bryan Singer): Als Hot Dog-Verkäufer am Strand staunt Lee über einen dem Meer entstiegenen Mutanten. Ob als Zeitung lesender Passant, Hund ausführender Spaziergänger oder nichtsahnender Bibliothekar, oft ist Lee nur wenige Sekunden zu sehen – lange genug jedoch für den Blick des aufmerksamen Zuschauers.

In FANTASTIC FOUR (US/DE 2005, R: Tim Story) verkörperte Lee erstmals eine Figur, die bereits im Comic auftrat: Als fröhlicher Postbote Willie Lumpkin übergibt er Mr. Fantastic seine Post. Immer wieder spielte er auch sich selbst, so auch in der Fortsetzung FANTASTIC FOUR: RISE OF THE SILVER SURFER (US/DE/GB 2009, R: Tim Story). In dieser möchte Lee – im schwarzen Anzug, mit Fliege, Sonnenbrille, ordentlich zurückgekämmten grauen Haaren und gepflegtem Schnauzbart – die Hochzeit von Mr. Fantastic und Invisible Woman besuchen. Er wird am Eingang abgewiesen: „Name?“ – „Stan Lee.“ – „Yeah. Nice try, buddy“.

Bescheiden war er wohl nicht, Stan „The Man“ Lee. Doch man kann es ihm nicht verübeln, bedenkt man seinen immensen Anteil an dem fiktiven Universum, das ein halbes Jahrhundert nach seiner Erschaffung auf dem Zeichenpapier zu einem Franchise geworden ist, das bereits rund 17 Mrd. US-Dollar eingespielt hat und weiterhin mit großer Regelmäßigkeit die Kinokasse klingeln lässt. Stan Lee war stets mit Begeisterung bei der Sache und liebte, was er tat: „Whatever you do, you should do what you most want to do and what you’re best at.” ‘Nuff said.

Von Naima Wagner

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