Jung und Abgedreht No. 9 online: Das Nachwuchs-Kurzfilmfestival

Von Lotti Schulze

Seit 2012 kommen in Hanau jährlich junge und kreative Filmschaffende zwischen 14 und 27 Jahren zusammen, um ihre Arbeiten beim Jung & Abgedreht-Kurzfilmfestival der Öffentlichkeit vorzustellen.

Die Idee hinter dem Festival ist es, jungen Filmemacher:innen eine Plattform zu geben. Kriterien für die eingereichten Filme sind nicht etwa die Technik oder das Genre. Es geht vielmehr darum, dass die Filme von Kreativität, Individualität und Wagnis zeugen. Die Filme dürfen maximal fünf Minuten lang sein und es ist sehr interessant zu sehen, wie die Filmemacher:innen mit dieser Vorgabe umgegangen sind. Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky eröffnete das Jung&Abgedreht-Kurzfilmfestival am vergangenen Sonntag mit einer Rede. Er erinnerte an den Anschlag des 19. Februar 2020 in Hanau, bei dem ein Rechtsextremer neun Menschen ermordete und bezeichnete das Kurzfilmfestival als ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für eine zuversichtliche und entschlossene Zukunft. Die diesjährigen nominierten Kurzfilme thematisieren auf unterschiedliche Weisen gesellschaftliche Probleme. Ihre filmischen Auseinandersetzungen mit diesen sind ein klares Signal gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus, Trans- und Homophobie und stehen für Vielfalt, Nächstenliebe und Solidarität.

Auch wenn es technisch und dramaturgisch mitunter noch an Professionalität mangelt, ist man doch gut unterhalten von den experimentierfreudigen Beiträgen der jungen Filmemacher: innen. Es lassen sich auch einige sehr sehenswerte Filme im Programm entdecken, wie beispielsweise THIS IS AN INVITATION von Catherin Schöberl in der Kategorie „Young Professionals“. Der Kurzfilm thematisiert die Sexualisierung des weiblichen Körpers und die Ansprüche, die an das weibliche Geschlecht gestellt werden. Die Regisseurin bediente sich hierfür an Aussagen Donald Trumps oder auch Reden von Michelle Obama. Es ist spannend und ermutigend, wie die junge Regisseurin ihr Unbehagen über diese Art von Sexismus künstlerisch zum Ausdruck bringt.

Auch LAKUNE von Hoang Quynh Nguyen in der Kategorie „Amateure 19-27 Jahre“ hat mich persönlich berührt. Der Film ist eine wunderbare Liebeserklärung und ein traurig schöner Abschied zugleich. Er erinnert an die erste große Liebe, die Kleinigkeiten die einen Menschen ausmachen und die nur jenen auffallen, die diesen Menschen lieben; aber auch an den Schmerz, wenn diese erste große Liebe endet oder der Partner oder die Partnerin nicht mehr da ist.

Weiterhin ist die gesamte Rubrik „Musikvideos“ zu empfehlen. Die Videos stehen ganz besonders für die von Herrn Kaminsky genannten Stärken des Festivals: Offenheit und Toleranz, Kreativität und Experimentierfreude indem sie mit der Heteronormativität und veralteten Rollenbildern brechen. Vom Indie Pop mit der Video-Ästhetik der britischen Band The 1975 über Deutsch-Rap und -Pop ist für jede:n was dabei.

Wie alle Veranstaltungen zu Zeiten von Corona, findet auch dieses Festival digital statt – und wie alles hat das auch seine Vorteile! Die Zuschauer:innen können sich noch bis zum 07.02.2021 alle Kurzfilme für 7,50€ auf dem Videoportal Vimeo angucken und den jugendlichem Charme der Werke von der Couch aus genießen!

Titelbild: Filmstill THIS IS AN INVITATION (R: Catherin Schöberl), Quelle: Jung & Abgedreht Kurzfilmfestival

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