Für den Erhalt der Kinokultur in Mainz!

Von Jan Peschel

Im August wurde bekannt, dass ein weiteres Kino im Rhein-Main-Gebiet vor ungewisser Zukunft steht. Die Corona-Krise nimmt auf Kinos und weitere Kulturorte bislang wenig Rücksicht, doch in diesem Fall sind Kapazitätsbegrenzungen und Gewinnausfälle ausnahmsweise mal nicht der Grund für ein drohendes Aus.

Seit 2009 betreibt die Seehuber & Zeiler GbR die Mainzer Programmkinos Capitol und Palatin. Während das Capitol das älteste Kino in Mainz ist, das noch immer betrieben wird – 1933 öffnete sich hier erstmals der Vorhang – ist die Vergangenheit des Palatin-Kinos weniger detailliert verbürgt. Klar ist, dass die heutigen vier Säle zuvor unter dem Namen City-Kinos geführt wurden.

Das Gebäude, in dem sich das Palatin befindet, wurde nun verkauft. Der neue Eigentümer will erst nach einer Gebäudeprüfung entscheiden, wie es mit der Liegenschaft weitergeht. Für die Kinobetreiber eine kaum zumutbare Situation, da der Pachtvertrag im April 2022 endet. Sollten die vier Säle des Palatin-Kinos einem Neubau weichen, so würde auch das Capitol mit nur einem Saal (mit 314 Sitzplätzen und Empore) nicht mehr zu halten sein. Die vier Säle bieten den Kinomachern nicht nur eine wirtschaftliche Sicherheit, da mehrere Filme gleichzeitig laufen können und je nach Nachfrage auch die verschieden großen Säle bespielt werden. Darüber hinaus wird eine interessante Vielfalt von Filmen geboten und so verschiedene Zielgruppen erreicht. Neben dem ein oder anderen Blockbuster in der Originalversion finden sich europäische Arthaus-Filme, Festivalfilme aus Berlin, Venedig und Cannes ebenso wie Kleinode aus den Philippinen, Osteuropa, Südamerika und Afrika.

Erst 2017 verlor die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt mit dem Residenz & Prinzess Kino, das von der Cinestar-Gruppe betrieben wurde und ebenfalls für ein anspruchsvolles Programm stand, Abspielstätten und obendrein den größten Kinosaal der Landeshauptstadt. Sollte das Palatin vor einem Abriss stehen, verlöre die Landeshauptstadt die letzten verbliebenen Programmkinos. Nur noch das Stadtkino CinéMayence und das Multiplex Cinestar würden den Kinoliebhaber:innen die Möglichkeit bieten, sich voll und ganz auf die Leinwand zu konzentrieren – oder natürlich der Abstecher in umliegende Städte jenseits des Rheins.

Eine Initiative, vor allem aus Filmwissenschafler:innen und Kinofans, ruft bereits in einem Offenen Brief den neuen Eigentümer und die Stadtpolitik zum Handeln auf, eine Petition wurde gestartet und man harrt nun der Dinge, die da kommen.

Wer die Situation weiter verfolgen möchte, kann dies auf www.mainz-fuer-kino.de tun und die Petition auf Change.org unterschreiben.

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