„Ich bin Künstler.“ Lars Eidinger zum 45. Geburtstag

von Lotti Schulze

Lars Eidinger, oft als kreatives Wunderkind bezeichnet, das die meisten von uns aus Film und Fernsehen oder von der Theaterbühne kennen, ist seit Jahren auf vielen Feldern der Kunst aktiv. Mehr noch als als Schauspieler sieht er sich daher als Künstler. Und das völlig zurecht, schließlich hat er sich mittlerweile auch als Fotograf, DJ, und Musiker einen Namen gemacht. Heute wird er 45 Jahre alt. 

Eidinger ist seit 1999 Ensemblemitglied an der Berliner Schaubühne und wurde auf Deutschlands Theaterbühnen unter anderem mit Rollen als Richard III. oder Hamlet bekannt, also leicht verhaltensauffälligen MonarchenSeinen filmischen Durchbruch schaffte er 2009 in Maren Ades Drama ALLE ANDEREN.  

Mir persönlich ist Lars Eidinger das erste Mal 2012 im Kieler Tatort BOROWSKI UND DER STILLE GAST begegnet. Ich war 14 Jahre alt, hatte bis dato noch nicht viele Tatorte geschaut und auch in den Jahren danach ist mir kaum ein anderer Tatort so im Gedächtnis geblieben wie dieser. Lars Eidinger spielte – und das sehr überzeugend   einen Stalker. Ich fühlte mich danach lange unwohl, wenn ich allein zuhause war, und wenn ich ihn in anderen Filmen oder auf Plakaten der Schaubühne sah, schauderte es mich. Heute, nach zweieinhalb Jahren intensiven Theater-, Film- und Medienwissenschafts-Studiums, bin ich von diesem Effekt, den Eidinger auf mich hatte, begeistert: Was für eine schauspielerische Leistung! 

Rollen wie diese: der Stalker im Tatort, Richard III. in der Schaubühne, Alfred Nyssen in BABYLON BERLIN (DE 2017-, R: Tom Tykwer, Achim von Borries, Hendrik Handloegten), scheinen ihm zu liegen. Er wirkt darin, wie ich am eigenen Leib spürte, geradezu beängstigendIm “echten Leben” denke ich dagegen: „sympathischer Typ“! Er begegnet mir in Podcasts wie “Eine Stunde Film”, im RadioInterview mit Knut Elstermann oder sogar bei Familientreffen, auf denen mein Stiefbruder von Eidingers DJ-Sets in der Schaubühne erzählt. Jüngst auch in den Buchläden, wo seit September 2020 sein Fotoband Autistic Disco, erhältlich ist.  

Lars Eidinger ist für mich heute nicht mehr der gruselige Stalker, sondern ein interessanter und sympathischer Künstler. Nicht zuletzt durch Auftrittebei denen er ein Zeichen gegen toxische Männlichkeit und starre Rollenbilder setzt, indem er Nagellack und Glitzerblazer tragend in Talkshows sitzt und dort ganz offen über persönliche Ängste und Unsicherheiten spricht.  

Der Journalist und NDRModerator Hubertus Meyer-Burckhardt verglich Eidinger jüngst mit Rainer Werner Fassbinder, da beide nach dem Motto “Schlafen kann ich, wenn ich tot bin” gelebt hätten oder leben. Ob Eidinger im Lauf seiner Karriere diesem Vergleich standhält, werden spätere Generationen von Cineast:innen entscheiden, aber eines steht fest: Lars Eidinger ist aus der deutschen Film-, Theater-Musik und Fotografie-Szene, vielleicht kurzum aus der deutschen Kunst-Szene, nicht mehr wegzudenken und das ist auch gut so.

Titelbild: Filmstill aus ALLE ANDEREN (DE 2009. R: Maren Ade). Der Film ist online u.a. bei Amazon Prime verfügbar.

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