„Hey Girl!“ Ryan Gosling zum 40. Geburtstag

von Marie Brüggemann

„Hey Girl, feel my sweater! Know what it’s made of? Boyfriend material!“

Ryan Gosling ist der Prototyp des Boyfriend, den wir alle haben wollen. Wenn man „Ryan Gosling Meme“ googelt, scheint er all das zu sein, was man sich von einem Mann wünscht: stark, geheimnisvoll, einfühlsam, intellektuell, motivierend, lustig, süß … und aus irgendeinem Grund glaubt man ganz fest daran, dass er das wirklich alles ist. Dabei weiß man vom Privatmensch Ryan Gosling fast nichts, und muss sich als sehnsüchtiger Fan eine Persönlichkeit aus dem Driver in DRIVE, Noah Calhoun in THE NOTEBOOK und Seb Wilder in LA LA LAND zusammenbasteln – das funktioniert!

Die Sehnsüchte lassen sich außerdem ziemlich gut mit Merchandiseartikeln aller Art stillen: Notizbücher mit „Ryan Gosling auf einem Einhorn reitend“-Aufdruck, Fußmatten, die alles willkommen heißen, was „Pizza, Champagne or Ryan Gosling“ ist, riesengroße „Ryan Gosling Sixpack“-Poster, und, naja, je weiter man sucht, desto mehr fragt man sich, ob das alles sein muss. Wer will denn bitte aufwachen und in ein übers Quadrat gezerrte Ryangesicht blicken?

Bleiben wir doch besser dabei, seine Filme zu gucken. Dazu zählen übrigens nicht nur Schauspiel-, sondern auch Regiearbeiten!

RYAN GOSLING – HOLLYWOODS HALBGOTT
DE 2018. R: Jana Buchholz
Dokumentarfilm. 53 Min.

Ryan Gosling hat sich etwas bewahrt, das inzwischen rar geworden ist: seine Privatsphäre. Es gibt kaum private Fotos. Nur wenige wissen, dass er in der Schule gemobbt und zu Hause unterrichtet wurde, dass er mit seiner Band in Altersheimen spielte und einen Film über Albino-Kinder in Afrika produziert hat.

Jana Buchholz porträtiert in ihrer Dokumentation Ryan Gosling als Privatmensch, vielseitigen Schauspieler, Pop-Phänomen. Amüsante Aufnahmen seiner ersten Auftritte im Mickey Mouse Club, gemeinsam mit Justin Timberlake, Details, die auch für einen Fan noch neu sind, und ein gelungener Überblick über Goslings filmisches Schaffen.

Verfügbar in der arte Mediathek

DRIVE
US 2011. R: Nicolas Winding Refn
D: Ryan Gosling, Carey Mulligan. 100 Min.

Der Driver ist tagsüber Stuntfahrer an Hollywood-Sets, nachts verdient er sich sein Geld als Fluchtfahrer. Als er seine Nachbarin Irene und ihren Sohn Benicio kennenlernt, scheint sich eine Liebesgeschichte zu entwickeln. Doch dann wird Irenes Mann Standard aus dem Gefängnis entlassen, und der Driver entscheidet sich für einen Weg durch düstere, von Kriminalität und Gewalt gezeichnete Szenen.

Ryan Gosling war es, der den Regisseur von DRIVE – Nicolas Winding Refn, auswählte. Es war ihre erste gemeinsame Regiearbeit und der Beginn eines nicht nur beruflichen sondern auch freundschaftlichen Verhältnisses. Wohl kaum ein Film schafft es, trotz so viel grausamer Gewaltszenen am Ende doch das Gefühl eines traumwandlerischen Märchens zu hinterlassen. Der Soundtrack schafft es, dieses Gefühl jederzeit wieder auszulösen.

Verfügbar u.a. auf Amazon Prime, und am Montag, 23. November, um 21:55 Uhr auf arte

THE IDES OF MARCH    Tage des Verrats
US 2011. R: George Clooney
D: George Clooney, Ryan Gosling, Philip Seymour Hoffman. 101 Min.

Ryan Gosling als junger Polit-Berater Stephen Meyers ist ein Shooting Star seiner Branche. Mit allen Mitteln kämpft er für den charismatischen Gouverneur Mike Morris, der gute Chancen darauf hat, der nächste Präsident der USA zu werden. Aber der Wahlkampf ist ein Minenfeld, auf dem sich weder Morris selbst noch Meyers auch nur einen einzigen Fehltritt erlauben dürfen – und natürlich passiert genau das…

Die 59. US-Wahlen waren noch nicht spannend genug? Dann ist das der richtige Zeitpunkt, um sich diesen Polit-Thriller mal wieder anzusehen. Ryan Gosling spielt darin an der Seite von George Clooney (man beachte das großartige Poster-Artwork) und dem 2014 verstorbenen Philip Seymour Hoffman: Eine hervorragende Besetzung.

Verfügbar u.a. auf Netflix

LOST RIVER
US 2014. R: Ryan Gosling
D: Christina Hendricks, Saoirse Ronan. 95 Min.

Eine alleinerziehende Mutter wohnt mit ihren Söhnen in einer im Verfall begriffenen Stadt und muss der Pfändung ihres Hauses und einer unsicheren Zukunft entgegenblicken. LOST RIVER, der zum größten Teil in Detroit gedreht wurde, interessiert sich dabei vor allem für eine bedrückende Stimmung rund um einen mysteriösen Nachtclub und die Betonung von Körperlichkeit.

LOST RIVER taucht in dieselben Welten aus düsterer Gewalt und stilisiertem Neonlicht ein, die Nicolas Winding Refn in seinen Filmen entwirft – jedoch nicht ganz so meisterhaft, wie es Ryan Goslings großem Vorbild gelingt. Christina Hendricks spielt ihre Rolle gewohnt professionell, überhaupt gehört die Besetzung zu den großen Stärken des Films (sogar Goslings Ehefrau Eva Mendes hat einen Gastauftritt). Bildsprache und Handlung passen jedoch einfach nicht zusammen. Ein bisschen weniger Zitat, ein bisschen mehr eigener Stil, hätte Goslings erster Regiearbeit vielleicht gut getan.

Verfügbar u.a. auf Amazon Prime

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