Tag der befrauten Raumfahrt

Absolute Stille. Alles ist in der Schwebe. Die Dunkelheit nimmt alles ein, nur die Satelliten und Himmelskörper glitzern am Horizont. Die Erde in der Ferne, leuchtend blau, ihre Wassermassen im Sonnenlicht gleißend.

Die unendlichen Weiten des Weltalls faszinieren seit jeher, und der Wettlauf um Errungenschaften in der Raumfahrt gipfelte in der bemannten Mondlandung, die 1969 zum ersten Mal gelang. Der heutige Tag der bemannten Raumfahrt feiert die erste ihrer Art durch den Kosmonauten Juri Gargarin am 12. April 1961.

Doch bevor Menschen tatsächlich ins All aufbrachen, taten sie es auf der Leinwand. Hier wurden schon im frühen Film die faszinierenden wie gefährlichen Weiten des Weltalls und die scheinbare Unerreichbarkeit des Mondes herausgefordert. Aus dem Tag der bemannten Raumfahrt soll hier kurzerhand der Tag der befrauten Raumfahrt werden, um zu erforschen, wie Astronautinnen im Film den Weltraum erleben.

Bereits 1929 ist Gerda Maurus als FRAU IM MOND (Deutschland 1929, R: Fritz Lang) Teil einer gewagten Mission zum Mond – in der Zeit der letzten deutschen Stummfilme noch Material für realitätsferne Science Fiction. Als dramatischen Effekt erfand Fritz Lang den Countdown zum Start der Rakete von zehn Sekunden abwärts, mit dem später auch die realen Starts der Raumfahrt eingeleitet werden.

FRAU IM MOND (1929): Gerda Maurus

 

Mit der Realität gewordenen Raumfahrt verändern sich von den 1960er Jahren an die Themen der Filme, die weiter gehen als bis zum Mond. In den unerforschten Tiefen des Weltalls lauern ungeahnte Gefahren, wie Norma Bengell und Evi Marandi in TERRORE NELLO SPAZIO (Italien/Spanien 1965, R: Mario Bava) auf dem Planeten Aura feststellen müssen. Dieser ist von vampirähnlichen Wesen bevölkert, die von fremden Körpern, lebendigen wie verstorbenen, Besitz ergreifen. Ähnlich gruselig geht es in ALIEN (US/UK 1979) zu, dem Meilenstein des Science-Fiction-Horrors vom Regisseur Ridley Scott, der außerdem mit Ellen Ripley (Sigourney Weaver) eine beeindruckend starke wie fähige Frauenfigur etabliert.

ALIEN (1979): Sigourney Weaver

 

Auch der Mars erscheint bald im filmischen Kosmos, und bietet, in der realen Welt noch unerreicht, im Film schon reichlich Kulissen. THE MARTIAN (US 2015), ebenfalls von Ridley Scott, zeigt eindrücklich, wie das Leben – oder vielmehr das Dasein – auf dem roten Planeten aussehen könnte. Die Crew der Marsmission „Ares III“ unter dem Kommando von Melissa Lewis (Jessica Chastain) muss den Mars fluchtartig wegen eines Sandsturms verlassen. Den dabei verletzten Mark Watney (Matt Damon) können sie nicht mehr auffinden und müssen daher von seinem Tod ausgehen. Mit der „Hermes“ machen sie sich auf den monatelangen Rückweg zur Erde ohne ihn.  Mark Watney aber ist am Leben – zurückgelassen auf dem Mars. In einer Jahre andauernden Rettungsaktion muss die Crew um Lewis und Beth Johannsen (Kate Mara) nun ihr Leben für die Rettung seines riskieren.

 

Besonders eindrucksvoll lässt sich der Raum des Weltalls in GRAVITY (US/UK 2013, R: Alfonso Cuarón) erleben. Als Dr. Ryan Stone soll Sandra Bullock am Weltraumteleskop „Hubble“ werkeln, es ist ihre erste Mission im Weltraum. Beim Außeneinsatz scherzt ihr Kollege Matt Kowalski (George Clooney) mit Houston und der ISS über Funk. Alles wirkt friedlich – bis plötzlich der Alptraum einsetzt. Trümmerteile eines Satelliten haben sich zu einem großen Trümmerfeld vermehrt, das auf das Space Shuttle zufliegt. Stone und Kowalski versuchen sich hineinzuretten, doch es ist zu spät: Die beiden werden ins Weltall geschleudert und treiben so, nur mit ihren Raumanzügen ausgestattet, durch die schwerelosen Weiten des Weltalls. Als sie sich wieder orientieren können, wird klar, dass alle Funkverbindung zur Erde gekappt wurde, alle übrigen Kolleg/innen beim Unfall tödlich verunglückt sind.

 

Schon in CAST AWAY (US 2000, R: Robert Zemeckis) konnte man mit Tom Hanks nachfühlen, wie sich das Stranden in einer unbekannten und unwirtlichen Gegend anfühlt. Dieser war auf einer einsamen Insel gestrandet und musste dort einige Jahre Geduld bis zu seiner Rettung beweisen. Eine furchterregende Situation – aber im Gegensatz zu GRAVITY wenigstens auf dem Planeten Erde.

GRAVITY (2013): Sandra Bullock

 

Stattdessen schwebt Sandra Bullock durch die beeindruckende wie gefährliche Weite, und beweist, wie packend ein filmisches Kammerspiel sein kann. Denn der Film spielt fast ausschließlich im Weltall und zeigt über weite Strecken die Schauspielerin allein.

Die im Weltraum verorteten Filme zeigen wieder einmal, dass Filme für das Kino gemacht werden, wo sich die Bilder am beeindruckendsten auf der großen Leinwand entfalten. Keine neue Erkenntnis, aber eine, die uns freuen lässt auf die Zeit, in der man wieder das Erlebnis Kino genießen kann.

Warenkorb