Filmtipps zum Tag der Demokratie

Von Jannis Nickel

Demokratie! Aktuell steht unsere Gesellschaftsform wie lange nicht auf dem Prüfstand. Sie lebt von offenem Austausch und Partizipation, die es zu erhalten gilt, ganz nach dem Sprichwort „Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Tyrannei auf.“ Um das Bewusstsein für politische Mitbestimmung – aber auch deren Fehlen – zu schärfen, wurde 2007 der 15. September von den Vereinten Nationen zum Tag der Demokratie ernannt.

Aus diesem Anlass werden vier Filme zum Thema Demokratie vorgestellt, die aktuell bei Streaming-Anbietern oder in Mediatheken verfügbar sind. Außerdem vor Kinostart ein Blick auf UND MORGEN DIE GANZE WELT (DE 2020).

Deutschland. Dachau. Am Set von UND MORGEN DIE GANZE WELT. Foto: Oliver Wolff © AlamodeFilm

Wie schnell demokratische Strukturen aufweichen und diktatorische Züge sich ausbreiten, aller Lehren aus der Geschichte zum Trotz, zeigt Dennis Gansels Film DIE WELLE (DE 2008). In diesem auf wahren Begebenheiten beruhenden Werk experimentiert Jürgen Vogel als Lehrer in einer Projektwoche zu Staatsformen mit autoritären Ideen und merkt erst zu spät, welch tiefe Wurzeln seine Ansätze bei den Schüler/innen schlagen. Aktuell findet sich der Film auf der Streaming-Plattform Netflix.

Ganz nah an der aktuellen politischen Situation nimmt sich die 3sat-Dokumentation LEBEN STICHT FREIHEIT (DE 2020) der Auseinandersetzungen um den Umgang mit dem Corona-Virus an und beleuchtet den Zusammenhang zu einem Wandel demokratischer Prinzipien. Der Film findet sich hier in der ZDF-Mediathek.

Demokratie, Europa und der Brexit: Hochaktuell ist auch ANGRIFF AUF DIE DEMOKRATIE. WURDE DER BREXIT GEKAUFT? (DE 2019). Die ZDF-Dokumentation beleuchtet illegale Aktivitäten rund um das britische Referendum zum EU-Austritt und deren Hintergründe und stellt die Frage nach den Grenzen der Demokratie. Auch dieser Film ist in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Mannheim. Deutschland. UND MORGEN DIE GANZE WELT. Foto: Oliver Wolff © AlamodeFilm

Weiterhin sei noch der Film UND MORGEN DIE GANZE WELT von Julia von Heinz (DE 2020) empfohlen. Der Film konkurrierte im Wettbewerb der 77. Filmfestspiele von Venedig, läuft ab dem 29. Oktober in den deutschen Kinos und kann so demnächst auf der großen Leinwand genossen werden.

Die Handlung kreist um die Jurastudentin Luisa, die, aus gutem Haus stammend, in eine Kommune zieht und ihren Idealen folgend Anschluss an linke Kreise findet. Beleuchtet werden dabei das rechte, vor allem aber das linke Ende der Demokratie. Wie kann sie gegen den Rechtsruck unserer Gesellschaft und die treibenden Akteur/innen dieser Bewegung verteidigt werden und wie weit darf oder kann man dabei gehen? Stellt Gewalt ein legitimes Mittel dar und gegen wen darf sich Gewalt richten? Beim Erkunden dieser Fragen scheut der Film keinerlei Anspielungen auf tagespolitische Situationen und zeichnet damit ein hochaktuelles Bild unserer Gesellschaft, ohne die persönliche Entwicklung der Protagonistin zu vernachlässigen. Diese wird gespielt von Mala Emde, welche für ihre Leistung mit dem Preis der unabhängigen Filmkritik Bisato d’Oro in Venedig ausgezeichnet wurde.

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