Shark Awareness Day: Und dem Hai gebührt die Ehre!

von Bianca Sedmak

Der Hai hat keinen guten Ruf, denn im sprichwörtlichen Haifischbecken lauert rücksichtlose Konkurrenz. Gangsterboss Mackie Messer aus Brechts Dreigroschenoper ist noch gefährlicher als ein Hai (der wenigstens seine Zähne im Gesicht trägt, doch Mackies Messer, das sieht man eben nicht). Der heutige Tag des Haifischs (14. Juli) ist da eine gute Gelegenheit, sich anlässlich unserer aktuellen Ausstellung IM TIEFENRAUSCH. Film unter Wasser (bis 8. Januar 2023) einmal ins filmische Haifischbecken zu begeben.

Leider kommt der Hai auch im Film nicht immer gut weg. Meistens nimmt er die Rolle des dem Menschen stets überlegenen, blutrünstigen Jägers ein. Kein anderer Film hat  dieses Image stilistisch so geprägt wie JAWS (Der weiße Hai. US 1975. R: Steven Spielberg). Wer JAWS noch nie gesehen hat oder ihn auf der großen Leinwand nochmal schauen möchte, hat heute Abend (Donnerstag, 14. Juli, um 20:15 Uhr) und am Samstag, 16. Juli, um 22:30 Uhr im Kino des DFF die Gelegenheit. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es hier:

 

Eben noch herrscht ausgelassene Stimmung im Wasser, kurz darauf wird ein Kind in die Tiefe gerissen. Übrig bleibt die zerfetzte Luftmatratze – alles ziemlich dramatisch. Klar, der Hai ist ein Allesfresser und ein Raubfisch, aber Menschen stehen nicht unbedingt ganz oben auf seinem Speiseplan. Der weiße Hai, wie er in JAWS gezeigt wird, ernährt sich lieber von Tintenfischen, Thunfischen, Rochen und,  wenn‘s nötig ist, auch von Aas. Gelegentlich werden auch Menschen angegriffen – die Wahrscheinlichkeit steht aber (in den Gewässern der USA) bei 1:11,5 Millionen. Da ist es wahrscheinlicher, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen oder von einem Blitz getroffen zu werden.

Und trotzdem gibt es das Subfilmgenre des Hai-Horrorfilms: In DEEP BLUE SEA (US 1999. R: Renny Harlin) muss sich ein Forschungsteam gegen genmanipulierte Haie zur Wehr setzen.

 

Echt clever, wie sich hier der Hai Zugang zur Unterwasserforschungsstation verschafft. Dieses kalkulierte Verhalten (Genmanipulation hin oder her) hat nicht viel mit seinen Artgenossen in der Natur zu tun. Der im Meer schwimmende Hai hält das Ökosystem im Gleichgewicht, indem er kleine Raubfische verspeist – und nicht, indem er Glasscheiben mit kuriosen Geschossen einwirft.

Und von hier aus ist es nicht mehr weit zum Trash-Movie: Das Mischwesen Sharktopus (vorne Hai, hinten Oktopus) terrorisiert im gleichnamigen Film (US 2010. R: Declan O’Brian) Urlauber:innen, in der darauffolgenden SHARKTOPUS VS-Reihe kämpft das Mischwesen mit anderen abstrusen Tieren (etwa einem Whalewolf). SHARKNADO (Sharknado – Genug gesagt. US 2013. R: Anthony C. Ferrante) und SKY SHARKS (DE 2020. R: Marc Fehse) thematisieren die nicht zu unterschätzende Gefahr von Haiangriffen aus der Luft.

Den Hai als Monster bezeichnet auch der frühe Dokumentarfilm THIRTY LEAGUES UNDER THE SEA von John Ernest Williamson (1914). Der Film zeigt, wie Haie mit einem Köder angelockt, gefangen und harpuniert werden. Ein Zwischentitel lautet „Die Wut des Monsters, als es an die Oberfläche gebracht wird.“ Zu sehen ist dabei der Überlebenskampf des Tieres… Aus filmhistorischer Sicht handelt es sich allerdings um einen echten Schatz, denn es ist vermutlich der erste „echte“ Unterwasserfilm der Geschichte, der auch in unserer TIEFENRAUSCH-Ausstellung  zu sehen ist.

Vorwiegend steht der Hai im Film also für das Monströse – eine ziemlich verquere Sicht, wenn man sich mal vorstellt, dass Haifischflossensuppe mancherorts eine Delikatesse ist. Insbesondere der Weg wie man an die Flossen drankommt, ist erschreckend: da werden die Haie gefangen, die besagten Teile abgeschnitten und der Rest des Tieres wieder ins Meer geworfen. Das sogenannte Shark Finning und der Kampf gegen illegale Fischerei beleuchtet der Dokumentarfilm SHARKWATER (Sharkwater – Wenn Haie sterben. CA 2006. R: Rob Stewart) (zu sehen heute Abend um 18 Uhr im Kino des DFF).

Im Animationsfilm dagegen gelten andere Regeln – denn der bricht gerne mal mit dem blutrünstigen Image des Hais. In FINDING NEMO (Findet Nemo. US 2003. R: Andrew Stanton, Lee Unkrich) treffen Clownfisch Marlin und Paletten-Doktorfisch Dorie auf den furchterregenden weißen Hai Bruce, der sich dann doch als Fischfreund erweist:

 

Selbstverständlich darf der Hai in unserer TIEFENRAUSCH-Playlist auf Spotify nicht fehlen! Dort kann man nicht nur der Moritat des Mackie Messer lauschen, sondern auch die poetischen Zeilen von Rammstein entdecken: Und der Haifisch, der hat Tränen und die laufen vom Gesicht doch der Haifisch lebt im Wasser, so die Tränen sieht man nicht. In der Tiefe ist es einsam und so manche Träne fließt und so kommt es, dass das Wasser in den Meeren salzig ist. (Rammstein: Haifisch)