Tropical Underground. Lecture von Fernão Pessoa Ramos zu SEM ESSA, ARANHA

TROPICAL UNDERGROUND. DAS BRASILIANISCHE CINEMA MARGINAL UND DIE REVOLUTION DES KINOS

„SEM ESSA, ARANHA und Belair Films: Der brasilianische Underground und das Cinema Marginal in den 1970er Jahren”
Lecture von Fernão Pessoa Ramos (Campinas/Chicago)

Veranstaltung im Kino des DFF, 25.01.2018

Wer die kulturelle Globalisierung der Gegenwart verstehen will, kann von der brasilianischen Gegenkultur der 1960er und 1970er Jahre lernen. Mit deren Verbindung von Anthropologie und Avantgarde befasste sich die Campus-Veranstaltung „Tropical Underground“, zu der neben der „Lecture & Film“-Reihe im DFF auch die Fotoausstellung „Variationen des wilden Körpers“ im Museum der Weltkulturen und weitere Veranstaltungen zwischen Oktober 2017 und Juli 2018 gehören. Die „Lecture & Film“-Reihe setzt den Akzent dabei auf das Cinema Marginal der späten 1960er und 1970er und stellt dieses auch in den Kontext des Cinema Novo und der Tropicalia-Bewegung.

Lecture von Fernão Pessoa Ramos (Campinas/Chicago)

Rogério Sganzerlas SEM ESSA, ARANHA, ein 16 mm-Film aus 17 langen Einstellungen, ist ein Meisterstück der Improvisation und ein provokantes filmisches Poem mit dem Superstar des Cinema Marginal, Helena Ignez, in einer der Hauptrollen. Es handelt sich um einen von sechs Filmen, die Rogério Sganzerla zusammen mit Júlio Bressane in der wichtigen, aber nur kurz existierenden Produktionsfirma Belair Films gedreht hat. Diese Filme waren eine radikale künstlerische Reaktion auf die schwierige politische Situation nach der Zensurverschärfung durch die Militärdiktatur im Jahr 1968 in Brasilien.

Fernão Pessoa Ramos ist Professor für Filmwissenschaft an der Universidade Estadual de Campinas (Unicamp). Er war Mitbegründer der SOCINE (Brazilian Society of Film Studies) und ist seit 2018 Gastprofessor an der University of Chicago. Sein 1987 veröffentlichtes Buch Cinema Marginal, a Representação em seu Limite ist ein Meilenstein in der Forschung über das Cinema Marginal.

Film: SEM ESSA, ARANHA
Brasilien 1970.
R: Rogério Sganzerla
D: Jorge Loredo, Helena Ignez, Maria Gladys. 102 Min. Digital. OmeU

Zé Bonitinho oder ‘Aranha’ (dt: ‘Spinne’) erlebt mit seinen drei Frauen verschiedene Abenteuer auf der Straße, in Bars und Kabaretts. Mit geringem Zeit- und Geldaufwand gedreht, besteht der Film aus einer Reihe großteils improvisierter Szenen, die begleitet von viel Musik und Geschrei ohne Drehbuch realisiert wurden und das von Hunger und sozialen Problemen geprägte Brasilien der 60er- und 70er-Jahre zeigen. Aufgrund der Zensur während der Militärdiktatur ist der Film erstmals 1978 öffentlich gezeigt worden.

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