Internationaler Tag der Bildung…in Coronazeiten

von Barbara Dierksen

Zum dritten Mal erinnern die Vereinten Nationen mit einem Internationalen Tag der Bildung an das Menschenrecht auf Bildung. Bei der globalen Nachhaltigkeitsagenda und ihren 17 Zielen, die die UNESCO 2015 verabschiedete, lautet das vierte Ziel, allen Menschen bis 2030 „inklusive, chancengerechte und hochwertige“ Bildung zu ermöglichen. Ein ehrgeiziger Plan, dessen Umsetzung auch ohne Covid-19 eine Mammutaufgabe ist. Doch mit der zusätzlichen Herausforderung einer Pandemie wird selbst in einem fortschrittlichen Land wie Deutschland überdeutlich, wie weit wir entfernt sind von Chancengleichheit, Teilhabe und Bildung für alle. Durch Corona werden die Defizite des deutschen Bildungssystems deutlich sichtbar, die Probleme verschärfen sich und die Herausforderungen wachsen und wachsen. Kulturelle Bildung finden zwar alle wichtig, aber leider hat sie keine Lobby.

Wir haben drei Vertreterinnen von Institutionen, mit denen wir in der Filmbildungsabteilung des DFF seit vielen Jahren eng zusammenarbeiten, gefragt, was Bildung in Coronazeiten für sie und ihre Arbeit bedeutet. Was sie antworteten, spricht uns aus dem Herzen. Mit, trotz, und hoffentlich bald wieder ohne Corona: Wir sind glücklich, dass es sie und ihre wertvolle Arbeit gibt, und dass wir gemeinsam Ideen, Projekte und Visionen im Bereich der kulturellen Bildung entwickeln können.

„Bildung in Coronazeiten ist eine große Herausforderung. Gerade auch die Familien mit Kindern mit Förderbedarf haben große Ängste vor Corona, Angst vor Einsamkeit. Viele Familien, mit denen wir zusammenarbeiten, haben keinen Zugang zu digitalen Geräten und sind nur schwer erreichbar. Hier den Kontakt zu halten, um auf ihre Ängste zu reagieren und verlässliche Ansprechpartnerin zu sein, ist neben meinem beruflichen Alltag meine Hauptaufgabe.“
Samah Affani, Leiterin Kita Lavendula, Frankfurt

„Bildung in Corona Zeiten muss die Stimmen, Wünsche und Ideen der Kinder erhören. Ihr Recht auf Bildung und Selbstbildung in Gruppen voranzustellen, ist aus meiner Sicht ein gesellschaftlicher Auftrag, an dessen Gelingen wir uns messen sollten.“
Bettina Marsden, Leiterin Kita Grüne Soße, Frankfurt

„Kulturelle Bildung lebt vom Miteinander: Austausch, Unterstützung, Interaktion, Kommunikation und Spaß haben sind Teil davon. Gemeinsam malen, drucken, gestalten, tanzen, Musik machen und Filme drehen … voneinander lernen, über sich hinauswachsen und Neues ausprobieren. Vieles davon kann auch online vermittelt werden, aber eben nicht alles. Es fehlt das physische Miteinander, die Begegnungen und Gespräche, die leuchtenden Augen und stolzen Gesichter. Wir freuen uns, wenn die jungen Leute wieder zu uns in die Einrichtung kommen können, um unsere Angebote, Workshops und Werkstätten vor Ort wahrzunehmen.“
Petra Väth, Geschäftsführerin Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim, Frankfurt

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