Alles scheint so mühelos. Kurt Hoffmann zum 110. Geburtstag – Erinnerungen an einen bekannten Vergessenen

Von DFF-Sammlungsleiter Hans-Peter Reichmann

Ich mache meine Filme nicht für die Kritiker, sondern für das Publikum.“

Er ist immer noch eine Marke: Kurt Hoffmann. Im bundesdeutschen Nachkriegskino war Hoffmann, der am 12. November 2020 110 Jahre alt geworden wäre, der Regisseur des Unterhaltungsfilms. Für das harmoniehungrige Wirtschaftswunderpublikum lieferte er Zerstreuung, etwa mit FANFAREN DER LIEBE (1951) oder ICH DENKE OFT AN PIROSCHKA (1955). Immer wieder setzte er seinen leisen Humor, das Kabarett und musikalische Elemente ein, wie bei WIR WUNDERKINDER (1958) und DAS WIRTSHAUS IM SPESSART (1957/58). Auch verfilmte er Erich Kästner, Friedrich Dürrenmatt, Curt Goetz und Thomas Mann. Ende der 1960er, als die Wiederbelebung des Genres Familienfilm an der Kinokasse erbärmlich scheiterte, zog sich Hoffmann ins Privatleben zurück.

Am 14. November 1990 kam Kurt Hoffmann nach Frankfurt am Main, ins Kino des Deutschen Filmmuseums (heute DFF). Sein Film RHEINSBERG (1967) lief in einer kleinen Reihe zum 80. Geburtstag des Gastes. Nach der ausverkauften Tucholsky-Verfilmung folgte ein angeregtes Gespräch mit dem Publikum … In den Jahren danach gab es reichlich Korrespondenz, kurze handschriftliche Notizen, Höflichkeiten zu Geburtstagen und sonstigen Festen,  Ideen für gemeinsame Projekte. Kurt Hoffmann vertraute dem Deutschen Filmmuseum sein Archiv an: Arbeitsdrehbücher, Drehpläne, Fotos und Filmpreise. Mit seiner zweiten Frau lebte er nun in Bad Wörishofen. Gemeinsam organisierten wir in der Kneippstadt mehrere Filmabende. Besucherschlangen vor dem dortigen Kino. Doch Kurt Hoffmann begann sich zu verabschieden, ins eigene Vergessen. Im Kreise seines Publikums aber war er immer noch ganz der Profi, sprach über seine Arbeit, die Kollegen, seine Schauspieler/innen.

29. Juni 2001. München, Ostfriedhof. Die Trauerfeier für Kurt Hoffmann. Vier Tage zuvor war er 90jährig im Pflegeheim gestorben. Ein kleiner Kreis von Angehörigen und Freunden war gekommen um Abschied zu nehmen: darunter Schauspielerin Liselotte Pulver, Produzent Franz Seitz, Schauspieler Gunnar Möller. Die Urnenbeisetzung fand am 27. Juli 2001 in Ronco sopra Ascona statt, dort, wo auch Erich Maria Remarque und Paulette Goddard ihre letzte Ruhestätte fanden. Auf dem Grabstein steht: Kurt Hoffmann Filmregisseur 1910 – 2001 con amore.

Wie schwer die Kunst der leichten Unterhaltung auch immer sein mag – bei Kurt Hoffmann spürt man nie die Anstrengung, diesen Kampf. Alles scheint selbstverständlich und mühelos … (Bayerischer Filmpreis, 1995)

Die Nachrufe trugen Überschriften wie „Der Mann, der die Pulver erfand“, „Humor, der aus dem Herzen kam“, „Die Liebe zum Leichten“. Eine Zeitung verlieh ihm das Prädikat: „der wohl bekannteste Vergessene des deutschen Nachkriegsfilms“.

Nekrologe haben immer etwas Mildes, Versöhnliches und doch Fernes. Schauen wir uns doch lieber einen Hoffmann-Film an. Zum Beispiel in der arte-Mediathek, wo derzeit noch bis März 2021 Kurt Hoffmanns DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER (BRD 1954) zu sehen ist.

Titelbild: Kurt Hoffmann bei Proben mit Liselotte Pulver (DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt am Main / Nachlass Kurt Hoffmann)

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