Die schönsten Leinwandküsse

Zum Tag des Kusses hat das Team des DFF einige Kussszenen zusammengetragen, die in Erinnerung geblieben sind.

Überwältigend, abschreckend, romantisch, witzig, endlos, flüchtig, lang ersehnt, verspätet, verboten, vepasst… all das können Filmküsse sein. Fangen wir mal ganz von vorne an:

THE KISS (US 1896)

Den wohl ersten Filmkuss zeigt diese Szene aus der New Yorker Komödie The Widow Jones: Auf Wunsch der Zeitung inszenierten May Irwin und John Rice ihren Kuss für die Kamera. Der daraus entstandene Film war der populärste Edison-Vitascope-Film des Jahres 1896.

Übrigens: Liesl Karstadt hat mit Karl Valentin 1913 ebenfalls einen Kurzfilm mit dem Titel DER KUSS gedreht, der wohl nur noch fragmentarisch erhalten ist.

 

THE KISS IN THE TUNNEL (George Albert Smith, GB 1899)

Eine der vielleicht unspektakulärsten, leidenschaftslosesten Kussszenen der Filmgeschichte, und dennoch eine der bedeutendsten: der Einminüter THE KISS IN THE TUNNEL (eigentlich müsste es KISSES heißen, denn es sind streng genommen drei Küsse, die der Mann der Frau verpasst, während der Zug durch den Tunnel fährt) ist filmhistorisch gesehen gleich doppelt interessant. Zum einen stellt er ein Paradebeispiel des „Phantom Ride“-Genres dar, das in den Anfangsjahren des Films sehr beliebt war. Dabei wurde die Kamera an der Spitze einer Lokomotive montiert, so dass deren Fahrt eine sogartige, „geisterhafte“ Bewegung erzeugte. Zum anderen bietet der Film neben einer dieser ersten Kamerafahrten der Filmgeschichte auch eines der ersten Beispiele für Montage: Drei Einstellungen werden verbunden und schaffen dadurch einen Erzählzusammenhang, der Ende des 19. Jahrhunderts, als die meisten Filme nur aus eine einzigen Einstellung bestanden, bemerkenswert war.

 

LÈVRES COLLÉES (FR 1907)

Der französische Kurzfilm der Filmproduktionsunternehmens Pathé Frères aus dem Jahr 1906 präsentiert den vielleicht lustigsten Kuss des frühen Films, der sich auf dem Postamt ereignet. So leidenschaftlich wie es zuerst erscheint ist der Kuss gar nicht – die beiden Küssenden sind einfach aneinender festgeklebt! …zu sehen übrigens auch in der Dauerausstellung des DFF!

 

SNOW WHITE AND THE SEVEN DWARFS (David Hand u.a., US 1937)

Mit einem liebevollen Kuss erweckt ein Prinz das von den sieben Zwergen umtrauerte Schneewittchen zu neuem Leben: Eine von vielen klassischen Disney-Szenen, die vom 8. August an in unserer neuen Sonderausstellung The Sound of Disney im Zentrum stehen!

 

VERTIGO (Alfred Hitchcock, US 1958)

Filmküsse in den 1950er Jahren: Hier haben Jimmy Steward und Kim Novak unter der Regie von Alfred Hitchcock sich nach ganz oben geküsst:

 

MÄDCHEN IN UNIFORM (Géza von Radványi, BRD 1958)

Den ersten romantischen Filmkuss zwischen zwei Frauen inszenierte Leontine Sagan in MÄDCHEN IN UNIFORM (DE 1931) über eine Schülerin, die sich in ihre Lehrerin verliebt. Der Film sorgte seinerzeit für großes Aufsehen und gilt bis heute als Kultfilm in der LGBTQ+-Community. 1958 verfilmte Géza von Radványi die Geschichte mit Romy Schneider neu.

 

BREAKFAST AT TIFFANY’S (Blake Edwards, US 1962)

Wie Hund und Katze? In einem der beliebtesten Küsse der Filmgeschichte verleihen Audrey Hepburn und George Peppard dieser Redwendung eine ganz neue Bedeutung…

 

LIFEFORCE (Tobe Hooper, US 1985)

ACHTUNG, nicht jugendfrei: Eine der unheimlichsten Kussszenen aus dem Horror/SciFi-Segment zeigt, dass selbst aufwendige Schutzmasken und Handschuhe kein Hindernis sind, wenn das Verlangen groß ist…

 

NUOVO CINEMA PARADISO (Giuseppe Tornatore, IT/FR 1988)

Filmküsse im Film: Die wahrscheinlich ergiebigste Sequenz der schönsten Leinwandküsse sehn wir in NUOVO CINEMA PARADISO, als sich ein früherer Filmvorführer die zensierten Kussszenen anschaut, die damals nicht gezeigt werden durften. Eine Liebeserklärung an die Kraft des Kinos!

 

CRY BABY (John Waters, US 1990)

Eine Anleitung zum French Kiss gibt es in dieser Musical-Parodie: Der Rebell Wade Walker (ein noch sehr junger Johnny Depp) gibt Allison (Amy Locane) eine Lektion im Knutschen.

 

BRAM STOKER’S DRACULA (Francis Ford Coppola, US 1992)

Der einzige Kuss, den es wohl nur in der Kunst gibt, ist der Vampirkuss. Francis Ford Coppola inszeniert ihn in einzigartiger Weise neu, Draculas Kuss für Mina ist voller Zärtlichkeit, Zweifel und Zögern – während Mina selbst sich längst sicher ist: sie möchte Vampir werden! Ein folgenschwerer Filmkuss…

 

SHE’S ALL THAT (Robert Iscove, US 1999)

Wenn es um Filmküsse geht, dürfen US-amerikanische High-School-Filme nicht fehlen – allein wegen der oft mitreißenden Soundtracks: Wer kommt bei Sixpence None the Richer nicht in Knutschlaune?

 

SPIDER-MAN (Sam Raimi, US 2001)

Der wohl schönste (und viel zitierte!) Kuss in einer Comic-Verfilmung: Ohne zu ahnen, dass unter der Maske ihr unscheinbarer Nachbar Peter Parker steckt (der heimlich in sie verliebt ist) küsst Mary Jane Spider-Man, nachdem er sie gerettet hat. Und dann regnet es auch noch – hier passt ja wirklich alles!

…und so hat es die Szene auch gleich in eine Folge von THE SIMPSONS geschafft:

 

MATRIX RELOADED (The Wachowskys, US 2003)

Ein „Abbild“ der Liebe – Monica Belucci spielt in der Fortsetzung des Überraschungserfolgs MATRIX eine moderne Persephone, ein Programm, das menschliche Emotionen studiert – und dabei sehr verführerisch aussieht. Von ihr erhofft sich der „Auserwählte“ Neo Zugang zum Schlüsselmacher, um den Zentralcomputer der feindseligen Maschinen zu hacken. Der Preis, den sie fordert, ist ein Kuss. Aber kein flüchtiges Busserl. Persephone möchte ein „Sample“, ein Muster der Liebe, sammeln, und so geküsst werden, als sei sie Neos große Liebe Trinity, die dabei zusehen muss:

 

DRIVE (Nicolas Winding Refn, US 2011)

Nochmal ACHTUNG: Auch diese Szene ist nicht jugendfrei. Bei diesem Filmkuss steht die Zeit still. Aber es wäre kein Nicolas Winding Refn, wenn nicht die schönste Szene des Films unmittelbar die brutalste einleiten würde…

 

WARM BODIES (Jonathan Levine, US 2013)

Julie erweckt im Zombie ‚R‘ so starke Gefühle, dass er wieder zum Menschen wird. Nach einem Sturz in einen Pool rettet sie ihn, und küsst ihn voller Liebe quasi endgültig zurück ins Leben:

 

SWISS ARMY MAN (US 2016, Daniel Kwan, Daniel Scheinert)

Ganz intim und super gefühlvoll: Als die beiden zu ertrinken drohen, gibt Hank (Paul Dano) seinem eigentlich schon toten Webegleiter Manni (Daniel Radcliffe) einen Kuss unter Wasser (dass Manni mit einer gigantischen Blähung antwortet und so beide an die Wasseroberfläche befördert, ist im Clip aber nicht zu sehen):

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