Streaming the French Way: Autorenkino on Demand

Diese sechs* alternativen Streaming-Dienste empfiehlt das französische Popmagazin Les Inrockuptibles

… darunter sowohl französische Anbieter mit internationalem Angebot als auch aufstrebende Branchengrößen wie die Plattform MUBI, die DFF-Kollegin Dora Jäkel für Euch bereits genau unter die Lupe genommen hat.

Der folgende Beitrag ist eine Übersetzung aus dem Französischen. Original erschienen am 5.4.2019 auf lesinrocks.com

Rund um die SVOD-Giganten Netflix und Amazon Prime Video florieren mehrere auf Autorenkino und nationale Produktionen spezialisierte Plattformen, die immer mehr Kinobesucher/innen anziehen. Hier sind acht von ihnen, die ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm bieten.

Der Markt für VOD (Video-on-Demand) und SVOD (Video-on-Demand-Abonnements) entwickelt sich ständig weiter, und angesichts der Dominanz von Netflix planen alle großen Unternehmen (Disney, Apple) Vergeltungsmaßnahmen, um sich ihren Anteil an diesem imposanten Kuchen der Unterhaltungswelt zu sichern. Das kuratorische Prinzip des Marktkönigs (ebenso wie das von Amazon Prime) lässt jedoch im Bereich des Kulturerbes und des Autorenkinos vielleicht etwas zu wünschen übrig. Dennoch ist für viele Filmliebhaber/innen mit dem Streaming ein Traum wahr geworden, der als Mischung zwischen Videoclub und Filmbibliothek daherkommt, und mobilen Zugang zu einer Vielzahl von Filmographien zu einem relativ niedrigen Preis ermöglicht. Mit dem Ziel, diesen kuratorischen Mangel auszugleichen, entstehen mehr und mehr Alternativmodelle, Plattformen am Rande des Kinomainstreams, die parallel zu den großen, nennen wir sie „Kompressorwalzen“, des Filmstreamings einen Aufschwung erleben. Hier ein kurzer Überblick über diese Angebote.

1. MUBI

Ursprünglich The Auteurs genannt, ist Mubi die unverzichtbare Plattform für Kinobesucher/innen, die Zugang zu Autorenkino per Streaming wollen. Mubi schöpft sowohl aus Klassikern, die man gesehen haben muss, als auch aus kleinen Filmperlen (die manchmal sogar erst seit Kurzem oder nur auf Festivals gezeigt werden) und folgt einer anspruchsvollen und abwechslungsreichen kuratorischen Linie, die regelmäßig um Themen herum organisiert wird; von der Filmauswahl der „Quinzaine des Réalisateurs“ von Cannes bis hin etwa zu Teilen der Filmografie von François Truffaut. Die Funktionsweise ist auch ziemlich einzigartig: Jeder Film ist nur einen Monat lang verfügbar, was in diesem Fall bedeutet, dass die Plattform stets genau 30 Filme im Angebot hat (jeden Tag wird einer hinzugefügt und einer gelöscht). Ausleihen sind gleichermaßen verfügbar, und all dies geht einher mit Community-Angeboten (Bewertung von Filmen, Erstellung von Listen…), die jeder/m die Möglichkeit bietet, seinen Geschmack und seine Leidenschaft für das Kino zu teilen.

Preise: Abonnement zu 8,99 € pro Monat.

2. LaCinéTek

LaCinétek, auch bekannt als „Filmbibliothek der Filmschaffenden“, ist eine VOD- und SVOD-Siite, die sich den Klassikern des 20. Jahrhunderts widmet und deren Katalog Regisseur/innen aus der ganzen Welt (u.a. Apichatpong Weerasethakul, James Gray, Arnaud Desplechin, Paul Verhoeven usw.) anhand ihrer 50 Vorzeigefilme zusammenstellt. Regelmäßig werden Neueinträge in den Katalog von LaCinétek aufgenommen. Derzeit sind mehr als 950 Filme (davon mehr als 250 bislang im VOD unveröffentlicht) verfügbar. Neben dem Video-on-Demand-Dienst sind auch Lieblingsfilmlisten beteiligter Regisseur/innen einsehbar, darüber hinaus gibt es exklusive Bonusangebote (einschließlich seltener Archive). Außer dem Katalog der Filmschaffenden, der nur in VOD (Kauf und Verleih) erhältlich ist, bietet La Cinétek auch SVOD an: Jeden Monat wird eine Auswahl von zehn Filmen, die durch ein gemeinsames Thema miteinander verbunden sind, per Streaming zugänglich gemacht. Bei diesem Angebot können im Laufe eines Jahres insgesamt 120 Filme angeschaut werden.

Preise: ab 2,99 € (VOD und Abonnement).

3. Tënk

Tënk ist eine 2016 gegründete Plattform, die sich auf Autoren-Dokumentarfilme spezialisiert hat. Der Ehrgeiz ihrer Schöpfer/innen kommt im Editorial zum Ausdruck: „Euch außergewöhnliche Dokumentarfilme (endlich!) entdecken oder wiederentdecken zu lassen, weil es keine Verbreitung außerhalb von Festivals, Schulen und Insiderkreisen gibt“. Das reichhaltige und facettenreiche Programm ist nach Titeln und Kategorien unterteilt, die relevanter und präziser sind als die üblichen. Sie reichen von „Art“ und „Science“ über „Music“ und „Listen“ (Filmen, bei denen das Klangerlebnis im Mittelpunkt steht) hin zu „Cream of the Screens“ (Festivalerfolgen)**. Die Plattform bietet ständig Zugang zu etwa sechzig Filmen unterschiedlicher Länge, die jeweils zwei Monate verfügbar sind und wöchentlich mit Neuzugängen aktualisiert werden. Dank seiner Partnerschaften mit verschiedenen Medien […] wird dieses französische Angebot weiter ausgebaut. Die Site ist auf Englisch verfügbar, alle Filme sind in der Regel optional Französisch oder Englisch untertitelt.

Preise: Abonnement zu 6 € pro Monat, 60 € pro Jahr und 4 € pro Monat für Studierende.

4. Outbuster

Sind Sie es leid, internationale Filmhighlights zu verpassen, weil sie hierzulande nicht verfügbar sind? Outbuster wurde geschaffen, um diese Lücke zu füllen. Dank einer Partnerschaft mit Sens Critique stützt sich die Plattform auf Ratings ihrer Gemeinschaft, um unveröffentlichte Filme aus den verschiedensten Bereichen anzubieten. Da die Filmindustrie die Art der Filme, die es in die Kinos schaffen, zunehmend normiert, verfolgt Outbuster das Ziel, eine wirkliche Alternative nach dem Kriterium der Originalität anzubieten, indem es sich Industrien widmet, die vom hiesigen Vertrieb vernachlässigt werden (insbesondere Afrika). Das Ganze hat einen wirklich benutzerfreundlichen Aspekt, schon allein aufgrund der komplett auf User-Ratings basierenden Programmierung. Grundsätzlich ist es möglich, ein Abonnement (mit einem kostenlosen ersten Monat) abzuschließen oder einen Film einzeln zu leihen.

Hinweis der Redaktion: Der Webauftritt sowie Untertitel der grundsätzlich im Originalton gezeigten Filme sind aktuell leider nur auf Französisch verfügbar. Alle polyglotten und/oder französischsprachigen Filmfans: Schaut rein!

Preise: Abonnement zu 6 € pro Monat oder 3 € pro Filmmiete.

5. Fandor

Fandor wurde offiziell am 9. März 2011 auf dem South by Southwest Festival in Austin (Texas) ins Leben gerufen. Fandor ist eine amerikanische Streaming-Plattform, die eine große Auswahl an Independent-Filmen aus der ganzen Welt anbietet. Die Werke sind nach Genres und vor allem nach Ländern geordnet, was es ermöglicht, wenig bekannte Filme aus unterrepräsentierten Filmländern (insbesondere afrikanische Kinematographien) zu entdecken. Darüber hinaus werden 50% der von der Website erzielten Einnahmen an die Filmrechteinhaber/innen zurückgezahlt. Die Website bietet auch kostenlose Videos – begleitet von Textbeiträgen, die die Seherfahrung bereichern (zum Beispiel: die Verwendung von Ton in Alfonso Cuaróns CHILDREN OF MEN).

Preise: $5,99 pro Monat und $49,99 pro Jahr.

6. ByNWR

Die Plattform des Filmemachers Nicolas Winding Refn (DRIVE, THE NEON DEMON) ist 2018 an den Start gegangen und mittlerweile auch auf Französisch verfügbar. Das Prinzip: Kostenlos Winding Refns liebste B-Movies anschauen, die nirgends sonst verfügbar sind. Als eine Art Quartalsmagazin konzipiert, wird die Website alle vier Monate mit einer „Edition“ gefüttert, die drei restaurierte Filme, aber auch Gastbeiträge zu diesen Filmen, enthält (nach dem Beispiel der Beiträge des Autors Jimmy McDonough für die erste Edition). Die Plattform soll ein Raum der Gegenkultur sein, in dem der Wert des Kinos anhand vergessener Werke verhandelt wird.

* Zwei der ursprünglich acht Empfehlungen im französischen Originalbeitrag haben wir aufgrund der fehlenden internationalen Verfügbarkeit weggelassen. Alle Originalempfehlungen hier nachlesen.

** Textpassage anhand des aktuellen eglischsprachigen Angebots leicht überarbeitet

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