Filmrezepte: Der original TWIN PEAKS Cherry Pie

von Jenni Ellwanger

Als 2017 die Neuauflage von David Lynchs 90er-Jahre-Kult-Serie TWIN PEAKS in den Startlöchern stand, trieb eine Frage die Fans fast noch mehr um als das Casting: „Bleibt der Cherry Pie?“

Ohne den amerikanischen Gebäck-Klassiker („Diane, you have to try this pie“) und eine frisch gebrühte Tasse des „damn good coffee“ aus dem Double R Diner wären Agent Dale Cooper und das Horror-Örtchen Twin Peaks kaum denkbar.

Erstaunlich oft sind es kulinarische Nebendarsteller, die in der Filmgeschichte einen eigenen Kultstatus entwickeln. Das DFF stellt sie in einer kleinen Blogserie vor, natürlich mit Rezept!

In der Mystery-Serie TWIN PEAKS um den Mord an der High-School-Schülerin Laura Palmer sind sie unvergesslich: Die versonnenen Momente schlichten Genusses, in denen Coop sich ein Stückchen seines Lieblings-Pies kredenzt – nie ohne es als „damn good“ beziehungsweise  „damn fine“ zu loben.

Mittlerweile wissen wir: Ja, auch in der Neuauflage kommt der Cherry Pie zu Ehren. Zum Beispiel in dieser Szene, die komplett auf dem Kult um das Gebäck aufbaut:

 

Doch das größte Geheimnis blieb bisher ungelüftet: Welches Rezept steckt hinter dem original TWIN PEAKS Cherry Pie?

Fan-Foren, unzählige Foodblogs, ein eigenes TWIN PEAKS-Kochbuch, diverse YouTube-Videos und sogar die New York Times haben sich bereits dieser Frage angenommen. Letztere schickte 2017 Reporterin Sara Bonisteel auf die Suche nach der Genusslegende – mit diesem Ergebnis:

„Ein authentisches Rezept für Twin Peaks Cherry Pie zu finden, ist in etwa so leicht, wie dahinterzukommen, wer Laura Palmer getötet hat.“

So umschreibt Bonisteel ihre Recherche, bei der sie das Rezept zurück zu dessen Ursprüngen verfolgt hat: Zu Twede’s Cafe, vormals Mar-T Cafe, einem etwa 30 Meilen östlich von Seattle gelegenen Restaurant, das als Kulisse für Lynchs Serien-Diner diente. Sie war nicht die Einzige: Bis heute strömen Touristen aus aller Welt an diesen Ort, um ein Stückchen des berühmten Pies zu kosten.

Two more pieces of this incredible pie“. FBI-Agent Dale Cooper ist seit dem ersten Bissen überzeugt.

Doch es gibt ein Problem. Mit der Neubewirtung von Mar-T’s änderte sich das Rezept. Schlimmer noch: Das Wissen um das Original starb womöglich 2002 mit der Angestellten Garnet Mae Cross, die die Pies damals für die Serie herstellte. Die noch lebende Inhaberin kennt es nicht – oder rückt es zumindest nicht heraus.

Zum Glück tappen wir nicht völlig im Dunkeln, denn es gibt Hinweise auf das Kuchen-Geheimnis. Für die Pies würden Süßkirschen und Mandelaroma verwendet, heißt es. Und: Der Mürbeteig für die Pie Crust enthalte das typische „vegetable shortening“ – vegetarisches Backfett.

Nach gründlicher Recherche und zahlreichen Rezeptvergleichen erarbeitete Sara Bonisteel für die Times ihre Version des Filmklassikers, die sie als den „Cherry Pie in HD“ beschreibt. Zur Werktreue ist zu sagen, dass Bonisteel großzügig von den ohnehin raren Vorgaben abweicht. Bei der Füllung ersetzt sie Mandelaroma durch Kirschwasser oder -likör (uneingeschränkte Empfehlung! Bittermandelaroma konnte im Test jedenfalls nicht überzeugen). Der Teig ist mit selbstgesäuerter Buttermilch unnötig kompliziert. Das komplette Rezept ist hier verlinkt, jedoch haben wir im Folgenden die nun wirklich ultimative Alternative zusammengestellt:

TWIN PEAKS Cherry Pie
in der DFF-Variante

Die New York Times ging dem berühmten Cherry Pie 2017 auf die Spur. Foto: Jessica Emily Marx for The New York Times

Für die Füllung
(Nach Sara Bonisteel)

8 Tassen (ein gutes Kilo) entsteinte Sauerkirschen, frisch oder gefroren
1 Tasse (200g) Zucker
36g (4 EL) Maisstärke
1/2 TL Salz
45ml Kirschlikör oder Kirschwasser (Wasser geht auch, bei Likör ggf. Zuckermenge reduzieren)
*optional Mandelaroma oder einige Spritzer Zitronensaft

„Double-Crust“ Mürbeteig
(Nach Salt Magazine’s Twin Peak Cherry Pie)

2½ Tassen (310g) Mehl
2 TL Zucker
¾ TL Salz
1 Tasse (240g) Butter, gekühlt (*besser: erst zerstückelt und dann gefroren)
Mutige wählen Butterschmalz oder originalgetreu Pflanzenfett (Kokos/Biskin)
6 TL Eiswasser (*wichtig!)
1 Ei (zum Bestreichen)

Und so geht’s:

1. Für den Teig Mehl, Zucker und Salz vermengen. Die kalte Butter mit einem Messer in kleine Teile stückeln, dazugeben und anschließend alles auf einer Arbeitsfläche feinhacken. Alternativ mit der Küchenmaschine zerkleinern, bis eine krümelige Masse entsteht.
2. Nach und nach genügend Eiswasser untermischen, bis sich feuchte Klümpchen bilden, aber nicht so viel, dass alles zusammenklebt. Kleine Butterstückchen sollen noch im Teig sichtbar sein – so wird er besonders blättrig und knusprig.
3. Den Teig mit den Händen zu einer Kugel formen und in zwei Hälften teilen. Beide Hälften zu platten Scheiben drücken, in Frischhaltefolie wickeln und mindestens 2 Stunden kalt stellen.

4. Für die Füllung Kirschen, Zucker, Stärke und Salz in einen mittelgroßen Topf geben und bei mittlerer Hitze aufkochen, bis die Kirschen auftauen (falls gefroren) und sich Stärke und Zucker auflösen. Falls Sie Likör durch Wasser ersetzen, dieses dazugeben.
5. Anschließend die Hitze reduzieren und köcheln lassen, bis die Mischung etwas dicker wird. Dabei gelegentlich umrühren. Insgesamt etwa 20 Minuten kochen.
6. Optional Likör hinzufügen, umrühren und vom Herd nehmen. Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.

Ofen auf 220°C vorheizen.

7. Auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche beide Teigscheiben nacheinander zügig zu 3mm dicken Kreisen von etwa 38cm Durchmesser ausrollen, dabei jeweils die unbearbeitete Hälfte kühlen.
8. Hälfte eins in eine Pie-Form mit 22cm Durchmesser einpassen und kühl stellen, Hälfte zwei in etwa 5cm breite Streifen schneiden.
9. Pie-Form mit der Kirschmasse befüllen, optional mit Butterflöckchen bestreuen
10. Die Hälfte der Gitterstreifen parallel über die Oberseite legen, den Rest quer darüber flechten. Für den besonderen Twin-Peaks-Look alternativ den Teig in fünf Zickzackstreifen schneiden und damit die Füllung belegen.
11. Die Ränder andrücken, überstehende Stücke abschneiden und rundherum Pie-typisch kräuseln: Dazu von außen den Zeige- und Mittelfinger an den Rand drücken und von innen den Daumen in die Zwischenmulde drücken. Dieses Muster den Rand entlang wiederholen.
12. Das Ei in einer kleinen Schüssel verquirlen und damit das Gitter bestreichen. Den Pie auf ein Backblech setzen, falls etwas überläuft.

Empfohlen wird, den Pie zunächst bei 220°C für 20 Min, dann bei 180° weitere 30-40 Min. zu backen. Alternativ alles bei 200°C gut 55 Min backen, bis die Kruste goldbraun ist und die Füllung dick blubbert.

Lauwarm mit Schlagsahne servieren: damn fine.

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