Ein Festival mit Filmklassikern der 1920er im Heimkino

Filmblog von Frauke Haß

Babylon Berlin macht es möglich: Die ARD-Mediathek nimmt den Start der dritten Staffel der Serie zum Anlass, Filme der 1920er Jahre zu feiern, und zwar noch bis zum 18. Oktober. Insgesamt sind zwölf Filme zu sehen, von Regisseuren wie Friedrich Wilhelm Murnau über Georg Wilhelm Pabst und Robert Siodmak bis zu Lotte Reiniger und Fritz Lang. Ein wunderbarer Schatz aus der Stummfilm- und frühen Tonfilmzeit und eine einmalige Gelegenheit, so viele Klassiker aus dieser Phase der Filmgeschichte gebündelt im Heimkino zu sehen.

In meiner Kindheit in den 1970ern hätte so ein Angebot noch keine Maus hinter dem Ofen vorgelockt. Damals war es vollkommen üblich, im Fernsehen Stummfilme und Filmklassiker zu sehen. Allein das damals noch begrenzte Filmangebot sorgte dafür, dass die Fernsehanstalten immer wieder gerne auf die Filmgeschichte zurückgriffen, um ihre Programme voll zu bekommen. Filme mit Stan Laurel und Oliver Hardy waren regelmäßiger Teil des Kinderprogramms (sic!) und unter dem bekloppten Titel „Väter der Klamotte“ zeigte das ZDF Kurzfilmkomödien aus den 1910er und 1920er Jahren mit Stars wie Charley Chase, Snub Pollard, Billy Bevan, Ben Turpin, Larry Semon, Bobby Vernon und Jack Duffy oder Charlie Chaplin.

Aber auch im Abendprogramm waren Langspielfilme aus der Filmgeschichte regelmäßig im Angebot Mindestens drei Mal habe ich als Kind begeistert KING KONG (US 1933, R: Merian C. Cooper, Ernest B. Schoedsack) gesehen. GODZILLA (JP 1954, R: Ishirō Honda) gehörte ebenso zum Programm wie DER BLAUE ENGEL, Fritz Langs M mit dem herrlich einschüchternden Peter Lorre oder DR. MABUSE. Besonders begeistert war ich von Richard Eichbergs DER TIGER VON ESCHNAPUR (DE 1938).

Alles Geschichte. Schwarzweiß gilt bei den TV-Anstalten als Quotenkiller und wird, wenn überhaupt, bestenfalls in den frühen Morgenstunden ausgestrahlt. Jetzt aber immerhin in der Mediathek – ein liebevoll zusammengestelltes Premiumpaket an Zwanziger-Jahre-Filmen, die man gesehen haben sollte. Eine wunderbare Gelegenheit, sich am Wochenende ein Festival-Programm im Heimkino zusammenzustellen und etwa Lotte Reinigers Scherenschnitt-Kurzfilm ASCHENPUTTEL zu sehen, Robert Siodmaks betörenden Berlinfilm MENSCHEN AM SONNTAG, der vier junge Berliner Menschen (sämtlich Laiendarsteller) einen Sonntag lang an den Nikolassee begleitet und dabei filmästhetisch hoch reizvolle Bewegtbilder der überschäumenden Großstadt zeigt. Als Höhepunkt bietet sich Fritz Langs gefilmtes Meisterwerk METROPOLIS an, das eine in expressionistischer Ästhetik gestaltete, horrible Großstadt der Zukunft zeigt, in der die arbeitenden Massen in den Katakomben schuften, während die Reichen im Luxus schwelgen.

Das komplette Programm (noch bis 18. Oktober in der ARD Mediathek):

DIE FRAU IM MOND (DE 1929, R: Fritz Lang)

BÜCHSE DER PANDORA (DE 1929, Georg Wilhelm Pabst)

ASCHENPUTTEL (DE 1922, R: Lotte Reiniger)

MENSCHEN AM SONNTAG (DE 1929, R: Robert Siodmak)

M(DE 1931, R: Fritz Lang)

TAGEBUCH EINER VERLORENEN (DE 1929, R: Georg Wilhelm Pabst)

BERLIN, ALEXANDERPLATZ (DE 1931, R: Phil Jutzi)

DR. MABUSE, DER SPIELER, Teil 1 (DE 1921, R: Fritz Lang)

DR. MABUSE, INFERNO, Teil 2 (DE 1921, R: Fritz Lang)

METROPOLIS (DE 1927, R: Fritz Lang,)

DER LETZTE MANN (DE 1924, R: F.W. Murnau,)

DER BLAUE ENGEL (DE 1929, R: Josef von Sternberg,)

Aber übertreiben Sie es nicht mit dem Heimkino. Wenn Sie in einem Jahr noch ins Kino gehen wollen, sollten Sie das auch jetzt tun. Und zum Beispiel Eliza Hittmans NEVER RARELY SOMETIMES ALWAYS in der Frankfurter Harmonie oder im Cinema anschauen, Sofia Coppolas ON THE ROCKS ebenda oder Philippa Lowthorpes MISBEHAVIOUR im Cinestar Metropolis

Sonst gibt es bald keine Kinos mehr.

Und das wäre ein Alptraum, schlimmer als METROPOLIS.

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