Retrospektive Federico Fellini

Der 1920 in Rimini geborene und 1993 in Rom gestorbene Federico Fellini ist einer der am meisten bewunderten Regisseure des italienischen Kinos und der Filmgeschichte weltweit. Er erhielt fünf Oscars® und gilt als Verfechter des ungezügelten Individualismus, der absoluten Freiheit des Schöpfers. Mitte November begann im Kino des DFF eine umfangreiche Retrospektive, die alle Kino-Spielfilme von Fellini sowie eine Auswahl von Episoden-, Fernseh- und Dokumentarfilmen präsentiert, die nun im Januar mit zahlreichen weiteren Filmen (sowie Wiederholungen von LA CITTÀ DELLE DONNE und SATYRICON) ihren Abschluss findet.

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Samstag  01.01.2022

17:30 Uhr

LA CITTÀ DELLE DONNE

Fellinis Stadt der Frauen
Italien/Frankreich 1980. R: Federico Fellini. D: Marcello Mastroianni, Anna Purchnal, Bernice Stegers. 139 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

In LA CITTÀ DELLE DONNE spielt Marcello Mastroianni einen alternden Frauenhelden, der auf einer Zugfahrt eine Frau im Nachbarabteil bemerkt und dieser in ein abgelegenes Hotel folgt. Dort findet zu seiner Überraschung gerade ein feministischer Kongress statt. Die Frauen nehmen den Mann schnell in den Fokus. In der Folge lässt Fellini verschiedene skurrile wie surreale Szenen zwischen Traum und Albtraum ineinanderfließen. LA CITTÀ DELLE DONNE ist eine Reflexion Fellinis eigener Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität. „Fellini gelingt das Porträt eines nicht mehr jungen Mannes, der verwirrt und verängstigt auf die Frauenbewegung reagiert. (…) Er hat durchaus recht, wenn er akzentuiert, dass dieser Film weniger ein Film über die Frauen sei als ein Film über einen Mann, der, in der alten Kruste des italienischen Männlichkeitsmythos verharrend, sich nicht zu helfen weiß.“ (Thomas Koebner)

Sonntag  02.01.2022

17:30 Uhr

GIULIETTA DEGLI SPIRITI

Julia und die Geister
Italien/Frankreich 1965. R: Federico Fellini. D: Giulietta Masina, Sandra Milo, Mario Pisu. 137 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

Der erste abendfüllende Farbfilm des Regisseurs und eine Art Komplementärstück zu OTTO E MEZZO: Giuletta ist eine wohlsituierte Frau, die den Sommer in einem Landhaus verbringt. Ihr Ehemann ist oft abwesend und verhält sich zunehmend distanziert. Während einer Séance kommt die Frau in Kontakt mit der Geisterwelt und geprägt von dieser Erfahrung beginnt sie ihrem Mann nachzuforschen, der eine Affäre zu haben scheint. Fellini beschwört in GIULIETTA DEGLI SPIRITI einen traumwandlerischen Strudel aus Visionen, bizarren Charakteren und fantastischen Erinnerungen. Während die Grenzen zwischen Realität und Imagination zunehmend durchlässig werden, verschreibt sich der Film ganz der Darstellung der Innenwelt seiner Protagonistin. Nicht zuletzt ist der Film auch eine Hommage des Regisseurs an seine Ehefrau, Giulietta Masina.

Dienstag  04.01.2022

20:30 Uhr

SATYRICON

Italien/Frankreich 1969. R: Federico Fellini. D: Martin Potter, Hiram Keller, Max Born. 129 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

Basierend auf dem gleichnamigen Fragment von Titus Petronius Arbiter erzählt Fellinis SATYRICON in lose verbundene Episoden vom Leben im alten Rom des 1. Jahrhundert nach Christus. Alles beginnt mit einem Streit um einen jungen Knaben zwischen den Studenten Encolpio und Ascilto, die sich wenig später gemeinsam auf eine Reise der Ausschweifung begeben. Der Film führt seine beiden Protagonisten durch artifizielle wie opulente Sets und erzählt mal humorvolle, mal albtraumartige Geschichten. SATYRICON ist dabei eine spielerische, phasenweise größenwahnsinnige und zutiefst subjektive Aneignung der Antike. Diese wird gerade nicht idealisiert oder vergeistigt, sondern mit einem Augenmerk für die Schönheit und Schrecklichkeit der Leidenschaft, des Rohen und Obszönen betrachtet.

Mittwoch  05.01.2022

18:00 Uhr

FEDERICO FELLINI - MIT DEN AUGEN DER ANDEREN

Deutschland 2003. R: Eckhart Schmidt. Dokumentarfilm mit Anouk Aimée, Dino De Laurentiis, Anita Ekberg, Sandra Milo, Giuseppe Rotunno. 89 Min. Digital. Ital. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

Anlässlich des 10. Todestages von Fellini im Oktober 2003 versammelte der Regisseur Eckhart Schmidt viele Stars, Mitstreiter und Wegbegleiter des italienischen Ausnahmeregisseurs, um ohne Archivmaterial durch ihre Augen ein lebendiges Bild des Künstlers und Menschen Fellini zu zeichnen. Darunter sind die Schauspierinnen Anita Ekberg, Anouk Aimée und Sandra Milo, die Produzenten Dino de Laurentiis und Alberto Grimaldi, der legendäre Kameramann Giuseppe Rotunno, der Fellini-Freund Gore Vidal, Italiens bekanntester Kritiker und Fellini-Biograph Tullio Kezich, Fellinis engster Ko-Autor Tullio Pinelli sowie die deutschen Schauspieler Friedrich von Thun (GINGER E FRED) und Balduin Baas (PROVA DI ORCHESTRA), aber auch der Kellner in Fellinis Lieblingsrestaurant kommt zu Wort. Mit vielen Einblicken und Anekdoten entsteht so ein kurzweiliges, vielschichtiges, intimes und nachdenkliches Porträt des Filmemachers und seiner Kunst.

Donnerstag  06.01.2022

20:30 Uhr

GIULIETTA DEGLI SPIRITI

Julia und die Geister
Italien/Frankreich 1965. R: Federico Fellini. D: Giulietta Masina, Sandra Milo, Mario Pisu. 137 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

Der erste abendfüllende Farbfilm des Regisseurs und eine Art Komplementärstück zu OTTO E MEZZO: Giuletta ist eine wohlsituierte Frau, die den Sommer in einem Landhaus verbringt. Ihr Ehemann ist oft abwesend und verhält sich zunehmend distanziert. Während einer Séance kommt die Frau in Kontakt mit der Geisterwelt und geprägt von dieser Erfahrung beginnt sie ihrem Mann nachzuforschen, der eine Affäre zu haben scheint. Fellini beschwört in GIULIETTA DEGLI SPIRITI einen traumwandlerischen Strudel aus Visionen, bizarren Charakteren und fantastischen Erinnerungen. Während die Grenzen zwischen Realität und Imagination zunehmend durchlässig werden, verschreibt sich der Film ganz der Darstellung der Innenwelt seiner Protagonistin. Nicht zuletzt ist der Film auch eine Hommage des Regisseurs an seine Ehefrau, Giulietta Masina.

Freitag  07.01.2022

18:00 Uhr

I VITELLONI

Die Müßiggänger
Italien/Frankreich 1953. R: Federico Fellini. D: Alberto Sordi, Franco Fabrizi, Franco Interlenghi. 100 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

I VITELLONI schildert das Leben einer Gruppe von fünf jungen Männern aus der Mittelschicht in einem Badeort an der Adria, die sich weigern, erwachsen zu werden, und deren Alltag von viel Leerlauf bestimmt ist. Langsame, fließende Kamerabewegungen nehmen das ziellose Herumstreifen der Protagonisten auf. Deren sinnlose Unternehmungen und Vergnügungen werden scharf seziert und doch zugleich mit großem Verständnis beschrieben, über die Komik und Aufgekratztheit an der Oberfläche legt sich eine melancholische Stimmung, denn Fellini hat hier viel Autobiographisches aus seiner eigenen Jugend in Rimini einfließen lassen. I VITELLONI wurde Fellinis erster internationaler Erfolg und zum Vorbild für etliche ähnlich angelegte Jugendfilme.

Sonntag  09.01.2022

20:30 Uhr

L'AMORE IN CITTÀ

Liebe in der Stadt
Italien 1953. R: Michelangelo Antonioni, Federico Fellini, Alberto Lattuada, Carlo Lizzani, Francesco Maselli, Dino Risi, Cesare Zavattini. 96 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitlesFilmreihe: Retrospektive Federico Fellini

L’AMORE IN CITTÀ war ein Projekt des Drehbuchautors Cesare Zavattini, mit dem er seine Idee des Tatsachenfilms, also ein neorealistisches Projekt in Reinform, verwirklichen wollte. In sechs Episoden, die allesamt reportageartig angelegt sind, erzählen unterschiedliche Regisseure, alle nach einer Vorlage von Zavattini, Verschiedenes aus dem Alltag der Gegenwart von 1953. Das gemeinsame Thema ist das der (romantischen, käuflichen oder verhängnisvollen) Liebe in der Stadt. Der Film bezieht seine Kraft aus der genauen Beobachtung des Alltags; in einem Fall wird ein tatsächliches Ereignis mit der realen Protagonistin rekonstruiert. Fellini inszenierte die Episode „Un’agenzia matrimoniale“ über einen Reporter, der den Auftrag erhält, im Umfeld einer Heiratsvermittlungsagentur zu recherchieren. Als er dabei einer jungen Frau aus der Provinz begegnet, muss er seine eigenen Erwartungen überdenken. Neben Fellini beleuchten Regisseure wie Michelangelo Antonioni, Alberto Lattuada oder Dino Risi verschiedene Facetten zwischenmenschlicher Beziehungen und orientieren sich mal mehr, mal weniger an neorealistischen Techniken. „Ich dachte: ‚Was würden James Whale oder Tod Browning tun, wenn sie Frankenstein oder Dracula im Stile des Neorealismus drehen müssten?“ Und so kam AGENZIA MATRIMONIALE zustande.“ (Federico Fellini)

Dienstag  11.01.2022

20:30 Uhr

GINGER E FRED

Ginger und Fred
Italien/Frankreich/BRD 1986. R: Federico Fellini. D: Giulietta Masina, Marcello Mastroianni, Franco Fabrizi. 127 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Vorfilme: BARILLA ALTA SOCIETÀ
Italien 1984. R: Federico Fellini. 35mm. 1 Min.
BITTER CAMPARI
Italien 1984. R: Federico Fellini. 35mm. 1 Min.
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

In den 1950er Jahren trat ein italienisches Tingeltangel-Tanzpaar in Anspielung an Ginger Rogers und Fred Astaire als „Ginger und Fred“ auf. Nun, dreißig Jahre nach ihrer Glanzzeit, kommen sie noch einmal zu einem nostalgischen Wiedersehen in einem Fernsehstudio zusammen. Sie wurden für eine Weihnachtsshow aus der Versenkung geholt, ebenso wie allerlei andere Starimitator:innen und skurrile Typen: ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, in dem sie sich deplaziert fühlen. GINGER E FRED ist vor allem eine grandiose Abrechnung mit dem Fernsehen, aber die satirische Groteske wird überzogen von einem Hauch von Wehmut, wenn Ginger und Fred noch einmal zusammentreffen. Mastroiannni ist hier deutlich ein Alter Ego Fellinis.

Donnerstag  13.01.2022

18:00 Uhr

FELLINI: A DIRECTOR’S NOTEBOOK

USA 1969. R: Federico Fellini. D: Federico Fellini, Giulietta Masina, Marcello Mastroianni. 51 Min. Blu-ray. Engl. OF
Original version
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

FELLINI: A DIRECTOR’S NOTEBOOK beginnt in einem von Pflanzen überwucherten Science-Fiction-Set, das Fellini für den unvollendeten Film IL VIAGGIO DI G. MASTORNA aufbauen ließ. Ausgehend von diesem gescheiterten Projekt gibt der Regisseur Einblicke in seine Arbeitsprozesse, präsentiert unveröffentlichte Szenen aus vergangenen Filmen und fingiert Probeaufnahmen für zukünftige Projekte. Ein fiktionaler Blick hinter die Kulissen und, wie der Titel bereits vorgibt, ein filmisches Notizbuch, das nicht zuletzt einige augenzwinkernde Verbeugungen vor Stammschauspielern wie Marcello Mastroianni enthält.

Samstag  15.01.2022

20:30 Uhr

I VITELLONI

Die Müßiggänger
Italien/Frankreich 1953. R: Federico Fellini. D: Alberto Sordi, Franco Fabrizi, Franco Interlenghi. 100 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

I VITELLONI schildert das Leben einer Gruppe von fünf jungen Männern aus der Mittelschicht in einem Badeort an der Adria, die sich weigern, erwachsen zu werden, und deren Alltag von viel Leerlauf bestimmt ist. Langsame, fließende Kamerabewegungen nehmen das ziellose Herumstreifen der Protagonisten auf. Deren sinnlose Unternehmungen und Vergnügungen werden scharf seziert und doch zugleich mit großem Verständnis beschrieben, über die Komik und Aufgekratztheit an der Oberfläche legt sich eine melancholische Stimmung, denn Fellini hat hier viel Autobiographisches aus seiner eigenen Jugend in Rimini einfließen lassen. I VITELLONI wurde Fellinis erster internationaler Erfolg und zum Vorbild für etliche ähnlich angelegte Jugendfilme.

Sonntag  16.01.2022

20:30 Uhr

AMARCORD

Italien/Frankreich 1973. R: Federico Fellini. D: Bruno Zanin, Magali Noël, Pupella Maggio. 123 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

„A m’arcord“ – „Ich erinnere mich“: Mit Kindheitserinnerungen und den ihm eigenen Fantasien und Obsessionen evoziert Fellini ein ausuferndes Panorama des Lebens im Rimini der 1930er Jahre. Der Film verbindet dabei in einer fließenden Erzählstruktur eine Vielzahl an kleinen Geschichten: AMARCORD erzählt so beispielsweise vom Heranwachsen des pubertierenden Titta in der Kleinstadt, von der Zeit des Faschismus sowie des Widerstands und nicht zuletzt der lokalen Dorfschönheit Gradisca. Den Figuren des Films wohnt dabei eine besondere Lebendigkeit inne, die mal ganz konkret, mal artifiziell entrückt hergestellt wird.

Mittwoch  19.01.2022

18:00 Uhr

IL BIDONE

Die Schwindler
Italien/Frankreich 1955. R: Federico Fellini. D: Broderick Crawford, Franco Fabrizi, Richard Basehart, Giulietta Masina. 112 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

IL BIDONE zeigt drei Gauner, die in verschiedenen Verkleidungen, darunter auch als Priester, und mit immer neuen Tricks und Inszenierungen einfachen Leuten auf dem Land um Rom herum das Geld aus der Tasche ziehen. Die Begegnung mit einem gelähmten Mädchen, das an ihn glaubt, erschüttert einen der Schwindler so sehr, dass er aussteigen möchte, doch seine Kumpane versuchen das zu verhindern. Mit den Mitteln des poetischen Realismus gelingt Fellini nicht nur ein eindringliches Bild der sozialen Verhältnisse im ländlichen Italien der 1950er Jahre, sondern auch eine glaubwürdige moralische Parabel über Schuld und Läuterung.

Donnerstag  20.01.2022

18:00 Uhr

PROVA D‘ORCHESTRA

Orchesterprobe
Italien/BRD 1979. R: Federico Fellini. D: Balduin Baas, Clara Colosino, Elisabeth Labi. 70 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Vorfilm: TOBY DAMMIT
Italien/Frankreich 1968. R: Federico Fellini. D: Terence Stamp, Salvo Randone. 44 min. Ital./Engl. OmeU
Filmreihe: Federico Fellini

In einer abbruchreifen Kirche findet eine Orchesterprobe statt, gefilmt von einem Fernsehteam, das in den Pausen Interviews mit einzelnen Musiker:innen und dem Dirigenten führt. Die Musiker:innen erklären die Vorzüge ihres Instruments. Doch das Ganze gerät aus dem Ruder, die Musiker:innen proben den Aufstand gegen den Dirigenten, der die Situation zusehends schwerer unter Kontrolle bringt. Ohne Mühe lässt sich PROVA D’ORCHESTRA auch als politische Parabel verstehen. Als Vorfilm läuft TOBY DAMMIT, Fellinis Beitrag zu dem Episodenfilm HISTOIRES EXTRAORDINAIRES, drei Verfilmungen von Erzählungen Edgar Allan Poes (die beiden anderen stammten von Louis Malle und Roger Vadim).

Freitag  21.01.2022

20:00 Uhr

AMARCORD

Italien/Frankreich 1973. R: Federico Fellini. D: Bruno Zanin, Magali Noël, Pupella Maggio. 123 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

„A m’arcord“ – „Ich erinnere mich“: Mit Kindheitserinnerungen und den ihm eigenen Fantasien und Obsessionen evoziert Fellini ein ausuferndes Panorama des Lebens im Rimini der 1930er Jahre. Der Film verbindet dabei in einer fließenden Erzählstruktur eine Vielzahl an kleinen Geschichten: AMARCORD erzählt so beispielsweise vom Heranwachsen des pubertierenden Titta in der Kleinstadt, von der Zeit des Faschismus sowie des Widerstands und nicht zuletzt der lokalen Dorfschönheit Gradisca. Den Figuren des Films wohnt dabei eine besondere Lebendigkeit inne, die mal ganz konkret, mal artifiziell entrückt hergestellt wird.

Sonntag  23.01.2022

16:45 Uhr

BOCCACCIO '70

Italien/Frankreich 1962. R: Mario Monicelli, Federico Fellini, Luchino Visconti, Vittorio De Sica. D: Marisa Solinas, Anita Ekberg, Peppino De Filippo, Romy Schneider, Sophia Loren. 205 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

Hinter diesem Film steht die Idee, das Verhältnis von Liebe und Moral im Geiste Giovanni Boccaccios für die Gegenwart zu beleuchten. Mario Monicelli, Federico Fellini, Luchino Visconti und Vittorio De Sica steuerten jeweils eine Episode bei, wobei die Bandbreite vom Brecht‘schen Lehrstück (Visconti) bis zur folkloristischen Komödie (De Sica) reicht. Fellinis Episode ist die längste und gelungenste; in ihr setzt er sich satirisch mit den Moralaposteln auseinander, die sich über die angebliche Sittenlosigkeit von LA DOLCA VITA empört hatten. Dazu erzählt er die Geschichte eines verklemmten Intellektuellen, der einen Kampf gegen ein riesiges Werbeplakat für Milch führt, auf dem Anita Ekberg in aufreizender Pose zu sehen ist.

Dienstag  25.01.2022

19:30 Uhr

IL CASANOVA DI FEDERICO FELLINI

Fellinis Casanova
Italien 1976. R: Federico Fellini. D: Donald Sutherland, Margaret Clementi, Clarissa Mary Roll. 155 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

IL CASANOVA DI FEDERICO FELLINI, so der Haupttitel im Vorspann, ist tatsächlich ganz und gar Fellinis eigene Sichtweise auf diese Figur. Episodisch werden Stationen aus dem Leben Casanovas aufgereiht: diverse Liebesabenteuer, die Haft in den Bleikammern, das Exil in Frankreich und England, die Aufenthalte an verschiedenen europäischen Höfen, schließlich die letzte Station als Bibliothekar auf Schloss Dux in Böhmen. Fellini ist dabei dem berühmten Venezianer keineswegs zugeneigt, eher im Gegenteil: Casanovas Liebesbemühungen wirken von Anfang an rein mechanisch und hinter der äußerlichen Pracht und Opulenz treten zunehmend Vergeblichkeit und Verfall zutage. Aber: Casanova ist sich dessen bewusst.

Donnerstag  27.01.2022

18:00 Uhr

LE NOTTI DI CABIRIA

Die Nächte der Cabiria
Italien/Frankreich 1957. R: Federico Fellini. D: Giulietta Masina, François Périer, Franca Marzi. 110 Min. 35mm. OmeU
Original version with English subtitles
Filmreihe: Retrospektive Federico Fellini

In LE NOTTI DI CABIRIA spielt Fellinis Ehefrau Giulietta Masina die Hauptrolle: Die naive Prostituierte Cabiria lebt in einer der ärmsten Gegenden Roms. Immer wieder wird sie von Männern enttäuscht und gedemütigt. Schließlich bringt ihr Zuhälter sie fast um, um an ihre Ersparnisse zu kommen. Cabiria wartet auf ein Wunder. Und tatsächlich: Ein Filmstar nimmt sie eines Tages bei sich auf. Ist er etwa die Liebe ihres Lebens? LE NOTTI DI CABIRIA, an dessen Drehbuch auch Pier Paolo Pasolini beteiligt war, gewann 1958 den Oscar® als „Bester fremdsprachiger Film“.